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Fasching

25.01.2019

Wie die Sicherheitskonzepte für Faschings-Umzüge greifen

Der Megesheimer Faschingsumzug wird in diesem Jahr wegen neuer Auflagen kürzer sein, als in der Vergangenheit.

Zu den bereits vorhandenen Auflagen des Landratsamts und zu gesetzlichen Vorschriften kommt eine Allgemeinverfügung. In Megesheim wird der Umzug gekürzt.

Immer größer, immer lauter, immer mehr – das ist ein Trend der modernen Zeit. So manches Ereignis wird zur Massenveranstaltung, oft mit enormem technischem Aufwand. Nicht nur der Erlebnischarakter soll dadurch gesteigert werden, auch die Risiken erhöhen sich zwangsläufig. Deshalb reagiert die Politik mit Verordnungen, Erlassen, Bestimmungen – auch weil man aus Katastrophen wie der Duisburger Loveparade 2010 mit 21 Toten gelernt hat. Absolute Sicherheit gibt es nicht, doch sollen die Voraussetzungen für ein unbeschwertes Fest so gut wie nur irgendwie möglich sein.

Was das für Faschingsvereine in der Region und deren bevorstehende Umzüge bedeuten kann, war in jüngster Zeit mehrfach Thema. Auslöser waren bekanntlich die Genderkinger Faschingsfreunde, die ihren Gaudiwurm aufgrund der für sie kaum noch leistbaren Sicherheitsbestimmungen für heuer abgesagt – für 2020 aber wieder angekündigt – haben.

Es gibt eine neue Regelung

Das Landratsamt hat in den vergangenen Monaten den Faschingsvereinen mit Rat und Tat zur Seite gestanden, damit diese mit den neuen Auflagen klarkommen. Gerd Oefele, Sachbearbeiter Verkehr in der Landkreis-Behörde, hat nicht nur jede Menge Schriftkram mit den Vorsitzenden erledigt. Er ist darüber hinaus auch zusammen mit einem externen Sicherheitsexperten und Vertretern der Faschingsclubs in jeder Kommune die Wegstrecke der Umzüge abgegangen. Sie haben die Rettungswege überprüft, neuralgische Punkte wie Engstellen in Augenschein genommen und entsprechend reagiert.

Doch jetzt gibt es nochmals eine neue Regelung: Denn über das vom Landratsamt geforderte Sicherheitskonzept hinaus greift in sämtlichen Städten und Gemeinden, in denen es heuer einen Gaudiwurm geben wird, zudem eine sogenannte Allgemeinverfügung. Wie Oefele sagt, haben sich die Ratsgremien oder die Verwaltungsgemeinschaften in Rain, Oberndorf, Bäumenheim, Mertingen, Wemding und Megesheim dazu entschlossen, diese Verfügung zu erlassen. Was bedeutet sie in der Praxis für die Faschingsvereine? Noch mehr Belastung und Reglementierung?

Polizei hat laut Florian Riehl andere Möglichkeiten bei Verstößen

Florian Riehl, Präsident des Faschingsclubs Rain (FCR), verneint das und sieht darin im Gegenteil eine Erleichterung für die Vereine, die bisher komplett allein in der Verantwortung gestanden haben. „Wenn früher jemand beim Umzug gegen die Auflagen verstoßen hat, konnte prinzipiell nur der Umzugsleiter des jeweiligen Vereins belangt werden. Jetzt gibt es die Allgemeinverfügung und die verlagert die Verantwortung auch auf die Teilnehmer. Die Polizei hat nun die Möglichkeit, Wagenverantwortliche oder andere direkt bei Verstößen zu belangen – nicht mehr den Verein.“

Die Allgemeinverfügung enthält in aller Regel keine zusätzlichen Auflagen, die nicht bereits im Sicherheitskonzept festgelegt wären und sich demzufolge mit den Auflagen des Landratsamts decken. Für den FCR ist es auch die sehr gute Zusammenarbeit mit der Stadt Rain, die die Allgemeinverfügung zu einer Entlastung und nicht zu einer Belastung macht. Riehl lobt die sehr gute Abstimmung zwischen Kommune und Verein.

