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Porträt

19.01.2018

Er gab bei „Nördlingens Botschaftern“ 35 Jahre lang den Takt an

Mit jedem Schwung des Taktstocks schwingt Georg Winklers natürliche Autorität mit, die 35 Jahre lang disziplinierte Auftritte garantierte.
Bild: Scherer

Georg Winkler übernahm 1982 die Knabenkapelle und baute sie ordentlich aus.

Die Bundeswehr gab Georg Winkler den entscheidenden Schub als Musiker: Sein Vater hatte ihn auf der Klarinette unterrichtet und er schaffte es in die Kapelle seiner Heimatstadt Gundelfingen. Als er eingezogen wurde, ergriff er die Chance, im Musikkorps Ulm mit der Klarinette statt mit dem Gewehr seinen Wehrdienst zu verrichten, qualifizierte sich für das Heeresmusik-Korps 11 in Bremen und absolvierte dazu noch ein Musiklehrer-Examen. Damit hatte er beste Chancen, als die Stadt Nördlingen 1982 einen Leiter der Knabenkapelle suchte.

Von Fritz Walter übernahm er 90 hoch disziplinierte Jungmusiker, fand gut in das vorgeplante Auftrittsprogramm – etwa mit Staben- oder Mess’-Umzug – hinein und sah eine gute Basis, Programm und Truppe auszubauen. Zunächst erweiterte er das Repertoire von den vorherrschenden Märschen um Rock und moderne Blasmusik. Das gefiel den Jungs – immer mehr bewarben sich, heute sind es 160. Auch das Publikum begeisterte sich immer mehr, das Klösterle wurde zu klein für die Jahresschluss-Konzerte, die heute bekanntermaßen in der Vierfachturnhalle stattfinden. Obwohl die Knabenkapelle Uniform trägt, im Gleichschritt marschiert, vorbildlich exerziert und Winkler acht Jahre lang Soldat war, will er nichts Militärisches daran sehen: „Hier geht es rein um Orchester-Disziplin“, betont er. Sprich, man muss sich einzufügen und ebenso als Solist brillieren können. „Das ist eine Schule fürs Leben, denn beispielsweise beim Bewerbungsgespräch kann einem ebenso wie beim Solospiel kein Mensch mehr helfen; ansonsten ist im Beruf der gleiche Teamgeist gefragt wie in der Kapelle.“

Mit der Begrenzung der Mitgliedschaft gab es Probleme. Erstens waren die „Knaben“ oft sehr traurig, dass sie mit 18 Jahren gehen mussten, zweitens gab es immer wieder Anfragen an den Stadtrat, warum Mädchen nicht mitmachen durften. Letzteres sah auch Winkler als Konflikt: „Knaben“ im Namen schloss Mädchen ebenso aus wie die traditionellen Uniformen der Stadtsoldaten aus dem 17. Jahrhundert; aber es war wirklich nicht mehr zeitgemäß, das andere Geschlecht auszusperren. 1990 fand er die Lösung: Oberbürgermeister Paul Kling und der Stadtrat stimmten ihm zu, die Stadtkapelle zu gründen. Generell seien Oberbürgermeister, Stadtrat und Verwaltung immer fest hinter Knaben- und Stadtkapelle gestanden: „Sonst hätte sich niemals alles so prächtig entwickeln können.“ Heute hat die Stadtkapelle 70 Mitglieder, je zur Hälfte weibliche und männliche. 15 Jahre lang leitete Georg Winkler beide Kapellen – „eine enorme zusätzliche Arbeit“, sagt er rückblickend. Aber dann fand Armin Schneider den Weg, den auch der Großteil der mittlerweile neun Musiklehrer in beiden Kapellen beschritten: Von der Knabenkapelle zum Musikstudium und als Musiker zurück in die Heimat. Orchester-Nachwuchs kommt unter anderem aus der „Bläserklasse“, einer Kooperation der Kapellen mit der Grundschule Mitte. Aber auch viele Kinder ehemaliger Mitglieder lassen sich von der Begeisterung der Väter anstecken.

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Großartig waren die Reisen, die der Kapelle weltweit den Ruf als „Nördlingens Botschafter“ einbrachten: In Chicago ehrte man 1990 posthum Oskar Mayer, der von Nördlingen dorthin ausgewandert war, mit seinem Würstchen-Imperium Millionär wurde und 1924 mit 500 Dollar die Gründung der Knabenkapelle finanzierte. In Japan flippten die Leute regelrecht aus, wenn die Kapelle spielte, rissen sich darum, die jungen Musiker zu beherbergen und ehrten sie Zuhause persönlich mit Klein-Feuerwerken. Australien, Kanada, Skandinavien waren weitere Ziele, in ganz Europa besuchte man Orte mit imposanten Stadtmauern, vereint im „Wall town friendship circle“.

Nun neigt sich die Zeit von Georg Winkler als Kapellmeister dem Ende zu – ab dem 1. März arbeitet er seinen Nachfolger Oliver Körner ein, am 23. Juni findet auf dem Marktplatz das große Stabübergabe-Konzert statt und zum Schuljahrsende beginnen für Georg Winkler die großen Ruhestands-Ferien.

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