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Kontra: "Fridays for Future" ist eine große Inszenierung

Kontra: "Fridays for Future" ist eine große Inszenierung
Kommentar Von Rudi Wais
24.01.2019

Der Klimaschutz ist wichtig - bei den Schüler-Demos zum "Fridays for Future" geht es aber zumindest einem Teil der Teilnehmer nur ums Schwänzen der Schule.

Wenn Eltern von früher erzählen, setzen sie gerne diesen leicht verklärten Blick auf. Wackersdorf, Mutlangen, die Ostermärsche, die Proteste gegen den geplanten Atomreaktor in Pfaffenhofen an der Zusam: Waren das nicht Hochämter des Widerstandes, gefeiert von tausenden von Gleichgesinnten? Dass es bei vielen dieser Demonstrationen nass, kalt und ungemütlich war und es im spontan organisierten Anti-AKW-Zeltlager im Donauried viel zu wenige Toiletten für viel zu viele Teilnehmer gab: Geschenkt. Es zählte das olympische Motto. Dabeisein ist alles.

Das gilt, wenn auch im umgekehrten Sinne, auch für die inflationären Schulstreiks am Freitag. Dabeisein ist alles – weil die Demo für den Klimaschutz im Zweifel die lässigere Veranstaltung ist als zwei Stunden Latein und danach noch Physik. Ganz abgesehen davon, dass es eine Schulpflicht gibt und kein Grundrecht auf Demonstrationen am Freitagvormittag: Wo zumindest ein Teil der Teilnehmer nur gegen die Erderwärmung demonstriert, weil die ihm ein Argument zum Schwänzen der Schule liefert, entwertet das am Ende auch das Anliegen selbst. Mit dem Einwegbecher von Starbucks mal kurz zur Klima-Demo, dann rasch noch ein, zwei Bilder bei Instagram posten und wieder ab nach Hause – ist das die neue deutsche Protestkultur?

Wie viele Schüler würden auch samstags zur Klimaschutz-Demo gehen?

Der "Fridays for Future" ist vor allem eines: Eine große Inszenierung. Seine Erfinderin, die 13-jährige Schwedin Greta Thunberg, hat nicht die Klimakonferenz im polnischen Kattowitz gerockt, wo sie vor weitgehend leeren Reihen sprach. Sie hat das Internet gerockt, in dem ihr Schulstreik für ein hehres Ziel quasi in Echtzeit einen riesigen Resonanzboden fand. Klima statt Schule! Mal ehrlich, liebe Schüler: Wer von Euch würde auch dann zur Demo gehen, wenn diese am Samstag stattfände? Wer von Euch fragt sich, mit welchen ökologischen Kollateralschäden heute ein chinesisches Handy hergestellt wird? Wie viel Kohlestrom das Daddeln an der Playstation verschlingt?

Kontra: "Fridays for Future" ist eine große Inszenierung

Damit wir uns nicht missverstehen: Klimaschutz ist eine wichtige Sache. Dem Weltklima aber ist es ziemlich egal, ob es am Freitagvormittag oder am Samstagnachmittag gerettet wird. Wir haben die Schule geschwänzt, um stundenlang Schafkopf zu spielen. Demo-Tag war bei uns der Samstag – und Dabeisein alles.

Hier lesen Sie den Pro-Kommentar: Pro: Schüler dürfen für den Klimaschutz schwänzen.

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Die Diskussion ist geschlossen.

14.03.2019

Natürlich kann man die überwiegend eindeutigen Beweise für den menschengemachten Klimawandel, wie sie von über 90% aller Klimaforscher bisher vorgelegt wurden, einfach ignorieren, so wie ja auch immer wieder einige Versprengte ignorieren, dass die Erde eine Kugel ist, dass die Lücke zwischen Arm und Reich immer größer wird, usw.
Aber Ignoranz basiert weder auf wissenschaftlichen Erkenntnissen noch auf gesundem Menschenverstand. Ignoranz ist einfach nur eine menschengemachte Schwäche! Und die Ignoranten müssen aufpassen, dass sich eine solche Schwäche nicht zuweilen zu einem Schwachkopf auswächst!
Wobei aber nicht nur Ignoranten den menschengemachten Klimawandel leugnen: nein, auch einschlägige Wirtschaftsinteressen-Verteter stehen auf der Seite der Leugner! Man denke z.B. nur an die Mineralölindustrie.

Merke! Im Gegensatz zu vielen Politikern, Journalisten und manchen Erwachsenen, insbesondere, aber nicht nur unter den AfD-Anhängern, müssen die demonstrierenden Schüler sich nicht vor einem Schwachkopf fürchten!

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28.01.2019

Sehr geehrter Herr Rudi Wais ,

ihre Sichtweise kann man haben . Diese Sichtweise zu den Freitagdemos ist auch unter Erwachsenen weit? verbreitet .

Diese Sichtweise ist aber leider nur destruktiv und leider wirkt sie auf mich auch überheblich .

Ich bin froh dass die Schüler auf die Straße gehen und wenigsten für ein paar Augenblicke darauf hinweisen dass etwas nicht richtig läuft in Unserer bequemen Welt .

Ich bin fest davon überzeugt ,dass sie viel weniger Aufmerksamkeit bekommen hätten, wenn sie am Samstag unterwegs gewesen wären.
Natürlich sind Schüler darunter die bei Mc Donalds einbremsen ,eine Plastikflasche im Rucksack haben ,evtl. sogar einen Weckwerfbecher in der Handhalten .
Aber was sind das für Vergehen gegen das Klima im Vergleich zu dem was wir ehemaligen Wochenend -Demonstranten den Jugendlichen vorleben.

