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Corona-Krise

04.04.2020

In Italien wächst die Wut auf die Deutschen

Während die Zahl der mit dem Virus Infizierten und der Toten steigt, wächst auch die Wut der Italiener auf Deutschland.
Bild: Claudio Furlan, dpa

Plus Italien steckt durch Corona in einer tiefen Krise und fühlt sich im Stich gelassen. Die Stimmung ist geprägt vom Klischee des „hartherzigen Deutschen“.

„Siamo con voi!“, also „Wir sind bei Euch!“ – so schallte es am Donnerstag von der letzten Seite der Bild-Zeitung in Richtung Italien. Ganzseitig abgebildet war eine erschöpfte Krankenschwester aus Bergamo, dazu Fotos aus der italienischen Corona-Apokalypse. Im auf Deutsch und Italienisch veröffentlichten Text war von Italien-Sehnsucht, von heimlichem Neid auf die Lockerheit des Südens und von „Antipasti, Farfalle, Tiramisu“ die Rede. „Wir fühlen mit euch, weil wir Brüder sind!“, lautete ein Satz, der die Gefühlslage vieler Menschen in Deutschland beschreiben dürfte. Allein, die Botschaft kam nicht an. Am Freitag reagierte der renommierte italienische Corriere della Sera, Stimme des seriösen Italiens. „Heuchlerisch“ sei dieser Zuruf.

Italien will finanzielle Garantien statt warme Worte

Die journalistische Dialektik trifft das deutsch-italienische Verhältnis dieser Tage gut. Die Corona-Epidemie und die Frage, welches das richtige Maß an Solidarität in der Krise ist, belasten die Beziehungen wie lange nicht mehr. „Auf solche Zuneigungsbekundungen können wir verzichten“, schrieb der Corriere della Sera, fügte aber versöhnlich hinzu, dass es sich bei Bild ja nicht um Deutschland handele. Denn selbst wenn die Bundesrepublik derzeit Covid-19-Patienten aus Italien aufnimmt – dort erwartet man eher Antworten auf die „Mutter aller Fragen“, die finanzielle Garantien zum Schutz des Marktes und der europäischen Wirtschaft betrifft. Es ist kein unbekanntes Muster für Partnerschaften: Sobald vom Geld die Rede ist, kracht es.

Der Disput begann Anfang März, als die Bundesrepublik in den ersten Tagen der Virusepidemie ein Ausfuhrverbot von Schutzmasken verhängte, das rasch wieder aufgehoben wurde. Auch als Rom mehr Beatmungsgeräte und Ärzte suchte, schickten zuerst China und andere Länder Flugzeuge mit Geräten und Personal – dann auch Russland. Zur Zeit der Landung der ersten deutschen Rettungsflüge für Corona-Patienten in Italien hatte sich das Klischee vom „hartherzigen Deutschen“ schon über Wochen festsetzen können.

 

Auch eine auf Italienisch gehaltene Ansprache von EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen („Wir sind alle Italiener“) nahm bei vielen Italienern einen schalen Beigeschmack an, seit sich die Staats- und Regierungschefs ausgerechnet wegen des Widerstands von Deutschland, den Niederlanden und Österreichs nicht auf sogenannte Corona-Bonds, also gemeinsame EU-Anleihen zur Finanzierung der Folgen der Epidemie, einigen konnten. „Das hässliche Europa“, titelte die liberale Zeitung La Repubblica am nächsten Tag. An der Bitterkeit war abzulesen, wie stark das Verhältnis beeinträchtigt ist.

Corona-Bonds werden zur Bewährungsprobe

Der Bruch entstand nicht dieser Tage. Die Finanzkrise 2008 und die Migrationskrise 2015 beschädigten das Verhältnis, Italien fühlte sich schon damals im Stich gelassen. Die Tatsache, dass auf beiden Seiten längst um einen Kompromiss gerungen wird, kommt in der öffentlichen Meinung zu kurz.

Ökonomisch gesehen dreht sich der Streit um die Frage, ob die Mittel im Europäischen Stabilitätsmechanismus (ESM), in der Europäischen Investitionsbank und im EU-Haushalt ausreichen, um von der Coronakrise auch wirtschaftlich besonders geschädigte und gefährdete Länder wie Italien oder Spanien zu unterstützen. Oder ob gemeinsame EU-Anleihen mit günstigeren Zinssätzen für die Krisenkandidaten, aber auch mit einer Vergemeinschaftung der Schulden im Ernstfall notwendig seien, wie sie Italien, Spanien, Frankreich und weitere fünf Länder fordern. „2020 wird ein Schicksalsjahr der EU“, sagt Italiens Ministerpräsident Giuseppe Conte.

