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22.07.2010

Der Landkreis will sich stärker um seine Senioren kümmern

Blick in die Zukunft alter Menschen. Was der Landkreis und die Kommunen tun können, um die Lebensumstände für Senioren gut zu gestalten, darum geht es in einem Gesamtkonzept, das nach einer Umfrage im Kreis erarbeitet wurde. Altersgerechtes Wohnen wird dabei ebenso angesprochen wie die ärztliche Versorgung, die Pflege oder das soziale Umfeld. Foto: Wyszengrad
Bild: Wyszengrad

Nördlingen/Donauwörth Seit Oktober wurde daran gearbeitet, jetzt ist es fertiggestellt: das seniorenpolitische Gesamtkonzept für den Landkreis Donau-Ries. 2400 ältere Menschen sind nach ihren Lebensumständen und ihren Wünschen befragt worden, ebenso die Träger aller ambulanten und stationären Einrichtungen sowie die Gemeindeämter. Herausgekommen ist eine Studie mit der anspruchsvollen Zielsetzung, den Landkreis "seniorengerecht" zu gestalten, um damit auf eine immer älter werdende Gesellschaft reagieren zu können und den Bürgern ein selbstbestimmtes Leben und Wohnen im Alter zu ermöglichen. Sie wurde erstellt vom Landratsamt in Zusammenarbeit mit der "Arbeitsgemeinschaft Sozialplanung in Bayern" und basiert auf einer Vorgabe der Bayerischen Staatsregierung.

Um die demographischen Veränderungen in den Griff zu bekommen, wird es immer mehr darauf ankommen, dass sich die älteren Menschen möglichst lange selbst versorgen, beziehungsweise Hilfsdienste in Anspruch nehmen können: Ambulant vor stationär heißt deshalb das Motto.

Mit Pflegeplätzen gut versorgt

In der Studie wurde unter diesem Blickwinkel alles auf den Prüfstand gestellt: Reichen die entsprechenden sozialen Einrichtungen im Landkreis aus, wie ist es um die Infrastruktur auf dem flachen Land bestellt (ärztliche Versorgung, Dorfläden, öffentlicher Nahverkehr), wie sieht die Wohnsituation aus. In mancherlei Hinsicht schneidet der Landkreis schon jetzt gut ab, in verschiedenen Bereichen aber sind markante Defizite erkennbar. Immerhin verfügt der Landkreis über 959 Pflegeplätze mit steigender Tendenz, die nach Ansicht von Landrat Stefan Rößle für die nächsten Jahre ausreichen werden.

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Immer mehr in Mode kommt das betreute Wohnen, inzwischen ein interessanter Markt für private Investoren. Dagegen gibt es bisher nur eine unzureichende Zahl an Plätzen für die Kurzzeitpflege in den Bürger- und Altenheimen des Landkreises. Sie dient unter anderem dafür, Angehörige von Pflegebedürftigen wenigstens ein paar Wochen im Jahr zu entlasten. Dass sich aber auch die Nachfrage bisher in Grenzen hält, liegt nicht nur an dem knappen Angebot, sondern auch daran, dass sich viele Angehörige eine solche Entlastung finanziell schlicht nicht leisten können, wie auch der gKU-Vorstand Gerhard Wurm ( Donauwörth) gegenüber unserer Zeitung bestätigt.

Defizite sehen die Befragten vor allem in der Nahversorgung, beim öffentlichen Nahverkehr und in der sozialen Infrastruktur. Wer kein Auto hat oder nicht mehr radeln kann, ist auf den Bus angewiesen - aber hier hapert es. Erstaunlich ist, dass der Rufbus im Ries bisher keine rechte Akzeptanz erfahren hat, wohingegen in anderen Teilen des Landkreises das Angebot sehr gut genützt wird. Deshalb macht man sich im Landratsamt und im Kreistag derzeit Gedanken, wie man den Rufbus im Ries anschieben könnte. In Tapfheim gibt es einen eigenen Fahrdienst für Senioren - für Landrat Stefan Rößle ein Beispiel mit Nachahmungscharakter.

In der Bürgerbefragung ist vor allem eines deutlich geworden: Es fehlt auf dem Land an Lebensmittelgeschäften, an Fahrdiensten und - vor allem - an einer flächendeckenden ärztlichen Versorgung. "Dieses Problem brennt uns auf den Nägeln", bekennt Rößle, der "mit großer Sorge" die jüngsten Beschlüsse der Bundesregierung betrachtet, die vor allem die Aufrechterhaltung der hausärztlichen Versorgung durch geplante Honorarminderungen bedrohen.

Mangel bei ärztlicher Versorgung

Der CSU-Politiker will deshalb dieses Thema bei der Sitzung des CSU-Landesvorstandes Anfang August zur Sprache bringen. "Es darf nicht sein", so Rößle, "dass sich die ärztliche Versorgung auf dem flachen Land nicht nur nicht verbessert, sondern sogar noch verschlechtert." Auch beklagt der Landrat einen Mangel an Fachärzten. So fordert er eine Gesetzesänderung, die es ermöglicht, die starren Niederlassungskriterien durch die Kassenärztliche Vereinigung aufzuweichen: "Seit Jahren kämpfen wir für einen zweiten Neurologen im Landkreis - vergebens."

Mit dem demographischen Wandel in der deutschen Gesellschaft wird auch eine Veränderung der Wohnformen für Senioren einhergehen. Das betreute Wohnen ist auf dem Vormarsch, immer mehr Senioren wollen gerne in einer Wohnung mit gesicherter Betreuung bei Krankheit und Pflegebedürftigkeit leben. Im Focus steht dabei auch das sogenannte barrierefreie Wohnen, das den alten Menschen nicht noch zusätzliche Hürden in den Weg legt. Hier sind vor allem die Kommunen, die Architekten und die privaten Bauträger gefragt.

Leitfaden und Anregung für die Kommunen

Vieles von dem, was in dem seniorenpolitischen Gesamtkonzept steht, kann man nur als Absichtserklärung bezeichnen, ob nun die Forderung nach mehr gerontopsychiatrischen Angeboten oder Bestellung von Seniorenvertretungen in allen Gemeinden. Rößle sieht das Papier deshalb nur als Leitfaden an, den man den Kommunen an die Hand gibt, ohne sie nun zwangszuverpflichten, alle Forderungen umzusetzen. Rößle: "Das sind lediglich Anregungen."

Offenbar gibt es aber eine Reihe von Bürgermeistern im Kreistag, die sich vor Erwartungshaltungen fürchten, die sie womöglich nicht erfüllen können. Nur so ist es nach Informationen der Rieser Nachrichten zu erklären, dass dieses seniorenpolitische Konzept, das nach Auffassung von Experten auch eine Sammlung bereits bestehender "toller Angebote" für Senioren im Landkreis beinhaltet, immer noch intern behandelt wird.

So wurde das Papier lediglich in nicht öffentlicher Sitzung dem Ausschuss für Familie, Jugend und Sport vorgestellt, weil es die Mehrheit der Mitglieder so wollte.

Im Herbst aber soll sich der Kreistag endgültig damit befassen, derzeit wird das Konzept, das auch den Rieser Nachrichten vorliegt, in den Fraktionen behandelt.

Und dann soll auch geklärt werden, ob man im Rahmen des vom Landkreis initiierten Familienbündnisses womöglich einen eigenen Arbeitskreis für Senioren am Landratsamt installiert.

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