1. Startseite
  2. Politik
  3. Die "Idee Amerika" ist unter Beschuss

Die "Idee Amerika" ist unter Beschuss

portraet_peter_schmitz--autorendatebank.jpg
Kommentar Von Gregor Peter Schmitz
05.08.2019

Donald Trump trägt natürlich nicht persönlich Schuld an Schießereien, auch nicht gegen Migranten. Aber er muss sich seiner Verantwortung dringend stellen.

Amerika, das ist vor allem eine Idee. Eine ungeheuer mutige. Man muss sich nur die ersten Sätze der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung durchlesen, um Gänsehaut zu bekommen, heute noch. Während es im damals so vermeintlich zivilisierten Europa vor allem um das Glück der Könige ging - im Jahr 1776 hatte nicht einmal die Französische Revolution begonnen -, dreht sich darin schon alles um die „pursuit of happiness“. Das ganz persönliche Streben nach Glück also, und zwar für alle, ganz egal, wer Deine Eltern waren oder in welche Ecke des Landes es Dich verschlagen hat. Nichts Geringeres als eine „leuchtende Stadt auf dem Hügel“ wollten die amerikanischen Verfassungsväter erreichen – eine, die die ganze Welt anlockt.

Natürlich ist Amerika dieser Idee niemals gerecht worden, wie auch? Als die Unabhängigkeitserklärung gedruckt wurde, durften Frauen noch nicht wählen, Schwarze wurden noch als Sklaven gehalten. Später hat ein besonders brutaler Bürgerkrieg das Land beinahe zerrissen – und als 2008 mit Barack Obama schließlich ein afro-amerikanischer Präsident ins Weiße Haus einzog, konnten dessen Sicherheitsberater die Morddrohungen gegen die „Gorillafamilie Obama“ kaum noch zählen.

Der Präsident muss das Land einen, nicht spalten

Aber all diese Fehler – und es gäbe noch viele mehr zu nennen – konnten die so richtige urmenschliche Gründungsidee Amerikas nicht falsch machen, von der auch wir Deutsche profitiert haben, als die Amerikaner uns nach dem Zweiten Weltkrieg die Demokratie beibrachten. Zudem gab es ein verlässliches einendes Element: egal wie schlecht es dem Land ging: Dass Amerikas Präsident, ganz gleich wie umstritten er selber war, an die nobleren Seiten unserer menschlichen Natur appellierte.

ecsImgBannerWhatsApp250x370@2x-5735210184021358959.jpg

Das ist vorbei. Die furchtbaren Schüsse von El Paso und Dayton, zwei Massaker binnen gerade einmal 24 Stunden , haben die ganze Welt daran erinnert.

Dabei geht es gar nicht um die ewige Frage nach dem Waffenrecht – und auch nicht darum, ob die Schüsse Präsident Donald Trump zuzuschreiben seien, wie manche Kommentatoren nun schreiben. Natürlich hat Trump nicht die Gewehre besorgt, er hat nicht selbst die Kugeln eingelegt. Aber den Vorwurf, geistiger Brandstifter zu sein, muss er sich gefallen lassen. Der US-Präsident hat über Jahre Neonazi-Umtriebe verharmlost, weiße Extremisten als prima Leute dargestellt, gerade erst das überwiegend schwarze Baltimore mit einem Rattenloch verglichen. Aus seinem Abscheu für Mexiko hat er nie einen Hehl gemacht – und an der Grenze zu Mexiko wurden nun beim Massaker von El Paso offenbar gezielt Latinos gejagt.

Auch Kanzlerin Merkel muss Trump die Grenzen aufzeigen

Vor allem aber hat Trump besagte ureigenste Pflicht jedes US-Präsidenten unterlassen: den Versuch, das Land – und damit auch ein wenig die Welt – irgendwie zu einen. Bislang hatte er daran ja kein Interesse: je zerstrittener die Nation, desto besser schienen seine (Wieder)Wahlchancen.