Rechte Opposition in Italien stichelt gegen Deutschland

Seine Links-Regierung ist getrieben von der starken, rechten Opposition um Ex-Innenminister Matteo Salvini. Der schürt den Hass auf die EU: „Das einzige Interesse Europas ist das Geschäft“, behauptete er in einem Interview. „Für die Deutschen lohnt es sich nicht zu helfen, denn niemand kann mich davon überzeugen, dass hier nicht jemand das Virus benutzt, um einen Handelskrieg zu entfachen.“

Deutschland hat zwar die Niederlande, Finnland und Österreich auf seiner Seite. Der Druck auf Kanzlerin Angela Merkel (CDU) aus dem Süden Europas wächst aber. Italien wird von dem ebenfalls besonders stark von der Krise getroffenen Spanien, aber auch von Frankreich und anderen unterstützt. „Ganz Europa zählt auf Deutschland“, sagte der französische Wirtschafts- und Finanzminister Bruno Le Maire. Er sagte es auf Deutsch, damit es in Berlin auch ja gehört wird.

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Die Diskussion ist geschlossen.

08.04.2020

Ein netter Trick der Südländer, die kritisierten Euro-Bonds jetzt in Corona-Bonds umzubenennen!
Frage an die Befürworter hier, z.B. Richard M:
Würden sie für einen Kredit, den ihr Nachbar aufnimmt, haften?
Oder würden sie vielleicht sogar für meinen Kredit haften?
Wenn ja, bitte melden, das machen wir.................................

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06.04.2020

Leider lässt sich mit Geld nicht alles lösen. Aber in den letzten 75 Jahren schien Gelddrucken das "Gelbe vom Ei" gewesen zu sein.

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06.04.2020

Die Privatitaliener besitzen wesentlich mehr Geld als die Deutschen Bürger, sie gehen früher und mit mehr Bezüge in Rente. Die Schwarzarbeit und Schwarzgeld blüht in Italien hervorragend und seit der Finazkrise 2008, hat Italien nicht das geringste unternommen ihre Finanzen zu sanieren, nein sie haben die Schulden weiter aufgebaut, so wie alle Südländer. Außerdem haftet Deutschland über Target II für Italien bereits mit ca 500 Mio € und für Spanien ebenfalls mit diesem Betrag. Mit der Schuldenhaftung hat Solidarität nichts zu tun. Keine Corona oder Eurobonds.

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07.04.2020

Sehr gut, aber das scheint der Italiener nicht zur Kenntnis zu nehmen.
Man verlässt sich liebend gerne auf den Geldscheisser Made in Germany, der bei jeder Forderung sofort einknickt, denn seine Weigerung könnte ja unliebsame Folgen haben - glaubt er! Was wäre, wenn die deutschen Urlauber nur eine Saison den Stränden in Italien den Rücken kehren würden, dann hätten sie einen Grund auf den häßlichen und gemeinen Deutschen zu schimpfen!

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08.04.2020

So wenig Hilfsbereitschaft?
Italiener gehören zu unseren Nachbarn und es ist eine Selbstverständlichkeit zu helfen. Immerhin handelt es sich um viel zu viel Sterbende und nicht nur ein paar davon hätten durch frühzeitige Hilfe gerettet werden können.
Wie scheinheilig ist das denn, notwendige Schwangerschaftsabbrüche zu verurteilen aber Nachbarn / Flüchtlinge beinahe vor der eigenen Türe krepieren zu lassen.

@Ernst G.
Den Geldscheisser Made in Germany hat es noch nie gegeben, dazu sind wir zu geizig. Vermutlich wird der Deutsche froh sein, wenn er wieder seinen Urlaub in Italien verbringen darf und nicht schief angesehen wird.

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05.04.2020

https://www.handelsblatt.com/politik/international/kriminalitaet-italiens-moderne-mafia-tritt-als-investment-holding-auf-auch-in-deutschland/23989992.html
Geld ist überhaupt kein Problem!
30 Milliarden werden jährlich (!) in Deutschland gewaschen - Geld aus Erpressung, Drogenhandel, Zwangsprostitution etc. etc. .
Und das ist nur Deutschland - wer verdient daran mit - obwöhl man das seit Jahren weiss?
Die Immobilien konfiszieren - und der Staat kann billige Wohnungen für seine Bürger bieten und damit Italien großzügig unterstützen!

