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Corona-Aufbauhilfe
24.07.2020

Ex-Kommissar Verheugen warnt vor dauerhaft vergiftetem Klima in der EU

Günter Verheugen war viele Jahre EU-Kommissar.
Foto: Stephanie Lecocq, dpa

Exklusiv Ex-EU-Kommissar Günter Verheugen greift FDP-Chef Lindner scharf an, bescheinigt ihm und einigen EU-Staaten Eigensüchtigkeit. Trotzdem glaubt er an ein gutes Ende.

Der frühere langjährige EU-Kommissar Günter Verheugen warnt angesichts des anhaltenden Streits um das Milliarden-Corona-Hilfspaket vor einem dauerhaft vergifteten politischen Klima innerhalb der Europäischen Union. „Die Bösartigkeiten, die wir zwischen einzelnen Mitgliedstaaten erleben, werden noch zunehmen“, sagte der SPD-Politiker unserer Redaktion. Die Gräben innerhalb der Europäischen Union seien nach dem jüngsten EU-Gipfel genauso tief wie vorher.

Den Regierungsvertretern von Ländern wie den Niederlanden, Österreichs oder Dänemarks hätten auf dem Gipfel gezeigt, dass ihnen „das europäische Gemeinwohl vollkommen egal“ sei, kritisierte Verheugen. „Der Auftritt der Geizhälse war schon erschreckend“, sagte er. „Es ist leider nicht ganz neu, dass sich wohlhabende Staaten zusammenrotten, um eigene und eigensüchtige Interessen durchzusetzen.“

Ex-EU-Kommissar Verheugen wirft FDP-Chef Lindner niederträchtige und antieuropäische Aussagen vor

Scharfe äußerte Verheugen dabei am FDP-Vorsitzenden Christian Lindner, der in einem Bild-Interview erklärt hatte, der niederländische Regierungschef Mark Rutte habe auf dem Gipfel Deutschlands Interessen „sehr viel stärker als die Bundesregierung“ vertreten. „Dieser Satz hat mich erschüttert, weil er niederträchtig und anti-europäisch ist“, sagte Verheugen. „Herr Lindner hat erkennbar nicht verstanden, worin die europäische Idee besteht“, fügte er hinzu. „Es geht in der EU nicht darum, für sich möglichst viel herauszuholen, sondern zu begreifen, dass den eigenen Interessen am besten gedient ist, wenn wir eine einige, starke und solidarische EU haben.“

Der über 20 Jahre als EU-Kommissar tätige Verheugen erwartet nicht, dass das Hilfspaket trotz in seinen Augen berechtigter Kritik durch das Europäische Parlament verzögert wird. „Das Parlament tut gut daran, die Defizite der Gipfelbeschlüsse aufzuzeigen, auch wenn ich damit rechne, dass man sich am Ende schnell einigen wird“, sagte der SPD-Politiker. „ Die Europa-Abgeordneten werden sich zuhause nicht sagen lassen wollen, dass sie mit ihrem Widerstand einen nationalen Zugewinn verhindert haben. Denn die Regierungen brauchen die Milliardenhilfen gegen die Krise dringend.“

Das ausführliche Interview lesen Sie hier: Verheugen warnt vor zunehmender Bösartigkeit in der EU

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