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Hintergrund

24.05.2019

Eine Landesgartenschau in Nördlingen?

Das Thema Landesgartenschau in Nördlingen müsse man „unbedingt“ wieder aufgreifen, meint Wolfgang Goschenhofer, Fraktionsvorsitzender von Grüne/Frauenliste im Nördlinger Stadtrat. Er befürwortet einen Natur-Campingplatz zwischen Bädle und Schlössle.
Bild: Bachmann

Plus Mit ihren Bewerbungen war die Stadt Nördlingen in der Vergangenheit nicht erfolgreich. Im Stadtrat gibt es Stimmen, die sich für einen neuen Vorstoß aussprechen.

Gerade einmal 30 Kilometer von Nördlingen entfernt wurde gestern die Landesgartenschau eröffnet. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder kam dafür extra nach Wassertrüdingen, 108 Tage soll die Schau geöffnet sein. Auch aus dem Ries werden dort mehrere Gruppen vertreten sein, die Stadt Nördlingen stellt sich am 27., 28., 30. und 31. Mai sowie vom 2. bis 4. August im Regionalpavillon vor. Nun ist der Weg – auch dank der derzeitigen Bahnverbindung – in die fränkische Nachbarstadt nicht weit, doch so eine eigene Landesgartenschau im Ries wäre schon auch was, meint manches Mitglied im Nördlinger Stadtrat.

Die Stadt hat sich in der Vergangenheit bereits um Gartenschauen bemüht, schon in den 90ern, in der Amtszeit von Alt-Oberbürgermeister Paul Kling. Als dessen Nachfolger Hermann Faul im November 2006 seine erste Bürgerversammlung abhielt, stellte er eine Münchner Planerin vor. Und die wiederum präsentierte ihre Ideen für eine Landesgartenschau in Nördlingen. Von einem neuen Stadtpark mit See war da beispielsweise die Rede und von möglichen 750000 Besuchern. Faul sprach von einer Wertschöpfung von 20 Millionen Euro. Auch die Bürger äußerten sich damals überwiegend positiv, wie im Bericht der Rieser Nachrichten nachzulesen ist. Nur das Logo wurde offenbar von vielen kritisch gesehen und später als „Gekringel“ bezeichnet. Den Zuschlag bekam Nördlingen nicht, genauso wenig wie 2012. Zu diesem Zeitpunkt, so erinnert sich Oberbürgermeister Hermann Faul heute, habe man mit Vertretern der Gesellschaft, die für die Landesgartenschauen zuständig ist, Vorgespräche für eine Schau 2020 in Nördlingen geführt: „Es ist leider nix daraus geworden.“

Das Thema habe man bislang nicht ganz zur Seite geschoben: „Man soll nie nie sagen.“ Jedoch: Eine Stadt bekommt für eine Landesgartenschau zwar hohe Fördermittel, muss aber auch einen Batzen Eigenanteil leisten: „Momentan haben wir das finanzielle Polster nicht“, so Faul. Zudem brauche man eine Fläche, die man entwickeln könne, auf der die Landesgartenschau stattfinde. Das BayWa-Areal werde mittlerweile bebaut. Und die Fläche zwischen Bädle und Schlössle sei Überschwemmungsgebiet. Um dort einen See anlegen zu können, müsste man zunächst eine künstliche Wanne bauen, weil der Boden durchlässig sei. Man könnte die Marienhöhe oder den Sportpark miteinbeziehen, so Faul, doch eine Nähe zur Stadt sei wichtig. Am Nähermemminger Weg stehen mittlerweile Wohnungen und Einfamilienhäuser, 2006 hatte die Planerin dort ein Hotel mit Wellness-Bereich vorgeschlagen.

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Im Stadtgraben einen Park um Nördlingen

CSU-Fraktionsvorsitzender Jörg Schwarzer meint, man solle auf alle Fälle noch einmal über eine Bewerbung für eine Landesgartenschau nachdenken. Es sei „immer überlegenswert, Grünraum in Nördlingen zu schaffen“ – vor allem, wenn die Bürger davon nachhaltig profitierten. Schwarzer kann sich beispielsweise im Stadtgraben einen Park um Nördlingen vorstellen, aber: „Da müssen Fachleute drüber reden.“

Der Fraktionsvorsitzende der Stadtteilliste, Thomas Mittring, sieht die Sache eher „reserviert“, wie er sagt: „Ob so etwas die Massen anzieht?“ Er verweist auf Schwäbisch Gmünd, dort fand die Landesgartenschau 2014 statt. Deutlich weniger Gäste hätten sie besucht, als prognostiziert. Zudem habe Nördlingen kein Auen-Gebiet wie Wassertrüdingen, kein geeignetes Gelände. Zwar wäre eine Landesgartenschau Werbung für die Stadt, sie koste aber auch einiges.

PWG-Fraktionsvorsitzender Helmut Beyschlag erinnert sich, dass das Thema Landesgartenschau zu Zeiten des Alt-OBs Kling immer wieder aufs Tableau kam. Derzeit falle ihm kein Gebiet in der Stadt ein, dass ihm „ein Dorn im Auge sei“. Doch der Werbeeffekt für Nördlingen wäre mit solch einer Schau enorm. Beyschlag sagt zu den Stadtgraben-Grundstücken: „Da bräuchte man ein spezielles und gutes Konzept, um einen Treffer zu landen.“

Unbedingt müsse man das Thema wieder aufgreifen, fordert dagegen Wolfgang Goschenhofer, Fraktionsvorsitzender von Grüne/Frauenliste: „Das wäre eine Chance für Nördlingen und die Region.“ Zwar sei das Gebiet zwischen Bädle und Schlössle Überschwemmungsgebiet. Doch man könnte Bereiche aufschütten, meint Goschenhofer: „Wir wollten dort schon immer einen Natur-Campingplatz.“ Man habe in Nördlingen noch gar nicht erkannt, was für ein Juwel man mit der Eger habe.

„Natürlich wäre das was“, meint SPD-Fraktionsvorsitzende Rita Ortler zu einer Landesgartenschau in Nördlingen. Sie kann sich einen Barfuß-Park vorstellen, einen Bezug zum Mittelalter – und, dass man aus den Stadtgraben-Grundstücken etwas machen könnte: „Ich denke, dass jede Landesgartenschau für die jeweilige Region etwas Tolles hervorgebracht hat.“

Den Bericht zur Eröffnung der Gartenschau in Wassertrüdingen lesen Sie hier: Ministerpräsident Söder eröffnet die Wassertrüdinger Gartenschau

RN-Redaktionsleiterin Martina Bachmann kommentiert: Die Stadt sollte sich Neues einfallen lassen, um im Gespräch zu bleiben: Ideen für ein attraktives Nördlingen

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