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05.04.2020

Corona-Bonds nur mit einheitlichem Rentenalter und einheitlichen Steuern in ganz Europa; sonst wird es ganz unfair!

Und europaweit müssen private Vermögen zur finanziellen Konsolidierung herangezogen werden!

https://www.stern.de/wirtschaft/geld/vermoegensschock--die-deutschen-sind-die-armen-wuerstchen-der-eu-7780210.html

>> Der Welt-Reichtums-Report zeigt, wie arm die meisten Deutschen wirklich sind. Von den Ländern der alten EU liegt nur Portugal hinter Deutschland. In den meisten Ländern besitzen die Bürger mehr als doppelt so viel Vermögen wie hierzulande. <<

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16.04.2020

Zum Thema Steuern: Italien lockt reiche Ausländer, u.a. Deutsche mit 5% Einkommensteuer für die ersten 5 Jahre nach Italien.

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05.04.2020

Der Unterschied zu der als Vergleich herangezogenen Hyperinflation anfangs des letzten Jahrhunderts waren aber die Umstände. Nach dem Krieg gab es keine Waren. Damit setzte automatisch eine Verknappung ein, das zuviel an Geld führte dann zu ebenjener.

Bis dato hat sich die wahnsinnige Geldvermehrung nicht wesentlich auf die Preise niedergeschlagen - ganz einfach, weil genügend Güter da waren - lediglich bei den Immobilien, nicht so gut vermehrbar, war der Preisanstieg deutlich wahrnehmbar. Das könnte/wird? sich infolge der Coronakrise natürlich ändern.

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05.04.2020

Das Warenangebot wird abnehmen. Die Produktionsketten sind auf unabsehbare Zeit unterbrochen. Selbst wenn die Produktionen wieder starten, dauert es Monate bis die Produktion wieder auf ein ähnliches Niveau kommt, wie vor der Krise.

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16.04.2020

Es gab einen enormen Preisanstieg bei Aktien. Irgendwo muss das Geld hin.

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04.04.2020

"Da geht es ums Geld . Da hört die Freundschaft - egal mit wem - auf" .

Es ist wahr - die südländischen Mitglieder der EU hatten immer schon eine andere fiskalische Wertevorstellung , immer schon eine leichtere Art im Umgang mit Geld .
Das wußte man aber schon vor der Einführung des Euro als europäische Zwangswährung !

Man hätte sich also damals schon , vor Umformung der EG und Einführung des Euro um diese Volks-National-Eigenschaften , die ja jahrhunderte alt sind ,Gedanken machen müssen !

Und war und ist das "leichtere Leben" in diesen Ländern auch nicht immer schon Teil des Fazinosums dieser Sehnsuchtsländer der Deutschen ?

Jetzt aber , in der kommenden Rezession - möglicherweise gar Depression - welche eben nicht hausgemacht (in Italien, in Spanien , in den USA, in Griechenland , in vielen anderen Ländern ) ist , sondern durch das unlautere , geradezu verschlagene Verhalten der Pekinger kommunistischen Regierung entstanden ist , muß es schon aus reinem Selbstschutz Deutschlands sein , den Italienern , Spaniern etc wirtschaflich und fiskalisch zu helfen .

Die "Corona-Bonds" kann man ja dann wieder benden und das Programm schließen ,vwenn die Wirtschaftlage es in einigen Jahren erlaubt .

Man muß es dann nur auch wollen !

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05.04.2020

"Die "Corona-Bonds" kann man ja dann wieder benden und das Programm schließen ,vwenn die Wirtschaftlage es in einigen Jahren erlaubt"
Wenn es doch nur so einfach wäre. Der Geldbedarf der Südländer übersteigt alles je dagewesene. Dagegen ist der Bedarf Griechenlands nur Peanuts gewesen. Eine solche enorme Verschuldung reißt auch die Geberländer , die ja selber gerade Schulden machen, mit in den Abgrund. Es wird nicht ohne Schuldenschnitt oder Inflation gehen. Beides enteignet die Deutschen mit ihren Sparguthaben (Inflation) und Lebensversicherungen (Staatspapiere). Es sieht gerade nach Inflation aus. Hyperinflation mit allen Folgen.
https://de.wikipedia.org/wiki/Deutsche_Inflation_1914_bis_1923

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04.04.2020

Die Deutschen sind schon wieder recht wenn sie in Italien wieder Urlaub machen. Im übrigen hatten dioe Iatliener schon vor der Krise einen extrem hohen Schuldenstand. Da brauchen die sich nicht zu wundern wenn man mit dem Geld ein wenig vorsichtig umgeht.Aber gut - die Krise nach Corona wird noch schlimmer werden. Dann gehts nämlich um Geld - und da hört die Freundschaft, egal gegenüber wem, bekanntlich auf.