Was das heißt, etwa für den US-Wahlkampf 2020? Der kann keiner wie irgendeiner vorher sein. Trumps Gegner müssen offen ansprechen, wie es das Land zerreißt – und wir Deutsche, wir Europäer müssen dies auch tun.

Dabei gilt es fein abzuwägen, wie es Kanzlerin Angela Merkel vorgemacht hat – zu zeigen, dass wir auf gar keinen Fall den Austausch mit den Amerikanern meiden. Aber mit Trump schon, wenn er bestimmte Grenzen überschreitet.

Es gibt nämlich, selbst in der Ära Trump, Grenzen des Anstands. Vielleicht ist es nicht einmal hoffnungslos, ihn selbst daran zu erinnern. Trumps seltsam unsicherer Auftritt nach den Schüssen legte nahe: So schön ist es nicht, überall als Rassist zu gelten.

Lesen Sie dazu auch: Wie viel Schuld trägt Donald Trump an der Gewalt in den USA?

Themen folgen

Sie haben nicht die Berechtigung zu kommentieren. Bitte beachten Sie, dass Sie als Einzelperson angemeldet sein müssen, um kommentieren zu können. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an moderator@augsburger-allgemeine.de.

Bitte melden Sie sich an, um mit zu diskutieren.

06.08.2019



Sehr geehrter Herr ,

Sie schreiben , "in unseren Zeiten überzieht ...die Macht- und Hegemonialpolitik die halbe Welt mit Unfrieden"

Soso , der von Ihnen zitierte Irak ist bei Ihren Geografie-Kenntnissen also "die halbe Welt" ???

Tatsache ist , daß im Irak schon vorher über Jahrzehnte ein mörderischer verbrecherischer , nur im Inneren tobender "Krieg" herrschte :

Der brutale Diktator S. Hussein ließ jegliche Opposition niedermetzeln . Wieviele Menschen aus politischen Gründen in Gefängnissen , Irrenanstalten landeten , darf geschätzt werden . Wieviele getötet wurden , ebenso
(übrigens wie ungemein auffällig ist hier die Parallele zum Iranischen Regime ?!!)

Das Giftgas-Massaker von Hallabscha dürfte selbst Ihnen bekannt sein ?

Der Unterschied zu heute ist :

All die Jahrzehnte haben Menschen wie Sie diesen "zivilen Krieg" gar nicht zur Kenntnis genommen . Wahrscheinlich absichtlich !

Erst mit dem dortigen Engagement der USA fingen sie zu "protestieren" an .

(Welch Parallele zu den Zeiten der Nato-Nachrüstung: da wurde ja auch gegen die USA als "Kriegstreiber" protestiert , Auslöser der Sache war aber allein die Sowjetunion/Warschauer Pakt.

Oder der Korea-Krieg : Auslöser waren hier der Großvater des jetzigen Diktators von Nord-Korea und die Pekinger Kommunisten - Sie und andere bezichtigen ständig die USA.
Das Gleiche gilt übrigens für den Vietnam-Konflikt!)

Die USA sind nun einmal - per Faktum aufgrund der geschichtlichen Entwicklung und der Tatsache , daß die anderen Supermächte China und Rußland in der bisherigen und jetzigen polit. Verfasstheit niemals dafür in Frage kämen - Weltpolizist !

Bei jedem Polizei-Einsatz kommt es aus rein natürlichen Gegebenheiten immer auch zu Zweideutigkeiten , weiteren Problemen, Ungerechtigkeiten , Gewaltanwendungen etc .
Das ist so .

Warum ersetzen "die Europäer" die USA nicht als "Weltpolizist" , wenn es dann "besser liefe" ( ich bin sicher , mehr 90% der US-Amerikaner wären froh und glücklich über eine solche Staffel-Übergabe! ) ??