Die theoretische Sicherheit auf dem Papier ist das eine, die Praxis das andere. Der reibungslose Ablauf eines Faschingsumzugs hängt von vielen Faktoren ab. Worin sieht Riehl immer wieder Herausforderungen, wenn es dann tatsächlich so weit ist? Für den FCR-Präsidenten ist es schwierig, alle Personen unter einen Hut zu bringen. „Eine Herausforderung ist das Personal, egal, ob Zugbegleiter, Sammler oder Organisatoren im Vorfeld“, schildert er. „Und natürlich immer auch die Sicherheit. Wir spannen beispielsweise ein rot-weißes Flatterband, um zu verhindern, dass die Zuschauer in der sehr breiten Hauptstraße zu weit auf die Fahrbahn gehen.“ Ärgerlich ist es für den FCR-Präsidenten, wenn sich immer wieder Verkehrsteilnehmer über Regelungen hinwegsetzen: „Leider gibt es immer wieder Leute, die nicht einsehen, wieso um 12 Uhr schon gesperrt ist, wenn bereits Kinder in der Hauptstraße unterwegs sind, aber noch keine Faschingswagen. Da können wir immer nur an die Vernunft appellieren. Es sind ja nur drei bis vier Stunden, in denen die Umzugsstrecke gesperrt ist.“

Keine Ersatz-Benzinkanister mehr

2018 hat der Unfall eines jungen Mannes nach dem Donauwörther Umzug schockiert. Er wäre nach der Explosion eines Stromaggregats fast verbrannt. Wie geht der FCR mit solchen Gefahrenquellen um? Riehl: „Es dürfen keine Ersatz-Benzinkanister mehr mitgeführt werden und es gibt jetzt auch auf allen Wagen Löschdecken und Feuerlöscher.“

Die Folgen des Sicherheitskonzepts sind in Megesheim in diesem Jahr deutlich zu spüren. Wie der Vorsitzende der Megesheimer Faschingsfreunde, Thomas Aust, im RN-Gespräch erklärt, wird die Umzugstrecke gekürzt. Grund seien der erhöhte Sicherheits- und Arbeitsaufwand sowie die zusätzlichen Material- und Personalkosten. In einem Schreiben des Vorstands an die Bürger heißt es: „Zukünftig werden sich Fußgruppen und Wagen am Dorfende Richtung Oettingen aufstellen und dann der Hauptstraße Richtung Wemding folgen. Am Dorfende wird dann der Umzugsverlauf Richtung Haid abbiegen, wo sich der Gaudiwurm auflösen wird.“

Bleibt der Umzug in Megesheim ein Erlebnis?

Klar sei für den Vorstand, dass die Kürzung des Umzugs drastisch sei. Allerdings seien den Verantwortlichen durch die Auflagen die Hände gebunden. Trotz der Änderungen hoffen die Faschingsfreunde, dass die Bürger dem närrischen Brauchtum in Megesheim treu bleiben. Der Faschingssonntag soll weiterhin ein Erlebnis für alle sein.

Faschings-Termine in Megesheim: Der Eröffnungsball der Faschingsfreunde in der Megesheimer Turnhalle beginnt am Samstag, 2. Februar, um 20 Uhr. Am Samstag, 16. Februar, ist ab 14 Uhr Kinderfasching und am Sonntag, 17. Februar, ab 15 Uhr Seniorenfasching – beide Veranstaltungen finden ebenfalls in der Turnhalle statt. Der Weiberfasching beginnt am Donnerstag, 28. Februar, ab 20.30 Uhr in der Turnhalle. Am Freitag, 1. März, ist ab 20 Uhr Kappenabend im Schützenheim. Der Faschingsumzug in Megesheim beginnt am Faschingssonntag, 3. März, um 14 Uhr. Die anschließende Faschingsparty startet um 15 Uhr in der Turnhalle mit DJ Flow. Der Kehraus ist am Dienstag, 5. März, ab 19 Uhr im Gasthaus zum Hirsch mit Gagi Gagsteiger.

Alle Zeiten, alle Orte: Diese Faschingsumzüge finden in der Region statt

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