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Unionsfraktion

27.09.2017

Der Mann hinter Merkel

Applaus für die Chefin: Volker Kauder am Wahlabend.
Bild: dpa

Kauder hält der Kanzlerin weiter den Rücken frei

Angela Merkels Nachfolger ist auch künftig ihr wichtigster Mann im Parlament: Volker Kauder hatte Merkel an der Spitze der Unionsfraktion beerbt, als diese 2005 Bundeskanzlerin wurde. Seither ist er in diesem Schlüsselamt – länger als jeder seiner Vorgänger. Für die Kanzlerin ist der gebürtige Hoffenheimer zu einem ihrer wichtigsten Vertrauten geworden. Auch in schwierigen Zeiten hat der 68-Jährige die Fraktionen von CDU und CSU zuverlässig auf Kurs gehalten.

Am Wahlabend hat Kauder das schlechte Ergebnis von CDU und CSU zwar mit den Worten kommentiert, die Ziele seien erreicht, doch er weiß genau, wie groß die Herausforderungen sind, vor denen die Union nun steht. Und weil Merkel das auch weiß, will und kann sie auf Kauder nicht verzichten. Auf ihren Vorschlag hin wählte die empfindlich geschrumpfte Fraktion von CDU und CSU den Juristen gestern zum nunmehr vierten Mal zu ihrem Chef. Allerdings mit einem erheblichen Dämpfer: Neben 180 Ja-Stimmen gab es auch 53 Nein-Stimmen und 6 Enthaltungen.

Kauder gilt als kampferprobter Politprofi, der durchaus austeilen kann. Im Bundestag spricht er als einer von nur wenigen Abgeordneten frei, kurze Sätze mit schlichten, klaren Botschaften. Ein brillanter Redner ist er dabei nicht.

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Nicht wenige hätten Kauder gern auf dem Posten des Parlamentspräsidenten gesehen, der nach dem Rückzug des allseits respektierten Norbert Lammert (CDU) frei wird. Doch er selbst, so heißt es in der CDU, sieht sich mehr als Kämpfer denn als Moderator. Die Qualitäten des Fußball-Fans (Lieblingsverein Bayern München) als robuster Fraktions-Frontmann dürften gefragter sein, als je zuvor. Denn die AfD macht schon jetzt keinen Hehl daraus, dass sie die Regierung im Bundestag hart angreifen wird. Gegenüber den erwarteten Provokationen den richtigen Ton zu finden, das trauen sowohl Angela Merkel als auch Horst Seehofer niemandem mehr zu als Volker Kauder.

Der Baden-Württemberger beherrscht aber nicht nur die Abwehr nach außen. Innerhalb von politischen Bündnissen wirkt er durchaus erfolgreich als Integrationsfigur. Legendär ist seine Männerfreundschaft mit SPD-Fraktionschef Peter Struck. Auch in der am Sonntag zu Ende gegangenen zweiten Großen Koalition wurden offene Fragen meist in der dienstäglichen Frühstücksrunde von Kauder, CSU-Fraktionschefin Gerda Hasselfeldt und dem SPD-Kollegen Thomas Oppermann ausgeräumt. Künftig dürfte das schwerer werden. Der neue CSU-Fraktionschef Alexander Dobrindt gilt als Merkel-Kritiker. Und sollte eine Jamaika-Koalition zustande kommen, müsste Kauder auch den forschen FDP-Mann Lindner und die Grünen-Fraktionsspitze auf Kurs halten.

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