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Proteste im Nahen Osten
26.07.2021

Extremwetter verschärft Spannungen im Nahen Osten

Im Irak und im Iran kommt es seit Wochen zu Unruhen und Demonstrationen wegen Stromausfällen und Wassermangel in der lang andauernden Hitzewelle.
Foto: Nabil Al-Jurani, dpa

Der Nahe Osten kämpft seit Wochen mit extremer Hitze und Wassermangel. Im Iran und Irak gibt es bereits Unruhen. Die UN schlägt auch für Syrien und den Libanon Alarm.

Während Deutschland und andere Länder Europas seit Wochen unter Regenmassen leiden, löst die verharrende Wetterlage in anderen Teilen der Welt das Gegenteil aus. So lässt eine Hitzewelle im Nahen Osten in einigen Regionen das Wasser knapp werden. Seit Wochen werden im Iran, im Irak und auf der arabischen Halbinsel regelmäßig bis zu 53 Grad gemessen, nachts sinkt das Thermometer nur selten unter 30 Grad. Stromausfälle legen Pumpstationen lahm, und mancherorts ist in den vergangenen Monaten der Regen ausgeblieben, sodass Flüsse und Stauseen weniger Wasser liefern, als zur Versorgung der Bevölkerung nötig wäre. Gluthitze und Wassermangel fachen immer mehr politische Konflikte an.

Iraner protestieren gegen Wassermangel

Im Iran protestieren seit mehr als einer Woche Tausende gegen den Wassermangel und die häufigen Stromausfälle. Bei Zusammenstößen mit der Polizei wurden oppositionellen Menschenrechtlern zufolge bisher zehn Menschen getötet. Laut Amnesty International schossen Beamte mit scharfer Munition auf Demonstranten. Auch die UN zeigen sich besorgt über die Gewalt.

Begonnen hatten die Unruhen in der ölreichen Provinz Khuzestan an der Grenze zum Irak. Inzwischen haben die Proteste auf andere Landesteile übergegriffen. Der Chef der iranischen Revolutionsgarde, Hussein Salami, traf am Wochenende in Khuzestan ein – Oppositionelle befürchten, dass dies ein Vorzeichen für ein noch rücksichtsloseres Vorgehen gegen die Demonstranten sein könnte. Regimegegner werfen der Regierung vor, das Land durch Korruption und Misswirtschaft zu ruinieren. Dagegen sagen die Behörden, die Wasservorräte seien wegen einer ungewöhnlichen Dürreperiode knapp geworden. Zudem leidet der Iran unter amerikanischen Wirtschaftssanktionen.

Im Irak legen Stromausfälle die Klimaanlagen lahm

Auch im benachbarten Irak gingen die Menschen in den vergangenen Wochen auf die Straße. Demonstranten in Basra im Süden des Landes und in der Hauptstadt Bagdad protestierten gegen die langen Stromausfälle, die mitten in der Sommerhitze die Klimaanlagen und die Wasserversorgung lahmlegen. Obwohl der Irak zu den ölreichsten Ländern der Welt gehört, hat der Staat es nach den Zerstörungen durch die US-Invasion von 2003 nicht geschafft, das Stromnetz und andere wichtige Teile der Infrastruktur zu modernisieren.

Ein drastischer Rückgang der Niederschläge beim nördlichen Nachbarn Türkei schafft weitere Probleme: Die biblischen Ströme Euphrat und Tigris, die in der Türkei entspringen und deren Wasser im Irak für die Versorgung von Millionen Menschen genutzt wird, führen weniger Wasser als in früheren Jahren. Irakische Behörden werfen der Türkei zudem vor, Wasser aus den beiden Strömen in Stauseen zurückzuhalten; Ankara weist dies zurück. Verschärft wird die Lage durch einen Streit mit dem Iran, der den Irak mit Strom und mit Gas zur Stromerzeugung versorgt. Laut Medienberichten schuldet der Irak dem Nachbarn vier Milliarden Dollar für die Energie-Importe – deshalb stellten die Iraner vor einigen Wochen die Lieferungen vorübergehend ein.

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Unicef warnt: Wasserversorgung im Libanon könnte zusammenbrechen

Ähnliche Probleme gefährden die Wasserversorgung im Libanon. Der Staat hat kaum noch Geld, um Energie-Einfuhren zu bezahlen. Deshalb gingen in den vergangenen Wochen zwei Kraftwerke vorübergehend vom Netz. Die Stromausfälle von bis zu 22 Stunden pro Tag und der Geldmangel zwangen Wasserwerke zur Rationierung der Wassermengen für Privathaushalte. Weil die Politiker in Beirut seit Monaten ohne Ergebnis über die Bildung einer neuen Regierung streiten, besteht derzeit keine Aussicht auf ein Reformprogramm zur Lösung der Krise. Das Kinderhilfswerk Unicef warnt, die Wasserversorgung im Libanon könne innerhalb von vier bis sechs Wochen komplett zusammenbrechen.

Im Nordosten von Syrien gibt es ebenfalls Streit ums Wasser. Die UN schlugen vor kurzem Alarm, weil die Pumpstation Alouk an der Grenze zur Türkei ausgefallen war. Die Station pumpt normalerweise Grundwasser in einen Stausee, der die syrische Stadt Al-Hasaka versorgt. Doch Alouk arbeitet nicht mehr. Bis zu einer Million Menschen seien betroffen, erklärte Unicef. Die Bewohner der Gegend werden notdürftig mit Wasser aus Tanklastwagen versorgt.

Die Probleme mit Alouk begannen im Jahr 2019: Damals marschierten türkische Truppen und verbündete Milizen in den Nordosten Syriens ein, um die Kurdenmiliz YPG aus dem Grenzgebiet zu vertreiben. Alouk steht seitdem unter türkischer Kontrolle, doch der Strom für die Pumpstation kommt aus dem nahen YPG-Gebiet. Die Kurden werfen der Türkei vor, Alouk immer wieder abzuschalten und so die Bevölkerung der Gegend zu erpressen. Die Regierung in Ankara macht dagegen die YPG und das Regime in Damaskus für die Unterbrechung der Stromversorgung für Alouk verantwortlich.

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