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Konzert

26.05.2017

Die Nachtmusik der Straßen Madrids

Die Internationalen Rosetti-Festtage wurden heuer im Kaisersaal der Abtei Kaisheim mit einem Kammerkonzert des Ensemble Mediterrain eröffnet. Rahel Rilling und Alvaro Parra (Violinen), Madeleine Przybyl (Viola), Bruno Borralhinho und Charles-Antoine Duflot (Violoncelli) spielten ein Streichquartett von Antonio Rosetti und Streichquintette von Luigi Boccherini und Franz Schubert.
Bild: Mayer

Das Ensemble Mediterrain eröffnet die Rosetti-Festtage in Kaisheim

Die 18. Rosetti-Festtage im Ries folgen im Jahr 2017 den Spuren Mozarts, der auf dem Weg durch das Fürstentum Wallerstein nach Mannheim und Paris in der Reichsabtei Kaisheim Station machte. Im Kaisersaal konnte Johannes Moesus, der Präsident der Internationalen Rosetti-Gesellschaft, das Festival eröffnen. Im 25. Jahr ihres Bestehens begann das Ensemble Mediterrain die Konzertreihe in einem Kammerkonzert mit einer naturalistischen Klangmalerei von Luigi Boccherini. In seinem „Streichquintett C-Dur“ beschrieb dieser seinen Eindruck über die „Nachtmusik in den Straßen von Madrid“. Der italienische Zeitgenosse Antonio Rosettis war 25 Jahre bis zu seinem Tod am spanischen Königshof tätig.

Die „La Musica notturna delle strade di Madrid“ begann mit einem „Gebet der Pfarreien“ („Ave Maria delle Parrochie“), das die Violinen zur gitarrenähnlichen Zupfbegleitung der beiden Celli und der Viola imitierten. Im zweiten Satz, dem Tanz der blinden Bettler, „Minuetto di cechi“, erklang zur flotten Pizzikato-Begleitung eine heitere Tanzmelodie, bevor zum „Rosenkranzgebet“ wieder nächtliche Ruhe einkehrte. Die Straßensänger („Los Manolos“) ziehen anschließend mit einem Straßengesang („Passacaglia“), durch die Gassen, bis sie den Zapfenstreich („Ritirata“) der Nachtwache hören. In der Besetzung mit zwei Violinen, Viola und zwei Celli präsentierte das Ensemble diese anschauliche Musik mit sichtbarer Freude und exaktem Zusammenspiel.

Im „Streichquartett D-Dur“ von Antonio Rosetti, dem heute und schon von seinen damaligen Hörern Leichtigkeit in doppeltem Sinn nachgesagt wird, spielten die virtuosen Streicher die eingestreuten schnellen Läufe ungemein flüssig und mit äußerster Exaktheit. So leicht aber seine Sätze vermeintlich sind, so schwer sind sie auch vorzutragen.

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Das konnte man ahnen, als die Spieler im ersten Satz die schnellen Motive in einer frappierenden Rasanz weiterreichten oder in dem folgenden Andante die gefühlsbetonte Seite Rosettis in wunderbarem Pianospiel heraushoben. Das abschließende Rondo bestach bis zum still verklingenden Schluss durch Eleganz und Heiterkeit.

Weit gedehnte melodische Bögen waren in seinem „Streichquintett C-Dur“ Ausdruck der tiefen, romantischen Sehnsucht Franz Schuberts. Die Legato-Melodien, Staccatofiguren, rhythmischen Impulse und Sforzati gaben den Ausdruck seiner Empfindungen wieder, das allseits bewunderte Spätwerk des Komponisten ist sein musikalisches Vermächtnis. Der Wechsel von Stimmungen wird gleich im ersten Satz erkennbar an den schweren Forte-Akzenten und an dem emotionalen Mittelteil, besonders auch bei dem wunderbaren Viola-Solo Madeleine Przybyls. Die spieltechnischen Feinheiten reichten vom zarten Pizzikato über Doppelgriffe und Tremoli bis zu scharf akzentuierten Synkopen.

Das abschließende Scherzo begann das Ensemble in furiosem Presto mit imitierten Hornklängen und beendete es mit einer Art stillem, flehendem Gebet. Das Publikum applaudierte am Ende begeistert für die famosen Leistungen.

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