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04.04.2020

Man soll nicht immer auf das eigene Land schimpfen, es reicht schon, wenn es Andere machen und das andauernd. Wenn die starke italienische Vorgängerregierung und die jetzige mehr für ihr Land und Bürger getan hätten, würde sie nicht so dastehen wie jetzt durch diesen Virus. Man kann leicht den Helfenden an den Pranger stellen um von der eigenen Unfähigkeit abzulenken!

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05.04.2020

Die Bevölkerung leidet in Italien und nicht die Regierung und schon gar nicht die Vorgängerregierung. Die Hilfe aus Deutschland, insbesondere aus Bayern hätte durchaus besser sein können.

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04.04.2020

Ich verstehe die Enttäuschung der Italiener, insbesondere das Exportverbot von Schutzmasken war politisch töricht. Und wenn deutsche Politiker auftreten, als würden in Deutschland finanzielle Mittel unbeschränkt zur Verfügung stehen ("whatever it takes"), dann weckt dies Neid und Begehrlichkeiten.
In der Sache hat allerdings Prof. Sinn recht. Und als Deutschland als der kranke Mann Europas galt, gab es kaum europäische Solidarität. Selbst die Bitte vom damaligen Kanzler Schröder auf EU-Beitragsreduzierung wie ehedem bei den Briten praktiziert, fand keine Befürworter. So haben wir heute nach Schröders Agenda in Deutschland z. B. höhere Lebensarbeitszeiten bei vergleichsweise geringeren Renten.

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04.04.2020

Hier geht`s in erster Linie ums Geld. Humanitäre Hilfe wird nicht oder wenig honoriert. Jetzt die Versäumnisse der Vergangenheit durch Euro-Bonds, bzw. "Corona-Bonds" zu beheben oder abzumildern ist falsch. Richtig ist allerdings, dass man Italien in der Flüchtlingskrise meist alleine lässt, allerdings ist hier Deutschland Europaweit Vorreiter in der Aufnahme der Flüchtlinge. Unser in der Krise gut funktionierendes Gesundheitssystem wird nicht von der Regierung bezahlt sondern größtenteils von den Steuer- und Sozialabgaben Zahlern! Korruption und Misswirtschaft in Italien ist Mitschuld an der jetzigen Misere. Die Leidtragenden sind die Bevölkerung und Kranken. Jetzt Deutschland (und damit ist populistisch die deutsche Bevölkerung gemeint) als hartherzig und arrogant hinzustellen ist armselig.

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04.04.2020

Hans Werner Sinn bringt es auf den Punkt:
„Coronabonds führen zu einer Verschuldungslawine, die nichts als Hass und Streit übrig lassen wird“

https://www.boerse-am-sonntag.de/aktien/markt-im-fokus/artikel/hans-werner-sinn-warnt-vor-corona-bonds-und-verschuldungslawine.html

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04.04.2020

Da bin ich völlig Ihrer Meinung. Man sollte sich an den ehemaligen Regierungschef Salvini erinnern, der vor nicht allzu langer Zeit die EU und Deutschland verspottet hat, kräftig Schulden machte und klar stellte, dass ihm als Vertreter Italiens die Regeln der EU völlig egal sind. Herr Macron lässt sich als Mustereuropäer feiern, macht aber nur Vorschläge zum Vorteil Frankreichs ( s. Eurofinanzminister mit eigenem Haushalt) ud kann sich innenpolitisch kaum durchsetzen. Warum sollen also durch Eurobonds diejenigen bestraft werden, die zum Wohle aller Eurostaaten sich finanzpolitisch verantwortungsvoll verhalten (D, A, NL)? Solidarität innerhalb Europas ist wichtig - wenn es z.B. darum geht, dass durch Corona schwerstgetroffenen Regionen durch freie Kapazitäten in weniger betroffenen und gut ausgestatteten Regionen geholfen wird. Aber bitte keine Eurobonds! Sehr gut, Frau Merkel!

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