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US-Wahl 2020

05.11.2020

Donald Trump und die Medien: Der Präsident mit Sendungsbewusstsein

Donald Trump sprach bei einer Fernsehaufzeichnung mit dem US-Sender Fox News im Lincoln Memorial.
Bild: Evan Vucci/AP, dpa (Archivbild)

Donald Trump unterscheidet in gute und böse Medien. Selbst sein Lieblingssender "Fox News" steht unter Beobachtung.

Radiomoderator Rush Limbaugh ist einer dieser nationalkonservativen Einheizer, eine Galionsfigur der Neuen Rechten in den USA. Donald Trump verlieh ihm im Februar die "Medal of Freedom", eine der höchsten Auszeichnungen des Landes. Limbaugh hatte schon ein Millionenpublikum, bevor Mitte der 90er Fox News auf Sendung ging, das Trump inzwischen sechs Stunden lang am Tag sehen soll. Die Wirkung von Limbaugh und Fox News auf die Öffentlichkeit ist also kaum zu überschätzen: Sie haben Trump den Weg ins Weiße Haus bereitet – jetzt wollen sie mit aller Medienmacht, dass er dort bleibt.

Ein Radiomoderator als Trumps Prophet und Überbringer

Hört man Limbaugh am Wahltag zu, beschreibt er seinen Freund Trump als Heiligen und Heilsbringer. Er selbst ist so etwas wie Trumps Prophet, Überbringer und Ausdeuter von dessen Botschaften. Würden die Demokraten übernehmen, die Zukunft wäre düster, meint Limbaugh und glaubt, dass sich Joe Biden zum Wahlsieger erklären werde (was dann Trump tut). Zugeschaltet auf Fox News sagt er, die Leute hätten die Schnauze voll von den Versuchen der Antifa und Black Lives Matter, das Land zu zerstören. Es sei eine Erfindung der Medien, dass die öffentliche Begeisterung bei den Demokraten liege.

Das ist das Narrativ, das die eine Seite des medialen Spektrums auch am Mittwoch unaufhörlich bedient. "Die Medien lügen", sagt die schwarze Trump-Unterstützerin und Kommentatorin Candace Owens auf Fox News. Mit "die Medien" meint sie die andere Seite, die liberalen – aus ihrer Sicht linksradikalen – Zeitungen und Sender: New York Times, Washington Post, vor allem CNN. Laut Fox News betreiben zudem CBS und ABC "Desinformation". Trump selbst soll am Mittwochmorgen gesagt haben, er sei um den Wahlsieg von einer "sehr traurigen Gruppe von Leuten" gebracht worden. TV-Sender greifen das zu seinem Ärger auf.

"Haussender" Fox News: Die Kritik an Trump wächst

Die USA sind ein tief gespaltenes Land, und die Spaltung zieht sich durch die Medien und wird von diesen befördert. Es gibt Schwarz und Weiß, Freund und Feind, kaum mehr eine Mitte. Und wenn Trump denkt, sich nicht auf sein Sprachrohr Fox News verlassen zu können, wird aus Freund bisweilen schnell Feind. Schon in den letzten Wochen hatte sich auf seinem Haussender vereinzelt Kritik an ihm geregt, nun missfällt Trump und seinem Team, dass Moderator Chris Wallace von einer "extrem entflammbaren Situation" spricht, in die der Präsident noch ein Streichholz geworfen habe.

Es geht darum, dass Trump den Obersten Gerichtshof einschalten will. Das wäre der "schlimmste Albtraum" für die neun Richter, sagt Wallace, der Trump überdies widerspricht: Nein, dieser habe Georgia und North Carolina nicht gewonnen, die Auszählung laufe noch. Weiteres Ärgernis für Trump und seine Wahlkämpfer: Ausgerechnet Fox News verkündet vor anderen, dass Biden den umkämpften Bundesstaat Arizona gewonnen habe.

Auf CNN erklären die Moderatoren dagegen unermüdlich, dass es sich um eine normale Wahl handele, nirgends sei ein Schwindel auszumachen. "Wir zählen einfach nur Stimmen", sagt Phil Mattingly und wirkt besorgt. Die Meinungsmache von rechts, scheint es, will CNN mit massenhaft Zahlen kontern, bis aus dem letzten Winkel der USA. Präsentiert auf einem Monitor ("Magic Wall") in abenteuerlicher Geschwindigkeit. Wisch, zoom, weg.

Alle Entwicklungen bei der US-Wahl lesen Sie in unserem Live-Blog.

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