Permalink
05.08.2019

Mir stellen sich bei diesem Kommentar 3 Fragen.
- die Amerikaner haben uns Demokratie (Achtung das heisst eigentlich Volksherrschaft) beigebracht - wirklich?
- der amerikanische Präsident hat über Jahre (bei dieser Formulierung kann nicht nur Trump allein gemeint sein) Neonazi-Umtriebe verharmlost. Unzweifelhaft richtig - warum kommt mir da die frühe Bundesrepublik in den Sinn oder auch der "dumpfe Stammtisch" bis in die heutige Zeit?
- der Kommentar unterlässt es es komplett, das internationale Agieren der USA im allgemeinen und in der jetzigen Präsidentschaft im besonderen, zu beleuchten. Trump steht in der Tradition von Korea, Vietnam, Hinterhofpolitik in Süd- und Mittelamerika - und immer zugunsten der US-Konzerne.
Das ganze Bild der USA, ich meine nicht die Verfassung sondern die historische und aktuelle Realität, genau das mündet in das System Trump, das wir vermutlich noch 5 Jahre zu tragen haben.

Permalink
05.08.2019

Bei Ihren Bemerkungen zur sogenannten "Hinterhofpolitik" Lateinamerika sowie zu "Korea" "Vietnam" , usw. verschweigen Sie - wie dies ja in diesen Fällen immer aus ideologischen Gründen gemacht wird - , daß es in allen diesen Fällen um die Verteidigung gegen die massivst nach Machtübernahme in möglichst vielen Regionen drängende Sowjetunion sowie in Südostasien nach Übernahme drängendes Rote-China ging .

Ohne das politische , militärische sowie auch geheimdienstliche Engagement der USA wären alle diese Regionen in die dauerhaften Hände der Kommunisten aus Moskau und Peking geftsllen !

Übrigens auch West-Europa und die BRD !
(Naja , vielleicht waren und sind Sie ein Anhänger des Kommunismus und hätten dies gerne so gehabt !!!)

Die USA haben über mehr als 50 Jahre die Welt vor Moskau und Peking bewahrt !!! Damit Freiheit und auch den Frieden !!!

Und ja , die Amerikaner haben den Westdeutschen , aus der Nazi- und Vornazizeit kommend und nunmehr nach dem Krieg durchaus auch für den Stalinismus-Kommunismus sehr empfänglich , die Demokratie gebracht und für Westeuropa und die BRD die Freiheit gebracht , verteidigt und bewahrt !

Dafür gebührt ihnen Dank , Anerkennung und vor allem :

die geschichtliche Wahrheit nie zu verfälschen !

Permalink
06.08.2019

@ MARIA T.
"Die USA haben über mehr als 50 Jahre die Welt vor Moskau und Peking bewahrt !!! Damit Freiheit und auch den Frieden !!!"

Manchmal haben Sie ja - sicher unbeabsichtigt - recht. Wobei auch ihr bewundernswerter Mut "zur Lücke" erwähnt werden muss.
Bevor die amerikanischen Friedensengel "die Welt vor Moskau und Peking bewahrten" - und dafür schulden wir ihnen wirklich Dank - befreiten sie einen großen Teil der Welt und Europa von anderen Glücks- und Heilbringern - den braunen Nazihorden. Leider, wie wir in diesen Tagen erkennen, arbeiteten sie auch da - selbst im eigenen Land - nicht gründlich genug.
In unseren Zeiten überzieht die amerikanische Macht- und Hegemonial-Politik die halbe Welt mit Unfrieden. Für Hunderttausende brachte das, wie z. B. im mit Lug und Trug begründeten mörderischen und verbrecherischen Irak-Krieg, sogar den kaum herbeigesehnten "ewigen Frieden".
Und ob man es Demokratie nennen kann, wenn zweimal hintereinander Präsidenten ins Weiße Haus einziehen, die eben nicht von der Mehrheit der Amerikaner gewählt wurden, ist mindestens fraglich.
Den selbsternannten Friedensbringern und Freiheitshelden wäre zu raten, sich endlich mal um ihr eigenes, in vieler Hinsicht verlottertes Land zu kümmern.
Es hat schon gute nachvollziehbare Gründe, wenn bei einer großen Mehrheit nicht nur der Deutschen die amerikanische Politik deutlich mehr Sorge auslöst, als die russische oder gar chinesische.

Permalink
Das könnte Sie auch interessieren