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Umstrittenes Israel-Gedicht

06.04.2012

Klarsfeld attackiert Grass mit Verweis auf Hitler

Beate Klarsfeld mischt sich in die Debatte um Günter Grass mit drastischen Worten ein. Foto: Tim Brakemeier
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Beate Klarsfeld mischt sich in die Debatte um Günter Grass mit drastischen Worten ein. Foto: Tim Brakemeier dpa

Nazi-Jägerin Beate Klarsfeld hat den Literaturnobelpreisträger Günter Grass wegen dessen Kritik an Israel mit einem Verweis auf Adolf Hitler attackiert.

Klarsfeld zitierte in einer Mitteilung am Freitag aus einer Drohrede, die Hitler 1939 gegen "das internationale Finanzjudentum" gehalten habe. Sie fuhr fort, wenn man den Ausdruck "das internationale Finanzjudentum" durch "Israel" ersetze, "dann werden wir von dem Blechtrommelspieler (Anm.: gemeint ist Grass) die gleiche antisemitische Musik hören".

Grass hatte in dem Gedicht "Was gesagt werden muss" Israel vorgeworfen, als Atommacht den Weltfrieden zu gefährden. "Wenn Grass sich mit seiner magischen Brille im Spiegel anblickt, sieht er heute den Literaturnobelpreisträger oder einen alten Waffen-SS?", schrieb Klarsfeld. Grass hatte erst 2006 in seinen Memoiren öffentlich gemacht, dass er als Jugendlicher Mitglied der Waffen-SS gewesen war.

Klarsfeld betonte, der Iran drohe ständig damit, den Staat Israel auslöschen zu wollen, und arbeite an der Entwicklung einer Atombombe. "Der jüdische Staat ist verpflichtet, diese Drohungen Ernst zu nehmen. Nachdem gleiche Drohungen gegen 9 Millionen europäische Juden ausgesprochen wurden, hat Nazi-Deutschland es nicht geschafft, Zweidrittel von ihnen zu vernichten?"

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Klarsfeld war bei der Bundespräsidentenwahl im März für die Linke gegen Joachim Gauck angetreten. Weltberühmt wurde sie durch eine Ohrfeige, die sie 1968 dem damaligen Bundeskanzler Kurt Georg Kiesinger wegen dessen NS-Vergangenheit verpasste. In Frankreich und Israel wurde die Publizistin, die seit einem halben Jahrhundert in Paris lebt, für die Verfolgung von NS-Verbrechen mit Auszeichnungen überschüttet. In Deutschland galt sie lange als Nestbeschmutzerin.

Grass bekräftigt Kritik

Günter Grass hat unterdessen seine Kritik an Israels Atomwaffenarsenal bekräftigt und vor den Gefahren eines militärischen Erstschlags gegen Iran gewarnt. "Sollte Israel - vermutlich mit sogenannten normalen, konventionellen Bomben und Sprengköpfen - Irans Atomanlagen angreifen, könnte das zum Dritten Weltkrieg führen", sagte der Literaturnobelpreisträger am Donnerstag in seinem Wohnort Behlendorf bei Lübeck in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur. Dabei verteidigte er ausdrücklich sein umstrittenes Israel-Gedicht "Was gesagt werden muss" und warf einem Teil seiner Kritiker Hass vor.

Der 84 Jahre alte Schriftsteller verwies auf die explosive Lage im Nahen Osten, die sich bei einem Präventivschlag Israels zu einem Flächenbrand ausweiten könne. Präventivschläge seien nicht vertretbar. Dies habe sich beim letzten Irakkrieg gezeigt, bei dem unter dem nachweislich falschen Vorwurf, Saddam Hussein besitze Massenvernichtungswaffen, der Krieg begonnen worden sei. Bei Iran sei bisher eine Atombombe oder ein weitreichendes Raketenträgersystem nicht nachgewiesen worden. Mit seinem politischen Gedicht habe er dazu aufrufen wollen, dass sowohl Israel als auch Iran ihre Atomanlagen internationaler Kontrolle unterwerfen, sagte Grass.

Als Fehler bezeichnete es der Autor, dass in seinem Gedicht von Israel und nicht konkret von Israels Regierung die Rede sei. Er hege große Sympathien für das Land und wünsche, dass es auch in Zukunft Bestand habe. Er selbst würde eine Föderation zwischen palästinensischen Gebieten und Israel als politische Vision bevorzugen, aber dies sei zur heutigen Zeit nicht vorstellbar. dpa/AZ

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