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Augsburg

25.01.2016

Gegen "Ausländergewalt": Was steckt hinter der Russlanddeutschen-Demo?

Auf dem Rathausplatz demonstrieren am Sonntag etwa 200 Russlanddeutsche gegen die aktuelle Flüchtlingspolitik.
Bild: Peter Fastl

In Bayern und Baden-Württemberg demonstrieren russische Spätaussiedler gegen "Ausländergewalt" und fordern mehr Schutz vor muslimischen Flüchtlingen. Wer sind die Organisatoren?

Plötzlich waren sie da: Aufgebrachte Russlanddeutsche versammelten sich am Sonntag auf zentralen Plätzen von Städten in Bayern und Baden-Württemberg sowie bereits am Samstag vor dem Kanzleramt in Berlin. Sie forderten mehr Schutz für Frauen und Mädchen vor muslimischen Flüchtlingen. Ihre Redner kritisierten eine übertriebene Toleranz der Politik. Über die Hintergründe und die Organisatoren war auch gestern nicht allzu viel bekannt. Die Kundgebungen blieben friedlich.

In Berlin soll ein Ableger der Pegida, der sich „Bärgida“ nennt, zu der Kundgebung aufgerufen haben. Als sicher gilt, dass Meldungen über die angebliche Vergewaltigung einer 13-jährigen Russlanddeutschen aus dem Berliner Bezirk Marzahn durch Flüchtlinge die Demonstrationen mit ausgelöst hatten.

Die Berliner Polizei sprach zwar umgehend von einer Falschmeldung, doch das Gerücht hatte sich über das Internet bereits verbreitet. Nicht zuletzt russische Medien hatten über die angebliche Tat berichtet. Vieles spricht dafür, dass Aufrufe im Internet, gegen „Ausländergewalt“ auf die Straße zu gehen, die Demonstranten mobilisiert hatten.

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20.000 russische Spätaussiedler leben in Augsburg

Die Landsmannschaft der Deutschen aus Russland erklärte, dass sie mit der Organisation der Veranstaltungen nichts zu tun habe. Dies bestätigte auch Karl Kromer, der Vorsitzende der Kreisgruppe Augsburg, im Gespräch mit unserer Zeitung. Auf dem Rathausplatz der Stadt hatten rund 200 Bürger aus der früheren Sowjetunion gegen die Flüchtlingspolitik und „nicht integrierbare“ muslimische Migranten protestiert. In Augsburg leben gut 20.000 Menschen, die ihre Wurzeln in Staaten der Ex-Sowjetunion haben.

Der Bundesvorsitzende der Landsmannschaft, Waldemar Eisenbraun, fordert, klar zwischen Vertriebenen, Spätaussiedlern, Flüchtlingen und Wirtschaftsmigranten zu unterscheiden. Für ihn ist die Ausreise der Deutschen aus der Ex-Sowjetunion eine Einreise in „ihre historische Heimat“. Die Spätaussiedler hätten sich in den letzten 25 Jahren „vorbildlich integriert“ und sich „mehrheitlich von Hilfesuchenden zu Leistungsträgern entwickelt“.

Viele Russlanddeutsche wehren sich vehement, mit den Flüchtlingen in einem Atemzug genannt zu werden. Als der Oberbürgermeister der badischen Stadt Lahr, Wolfgang G. Müller, die rund 350 Spätaussiedler, die sich auf dem Rathausplatz versammelt hatten, daran erinnerte, dass auch sie – wie die Migranten heute – einmal in Deutschland bei null angefangen hätten, gab es wütende Reaktionen.

Russlanddeutsche demonstrieren in Bayern und Baden-Württemberg

Ein Schwerpunkt der Demonstrationen vom Wochenende lag neben Bayern in Baden-Württemberg. Dort zählte die Polizei insgesamt fast 3000 Teilnehmer. In Villingen-Schwenningen demonstrierten rund 1300 Russlanddeutsche unter dem Motto „Gegen Gewalt und für mehr Sicherheit in Deutschland“. Die Menschen trugen Transparente mit Sprüchen wie: „Ich habe Angst um meine Enkel“ oder „Respekt für deutsche Kultur“.

Russlanddeutsche demonstrieren in Villingen-Schwenningen.
Bild: Marc Eich (dpa)

Umstritten ist, inwieweit russische Fernsehsender die Lage bewusst anheizen. Während Kromer den Einfluss dieser Medien auf die Russlanddeutschen für überschaubar hält, warnt der Russland-Experte Boris Reitschuster davor, dass sehr viele Spätaussiedler sich dort informierten. Das sei bedenklich, da diverse Sender und Internetblogs gezielt Desinformation verbreiten würden. mit dpa

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Die Diskussion ist geschlossen.

26.01.2016

Wenigstens geht mal jemand auf die Straße und protestiert gegen diese Zustände.

Die faulen deutschen sitzen lieber auf der Couch und schauen zu, wie ihr Land Stück um Stück den Bach runter geht.Anstatt auch zu Tausenden in Augsburg und überall im Land auf den Straßen zu sein und gegen diese asoziale Politik und den Flüchtlingsstrom zu demonstrieren.

Anstatt die Russland Deutschen anzufeinden, sollte man lieber selbst tätig werden.

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26.01.2016


Tja und vor 30 Jahren hätten die faulen dann auf die Straße gehen müssen gegen die Kohlsche Einladung an die Spätaussiedler - vorwiegend Russlanddeutsche gelle?

Die waren ungefähr so beliebt und mit Vorurteilen belegt wie heute die Flüchtlinge.

Aber das Gedächtnis ist löchrig, wenn es sich dann gegen andere hetzen lässt.

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28.01.2016

es gab keine "kohlsche einladung" (bereits adenauer hatte in moskau 1955 bei wiederaufnahme der beziehungen das thema angesprochen), die regelung galt eben seit 50ern und zu hohen zahlen kam es mit der perestroika / kollaps der udssr


heute wachsen übrigens die zuzugszahlen der rd wieder, da nach verschärfungen 1995/2005 im jahre 2013 die aufnahmebedingungen wieder erleichtert wurden - mE ein fehler, da erwartungshaltung (bekenntnis zu deutschland aufgrund eben der nationalität) nicht erfüllbar ist: wie hier in den kommentaren zurecht moniert, bekennt man sich auch nach jahren oder gar jahrzehnten zu "russischen farben" (wohlgemerkt heute, wo man leider von atomwaffeneinsatz spricht...)

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25.01.2016

@az - woher kommt die zahl von "20.000 Menschen, die ihre Wurzeln in Staaten der Ex-Sowjetunion haben" - basiert diese auf konkreten kriterien wie geburtsort+aufenthaltstitel, ist das eine hochrechnung von mikrozensus-ergebnissen?


lt wiki leben in augsburg gar 50.000 spätaussiedler - lol, das wäre ja beinahe jeder fünfte einwohner. und dazu kämen noch etliche andere russisch-sprachige wie kontingentflüchtlinge, studenten, "zugeheiratete", bluecard-gastarbeiter

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