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Friedrich Merz macht unnötig Hektik in der Kanzlerfrage

Friedrich Merz macht unnötig Hektik in der Kanzlerfrage
Kommentar Von Stefan Lange
13.02.2020

Mit Friedrich Merz hat sich der erste Bewerber um den CDU-Vorsitz schon in Position gebracht. Warum er mit seinem Frühstart eine Chance verschenkt hat.

Da hat Friedrich Merz genau das bekommen, was er haben wollte: Aufmerksamkeit, viel Aufmerksamkeit. Aus seinem „engsten Umfeld“ verlautete, der CDU-Politiker wolle für den Parteivorsitz kandidieren. Nun ist Merz vor allem Privatmensch und sein „Umfeld“ dürfte deutlich kleiner sein als beispielsweise das von Annegret Kramp-Karrenbauer, der er im Amt nachfolgen will. Die Chancen stehen dementsprechend ganz gut, dass Merz es selber war, der seine Angriffspläne lancierte. Das ist ihm nicht vorzuwerfen, er folgt damit lediglich den Leitplanken des politischen und medialen Geschäfts.

Warum zieht Friedrich Merz die Sache nicht ganz durch?

Der ehemalige Unions-Fraktionschef und Hoffnungsträger der Konservativen muss sich aber vorhalten lassen, dass er seine Kandidatur dann nicht gleich komplett durchzieht. Richtig wäre es gewesen, am Tag danach eine Pressekonferenz abzuhalten und sich der Öffentlichkeit zu erklären. Aber nichts dergleichen geschah. Nach der Ankündigung ruderte Merz sogar eher wieder zurück, mahnte, es gebe überhaupt keinen Grund, Hektik ins Verfahren zu bringen. Und das, nachdem er – beziehungsweise sein „engstes Umfeld“ gerade genau diese Hektik ausgelöst hatte.

Mit diesem Vorgehen setzt Merz außerdem mögliche Herausforderer unter Druck. Dem nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten Armin Laschet werden Ambitionen auf CDU-Vorsitz und die Kanzlerkandidatur nachgesagt, auch Bundesgesundheitsminister Jens Spahn will noch nach ganz oben. Bisher halten sich beide maximal diplomatisch zurück. Nur wie lange geht das jetzt noch, da Merz vorgeprescht ist und alle darauf warten, wer es mit ihm aufnimmt. Wer zu lange wartet, gilt schnell als Zauderer. Wer sich zu früh aus der Deckung wagt, sieht sich dem Verdacht ausgesetzt, es zu sehr zu wollen.

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CDU-Kanzlerkandidat: Laschet und Spahn stehen nun unter Zugzwang

Da alle drei potenziellen Kandidaten der CDU Nordrhein-Westfalens angehören, wäre es doch nicht zu viel verlangt gewesen, wenn sich das Trio vorher abgesprochen und gemeinsam vor die Kameras getreten wäre. Beim Wahlvolk und den CDU-Mitgliedern hätte das jedenfalls als vertrauensbildende Maßnahme gewirkt. Stattdessen bringt Merz auch an dieser Stelle völlig unnötig Unruhe in die politische Landschaft, und das zu einer Zeit, in der das Gegenteil dringend erforderlich wäre. Nach den Vorgängen in Thüringen ist das Vertrauen in „die da oben“ nämlich massiv erschüttert. Nicht nur im Osten der Republik hält sich hartnäckig die Meinung, Regierung wie Volksparteien biegen sich ein ordentlich herbeigeführtes Wahlergebnis so lange zurecht, bis es ihnen passt.

Es steht gerade viel auf dem Spiel. Die Demokratie und unser Parteiensystem sind Belastungen und Angriffen ausgesetzt, die vor wenigen Wochen noch undenkbar erschienen. Spitzenpolitiker müssen sich in einer solchen Situation am Riemen reißen, müssen Vorbild sein und Seriosität ausstrahlen. Vor allem, wenn sie mal CDU-Vorsitzender und Kanzler werden wollen.

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14.02.2020

Das linksgrüne Spektrum versucht den Kandidaten Merz zu verhindern; das ist schon mal ein klarer Pluspunkt für ihn. Man müsste schon ein ziemlicher Idiot sein, wenn man als Politiker der seine eigenen Ideen durchsetzen will, einen schwachen Kandidaten des Gegners nicht mit einem Lächeln passieren lässt.

Spahn wäre prima und eine tolle Zumutung für Despoten mit Angst vor der Regenbogenfahne; nur ist der als Gesundheitsminister aktuell mit einer drohenden Medikamentenknappheit belastet. Die EU sorgt sich ja nur um die Abhängigkeit Deutschlands vom russischen Erdgas, aber nicht um die EU-weite Abhängigkeit von Medikamenten made in China. Da hätte längst die Karte "nationale Sicherheit" gespielt gehört, wie mein Arzt schon ein paar Jahre lang anmerkt.

Laschet? Will der aus NRW stärker weg als Söder aus Bayern? Seine Regierung in NRW läuft recht ordentlich. Ja der könnte Deutschland schon regieren, nur wo grenzt er sich bundesweit gegen SPD und Grüne ab? Das könnte ich jetzt spontan nicht beantworten. Er ist sicher der Kandidat, der beim Thema Migration Frau Merkel am nächsten steht und damit eigentlich jede Koalition ermöglicht. Meine Frage bleibt - wozu braucht es faktische Grüne ohne Tempolimit ;-)

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15.02.2020

"Das linksgrüne Spektrum versucht den Kandidaten Merz zu verhindern . . ."