Wir haben es zugelassen, dass wir bald für jeden Handgriff Strom brauchen ( selbst das tägliche Brot will keiner mehr mit dem Messer schneiden ) --wir haben zugelassen dass erstmal die Autos ihren Platz haben auf der Straße , Radlfahrer u. Fußgänger bekommen was übrig bleibt ----wir haben zugelassen dass die Bahn fast kaputt gespart wird ----unser Credo ist Bequemlichkeit über alles und wenn wir uns bewegen dann bitte in chemie und plastikhaltiger in Asien billig produzierter aber stylisch verkaufter Sportswear!
Nicht zu vergessen unser Reiseverhalten .
Und wenns die Jugend noch nicht besser kann gibt's eins auf den Deckel.


Ich glaube sie verstehen , was ich sagen will ,die frei globalisierte Marktwirtschaft tut der Welt langfristig nicht gut .

Da ist so ein Artikel wie sie ihn, aus welchem emotionalen Antrieb heraus auch immer , verfasst haben einfach total unangebracht.

Das können sie besser.
Gruß
Ulrike Haubner

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26.01.2019

Zu "Fridays for Future" ist eine große Inszenierung
Wenn junge Menschen freitags während der regulären Schulzeit erfreulicherweise für eine (ihre und unsere) ökologische, klimafreundliche und damit lebenswertere Zukunft demonstrieren, dann müssen sie in der Regel - u.U. auch samstags!!! - ihr Lernpensum nachholen. Die nächste Schulaufgabe oder Klausur ist terminiert und wird nicht verschoben, was z.B. an einem Gymnasium auch äußerst schwierig wäre. Ebenso wird sie nicht 'leichter' ausfallen. Die Schüler von heute überlegen und wissen genau, welche Folgen ihr Handeln hat. Sie nehmen das Risiko auf sich. Gingen diese jungen Menschen außerhalb der Schulzeit auf die Straße, würde sich die Öffentlichkeit höchstwahrscheinlich keinen Deut darum kümmern. Auch Ihnen, sehr geehrter Herr Wais, wäre das vermutlich keinen Artikel wert. Mein größter Wunsch (ich war über 40 Jahre als Lehrer tätig) ist, dass alle Schüler straffrei ausgehen, so wie es Heinz-Peter Meidinger, der Vorsitzende des Deutschen Lehrerverbandes und Direktor des Robert-Koch-Gymnasiums in Deggendorf (für seine Schule) schon angekündigt hat. Am meisten - so glaube ich - kann die Jugend etwas bewirken. Mein Appell an die Schüler: Setzt euch weiter für die gute Sache ein und überlasst das nicht dem trägen und monitär orientierten 'Establishment' von heute. Viel Glück dabei!

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26.01.2019

Es gibt tatsächlich noch vernünftig denkende Journalisten in diesem Land! Ich danke Ihnen, Herr Wais, Sie bringen es auf den Punkt!

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25.01.2019

Sehr geehrter Herr Wais,

Sie sollten ein wenig die Fakten prüfen bevor Sie etwas veröffentlichen. Greta Thunberg ist nicht 13 sondern 16. Auch ansonsten werden hier emotionale Dinge aufgeführt die rein gar nichts mit der Sache zu tun haben. Und wegen Schafkopfen die Schule zu schwänzen geht auch nur bei Eltern die sich nicht um Ihre Kinder kümmern. Die Jungend von heute hat sich etwas geändert! Ein Tipp: Sprechen Sie doch mal mit ein paar Kindern / Jugendlichen, die heute dabei waren...

Viele Grüße aus dem Münchner Süden,
Markus Hopfenspirger

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25.01.2019

Das Anliegen der Demonstranten ist nicht dadurch weniger berechtigt, dass mutmaßlich ein gewisser Teil egoistische Interessen hat. Wie groß der Prozentsatz ist? Ich weiß es nicht. Aber eines ist sicher: Das Interesse derer, die mit der Verstromung von Braunkohle, der Produktion übermotorisierter PKWs, steuerfreiem Flugverkehr, dreckigen Schiffsmototen etc. unserem Planeten schaden, ist zu 100 Prozent egoistisch. Und diese rücksichtslose Gier ließe sich nur stoppen, wenn es einen politischen Willen dazu gäbe. Das Totschlargument, dass auch die Schüler Teil einer umweltschädlichen Konsumgesellschaft sind, ist einfach nur der übliche zynische Versuch, politische Verantwortung auf den Konsumenten abzuwälzen. Das Problem ist aber, dass ich als Konsument mein Leben lang Flug- und Schiffsreisen verweigern könnte, Ökostrom beziehen, vegan essen und umweltbewußt einkaufen könnte und es hätte trotzdem keinerlei Einfluss auf die angesprochenen Verursacher oder die Politik, die hier regulierend eingreifen müsste. Übrigens, selbst wenn einige Schüler sich Ihrer Meinung nach nicht ernsthaft genug bei den Demos einbringen - immerhin riskieren sie für die Idee der Freitagsdemos Disziplinarmaßnahmen. Mein Tipp für Lehrer, die ein Thema fürs Nachsitzen brauchen: Essay on Civil Disobedience, Henry David Thoreau

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