1. Startseite
  2. Lokales (Nördlingen)
  3. Kritik am „Gifteinsatz“ gegen den Eichenprozessionsspinner

Wald

04.06.2019

Kritik am „Gifteinsatz“ gegen den Eichenprozessionsspinner

Ein Helikopter ließ im vergangenen Jahr ein Biozid über Wälder bei Wallerstein regnen, die vom Eichenprozessionsspinner befallen waren. In diesem Jahr gab es auch einen Einsatz im Oettinger Forst. Die stark reizenden Brennhaare der Raupen sind für Waldarbeiter und Spaziergänger gefährlich.
Bild: René Lauer (Archivbild)

Plus Wegen des Klimawandels befällt der Eichenprozessionsspinner immer mehr Bäume. Die Forstbesitzer müssen reagieren. Der Bund Naturschutz bezeichnet den Eingriff als gravierend.

Der Oettinger Forst zählt zu den größten Waldgebieten der Region. Spaziergänger suchen dort Erholung, der Wald ist für einige Menschen auch ein Arbeitsplatz. Doch weil sich der Eichenprozessionsspinner wegen des Klimawandels stärker ausbreitet, hat nun ein Hubschrauber aus der Luft versucht, die gefährliche Raupe zu bekämpfen. „Es gibt keine Eiche, die nicht befallen ist“, sagt Markus Schlösser, Betriebsleiter der Fürst zu Oettingen-Spielberg’schen Forstverwaltung. Die Landesanstalt für Wald- und Forstwirtschaft (LWF) ist für den Waldschutz in Bayern zuständig und weil der Befall von Fremdingen bis Oettingen so offensichtlich war – 300 Hektar waren kahl gefressen, also fast der gesamte Eichenbestand – ordnete das Amt die Bekämpfung mit dem Insektizid Mimic an. Der Hubschrauber ließ es auf rund die Hälfte des Eichenbestandes abregnen.

Weiterlesen mit dem Plus+ Paket

  • Zugriff auf mehr als 200 neue Plus+Artikel pro Woche
  • Zugang zu lokalen Inhalten, die älter als 30 Tage sind
  • Artikel kommentieren und Newsletter verwalten
  • Jederzeit monatlich kündbar
Jetzt für nur 0,99 € testen

Weiterlesen mit dem Plus+ Paket

  • Zugriff auf mehr als 200 neue Plus+Artikel pro Woche
  • Zugang zu lokalen Inhalten, die älter als 30 Tage sind
  • Artikel kommentieren und Newsletter verwalten
  • Jederzeit monatlich kündbar
Jetzt für nur 0,99 € testen

Der Bund Naturschutz kritisiert das Vorgehen. „Wir lehnen diesen Gifteinsatz in den artenreichen Eichenwäldern ab, weil dadurch nicht nur der Eichenprozessionsspinner, sondern auch andere schützenswerte Insekten getötet werden“, sagt Alexander Helber, Vorsitzender der Kreisgruppe des Bund Naturschutz (BN). Das überwiegend eingesetzte Pestizid Mimic wirke nicht selektiv nur gegen diese eine Raupe, sondern könne alle Blätter fressenden Insektenlarven wie Schmetterlingsraupen töten.

Der BN will außerdem Verstöße gegen das Artenschutzrecht erkennen. Für die betroffenen Einzelflächen würden demnach nicht die gesetzlich erforderlichen Angaben zu geschützten Schmetterlingen, Amphibien oder Fledermäusen erfasst. Der BN sieht einer Pressemitteilung zufolge die Artenvielfalt in den Eichenwäldern gefährdet und so sei die „Vergiftungsaktion“ besonders gravierend, weil die Eiche von allen Baumarten den „mit Abstand höchsten natürlichen Insektenreichtum“ aufweise.

Kritik am „Gifteinsatz“ gegen den Eichenprozessionsspinner

Lebensraum im Eichenwald muss erhalten werden

Eva Lettenbauer, Landtagsabgeordnete der Gründen, fordert gar einen Waldumbau statt Insektizid – also den Fokus auf Mischwälder zu setzen. Kurz- bis mittelfristig müsse unter anderem alternativ auf natürliche Fressfeinde des Eichenprozessionsspinners gesetzt werden. Dazu würden ihr zufolge der Puppenräuber (ein Laufkäfer) oder Ei- und Raupenparasiten zählen.

Peter Birkholz ist Bereichsleiter Forsten des AELF in Nördlingen und hat die Bekämpfung des Eichenprozessionsspinners mithilfe des Hubschraubers koordiniert. Basis dafür sei eine Kartierung des Forstes aus dem vergangenen Jahr über die Kahlfraßstellen gewesen. Birkholz versteht, dass der BN den Einsatz von Insektiziden kritisiert. Gleichzeitig ist er ebenfalls der Ansicht, dass der Lebensraum im Eichenwald erhalten werden müsse. „Wir haben versucht, bestmöglich auf den Artenschutz Rücksicht zu nehmen“, sagt er im Gespräch mit unserer Zeitung.

Zu 50 Prozent für den Artenschutz entschieden

So seien von den 300 Hektar des befallenen Eichenwaldes nur 160 behandelt worden. „Hier haben wir uns zu 50 Prozent für den Artenschutz entschieden.“ Die andere Hälfte gelte dem Erhalt des Eichenwaldes. Birkholz vermutet, dass die Eichen langfristig wegen des Raupenbefalls absterben werden. Nachdem sie kahl gefressen werden, treiben die Eichen zwar noch einmal Blätter aus. Das koste sie aber auf Dauer zu viel Energie. Würden die Bäume dann noch durch andere Schädlinge angegriffen, überstünden sie das nicht. Gerade mit Blick auf die Klimaerwärmung sei die „Eiche der Baum der Zukunft“, sagt Birkholz. Im Gegensatz zu anderen heimischen Baumarten würde die Eiche mit dem Klimawandel zurechtkommen.

Forstbetriebsleiter Markus Schlösser widerspricht der Kritik des Bund Naturschutz, dass Insekten oder Vögel durch das Insektizid die Lebensgrundlage genommen werde. Im Oettinger Forst betrage der behandelte Wald etwa ein Prozent der Gesamtfläche. „Das ist marginal.“

Lesen Sie dazu auch den Kommentar zum Thema: Eichenprozessionsspinner: Ein Paradebeispiel dieses Konflikts

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren