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Sigmar Gabriel

28.04.2015

Kann Gabriel Kanzler?

Vieles spricht dafür, dass Sigmar Gabriel bei der nächsten Bundestagswahl als Kanzlerkandidat antritt. Dass er mit Angela Merkel streitet, könnte ihm dabei helfen.
Bild: Maurizio Gambarini/dpa

Alles spricht für Sigmar Gabriel als Kanzlerkandidat. Dass der SPD-Mann sich in der Regierung mit Angela Merkel immer öfter anlegt, könnte Teil einer kühlen Strategie sein.

Die Spekulationen kommen buchstäblich aus dem Nichts. Dass Union und SPD sich bei ihrem letzten Gipfeltreffen auf nichts einigen konnten, werten die ersten politischen Kaffeesatzleser in Berlin bereits als Vorentscheidung in der K-Frage. Nach dieser Logik will sich Parteichef Sigmar Gabriel mit einer Politik der kalkulierten Konflikte stärker von der Union und ihrer alles dominierenden Kanzlerin absetzen und sich selbst als Alternative zu Angela Merkel empfehlen.

In den Umfragen liegt die SPD bei 25 Prozent. Wie will Gabriel da Kanzler werden?

Rein rechnerisch ginge das nur mit einer rot-rot-grünen Koalition im Rücken. Allerdings gehört Gabriel zu den Sozialdemokraten, die die Linkspartei für alles Mögliche halten, nur nicht für regierungsfähig. Auf der anderen Seite kann er sich als SPD-Chef nicht noch einmal aus der Verantwortung stehlen und einen anderen in ein schier aussichtsloses Rennen gegen Angela Merkel hetzen. Eine Lösung wie 2013 mit Peer Steinbrück werde es bei der nächsten Bundestagswahl nicht mehr geben, prophezeit ein Mitglied des Parteivorstandes. „Diesmal läuft alles auf Sigmar Gabriel hinaus.“

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Auch wenn seine Chancen schlecht stehen: Hat der SPD-Chef überhaupt das Zeug zum Kanzler?

Ein politischer Vollprofi ist Gabriel in jedem Fall. Der 55-Jährige war, wenn auch nur kurz, Ministerpräsident in Niedersachsen, Umweltminister in der letzten Großen Koalition und ist jetzt als Vizekanzler die Nummer zwei der Bundesregierung. Als Herausforderer der Kanzlerin wäre er der denkbar größte Gegenentwurf zu ihr: temperamentvoller, lauter und ein wenig sprunghafter auch. Im direkten Vergleich allerdings würden sich heute nur 13 Prozent für ihn entscheiden – und satte 61 Prozent für Angela Merkel.

Gerhard Schröder, der letzte Kanzler der SPD, musste sich parteiintern erst gegen Oskar Lafontaine durchsetzen. Hat Gabriel denn keine innerparteiliche Konkurrenz?

Im Moment nicht. Der Hamburger Bürgermeister Olaf Scholz und Nordrhein-Westfalens Ministerpräsidentin Hannelore Kraft haben bereits abgewunken, Sozialministerin Andrea Nahles ist noch jung genug, um warten zu können. Angesichts der anhaltend niedrigen Umfragewerte ist die Kanzlerkandidatur für 2017 alles andere als reizvoll. Vier Jahre später allerdings kann das wieder ganz anders aussehen.

Wenn Gabriel 2017 antritt und verliert – war es das dann für ihn?

Das hängt vom Wahlergebnis ab. Je besser es ausfällt, umso sicherer sitzt er als SPD-Chef im Sattel – und als Parteivorsitzender hätte er auch 2021 eine Art natürliches Zugriffsrecht auf die Kanzlerkandidatur. Willy Brandt, das große Idol der SPD, wurde 1969 sogar erst im dritten Anlauf Bundeskanzler.

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