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Atomare Aufrüstung

16.11.2020

Hinweise auf Atombomben-Bau: Was führt der Iran im Schilde?

Ein Atomkraftwerk im iranischen Buschehr.
Bild: Abedin Taherkenareh/EPA, dpa (Archivbild)

Der Verdacht, dass Teheran doch an einer Atombombe bastelt, bekommt neue Nahrung. Es ist zweifelhaft, ob ein US-Präsident Biden daran noch etwas ändern könnte.

Hinter einer sandfarbenen Mauer und einem blau gestrichenen Metalltor südwestlich von Teheran verbirgt sich ein Geheimnis des iranischen Atomprogramms. In dem Anwesen in dem Dorf Turkusabad haben die Iraner nach Angaben Israels in den vergangenen Jahren bis zu 300 Tonnen radioaktives Material gelagert. Iranische Medien halten dagegen: Hinter der Mauer in Turkusabad liege nichts weiter als ein harmloser Betrieb zur Reinigung von Teppichen. Doch nun hat die Internationale Atomenergiebehörde IAEA die iranischen Behörden aufgefordert, überzeugende Antworten auf eine Untersuchung zu geben, die vor Ort Spuren von atomarem Material nachgewiesen hatte. Was Teheran bisher an Erklärungen geliefert habe, sei unglaubwürdig, heißt es in einem neuen Bericht der Behörde.

Der Verdacht, der Iran baue heimlich doch an einer Atombombe, erhält neue Nahrung – und dafür gibt es noch weitere Gründe. Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu bezeichnet die Anlage in Turkusabad als „atomares Lagerhaus“. Ganz in der Nähe hatten israelische Agenten vor zwei Jahren das Geheimarchiv des iranischen Atomprogramms ausgehoben. Vor den Vereinten Nationen in New York erklärte Netanjahu damals, die Iraner seien dabei, das Lager zu räumen: 15 Schiffscontainer voller Material würden fortgeschafft. Als internationale Inspektoren im vergangenen Jahr dort Proben nahmen, war das Lager leer. Doch die Experten fanden trotzdem Spuren von Atommaterial.

Atomabkommen: Iran will weiter Uran anreichern

Die Enthüllungen müssen nicht zwingend bedeuten, dass der Iran derzeit an der Bombe baut. Einige Experten nehmen an, dass in Turkusabad ein Teil alten Materials aus dem früheren militärischen Atomprogramm des Iran gelagert worden war; das Programm wurde 2003 aufgegeben. Doch nach den Regeln des internationalen Atomabkommens von 2015 hätte der Iran über das Material in Turkusabad informieren müssen, was nicht geschah.

Zudem lagert der Iran laut IAEA inzwischen zweieinhalb Tonnen schwach angereichertes Uran, obwohl er laut dem Atomabkommen nur 200 Kilogramm besitzen darf. Der Iran ist zwar weit von der 90-prozentigen Anreicherung für waffenfähiges Material entfernt. Doch offenbar wollen die iranischen Behörden die Anreicherung weiter vorantreiben. Der IAEA zufolge haben sie damit begonnen, dafür leistungsfähige Zentrifugen in unterirdische Bunker zu verlegen, um sie vor Luftangriffen zu schützen. Die USA werfen Teheran vor, inzwischen Material für zwei Atombomben zusammen zu haben.

Iran: Keine Zugeständnisse ohne Rücknahme der Sanktionen

Unter Präsident Donald Trump waren die Amerikaner vor zwei Jahren aus dem Atomabkommen ausgestiegen und hatten neue Sanktionen gegen den Iran eingeführt. Hardliner in Jerusalem und Washington fühlen sich in ihrer Ansicht bestätigt, dass der Iran schon immer die Bombe wollte und der Atomvertrag daran nichts geändert hat.

Präsident Hassan Ruhani bekräftigte diese Woche, Zugeständnisse seines Landes kämen erst infrage, wenn die USA ihre Sanktionen zurücknähmen und zum Atomabkommen zurückkehrten. Auffällig ist allerdings, dass die iranischen Verstöße gegen das Abkommen weitergehen, obwohl der designierte US-Präsident Joe Biden seine Bereitschaft zur Rückkehr in den Vertrag bekundet hat.

Offenbar will Teheran vor Verhandlungen mit den Amerikanern neue Verhandlungsmasse aufbauen, die man sich dann abhandeln lassen kann.

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