Da täuschen Sie sich gewaltig. Was Sie für das "linksgrüne Spektrum" halten, zeigt nur rechtzeitig auf, was von einem Kanzler seiner beruflichen Herkunft und neoliberalen Ideologien zu erwarten ist. Der selbstverliebte Narzisst Merz (da trifft Frau Källner mit ihrem Trump-Vergleich den Nagel auf den Kopf) polarisiert und wird maßlos überschätzt.
Dem "linksgrünen Spektrum" würden sich durch die vielen Angriffspunkte, die er nun mal bietet sogar wesentlich mehr Möglichkeiten eröffnen. Ähnliche Chancen eröffneten sich weder bei Laschet noch bei Spahn.
Die Wortwahl von Merz in Richtung AfD teile ich zwar nicht. Aber dagegen, dass er - Originalton - dieses "Gesindel" wieder verschwinden lassen will, wäre aus meiner Sicht nichts zu sagen.

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15.02.2020

>> Trump-Vergleich <<

Das intellektuelle Potential der deutschen Linken erschöpft sich aktuell weitgehend in Trump- und Nazi-Vergleichen sowie der öffentlichen Verlautbarung von Sorgen über Neoliberalität.

Wer in Thüringen mit Meinungsumfragen pro Ramelow argumentiert, stellt sich halt selbst ins Abseits, wenn er die gleichzeitig positiven Meinungsumfragen pro Merz ignoriert. Es ist stets diese bemerkenswert ungerechte Art eines ideologisch verengten Denkens, in der Argumente immer weniger Raum gegenüber Schlagworten einnehmen.

Um in Ihren Worten zu sprechen - Trump-Twitter Niveau.

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15.02.2020

(edit/mod/bitte sachlich bleiben)

Eine grundlegende Änderung der Politik in dieser Hinsicht sollten Sie auch von einem Herrn Merz nicht erwarten.

Dieser Chauvi und Blender witzelt sich gerade bei den Frauen um Kopf und Kragen. Seine Umfragewerte sind alles andere als berauschend. Man könnte sie auch so analysieren: Unter den Blinden ist der Einäugige König. Und obwohl es mir völlig egal ist, gehe ich davon aus, dass es Merkel gelingt, diesen verhinderten Bierdeckel-Steuervereinfacher zum zweiten und letzten Mal ins politische Outback zu befördern.

Die jüngsten bundesweiten Umfragen sagen gar eine RRG-Mehrheit gegen die Schwarz/Gelb/Braunblauen voraus.

Besonders lustig finde ich ja, dass Sie ausgerechnet von einem "ideologisch verengten" neoliberalen Marktradikalen und der konservativ dominierten EU Eingriffe in den total liberalisierten Pharmamarkt aus Gründen der "nationalen Sicherheit" erwarten.

Sie können jede Wette eingehen, dass ehe Sie sich versehen unter einem Kanzler Merz bei entspr. Ergebnis eine Schwarz/Grün-Koalition regiert.

Übrigens: Nazi-Vergleiche im Zusammenhang mit der Höcke-AfD sind sehr naheliegend und sogar zulässig, Trump-Vergleiche erst recht.


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14.02.2020

Herr Merz ist durch seine Aktivitäten bei "Black Rock" für die Politik leider nicht mehr zu gebrauchen bzw. angreifbar. Sollte er ein politisches Amt einnehmen, wird spätestens nach einem Jahr ihn seine "Vergangenheit" einholen, "Machenschaften" öffentlich gemacht und mit Schmutz geworfen werden.

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14.02.2020

"Sollte er ein politisches Amt einnehmen, wird spätestens nach einem Jahr ihn seine "Vergangenheit" einholen, "Machenschaften" öffentlich gemacht und mit Schmutz geworfen werden."
.
Das Problem haben die meisten anderen Spitzenpolitiker nicht! Die meisten haben nie in der Privatwirtschaft ihr Geld verdienen müssen! Ich glaube über 50% der Bundestag´ler sind Beamte!

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14.02.2020

Ich sehe das ähnlich. Es hat ein „Gschmäckle“ wenn man sich mit diesem beruflichen Hintergrund für eine solche Position ins Spiel bringt.

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14.02.2020

Die DSDS Version der SPD braucht die CDU nicht nachmachen. Eine monatelange Hängepartie nützt nur dem politischen Konkurrenten. Allerdings ist dann vermutlich die GroKo und Merkel am Ende. Ein schwerer Schlag für alle Linken, die schon Ätzen.

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13.02.2020

Der weiß schon, warum er es so eilig hat. Die Zeit arbeitet gegen ihn - und nicht nur die . . .
So wichtig und eilig hat es das Wahlvolk nicht mit der Kür eines Unions-Kanzlerkandidaten.

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13.02.2020

Wo ist das Problem ??
Wir wollen wissen wie es weiter geht ??
Er ist halt nun der Erste, der wo es sagt was er will !!
Wie lange brauchen die anderen noch, bis sie sich melden ??
Hoffentlich nicht 3 Monate oder ein halbes Jahr !!!

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