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01.01.2019

Was die Österreicher über deutsche Politik denken

Die restriktive Migrationspolitik, die Kanzler Kurz (links) und sein Vize Strache vertreten, gefällt vielen Österreichern besser als der Merkel-Kurs.
Bild: Hans Punz, dpa

Eine aktuelle Umfrage zeigt: In der Alpenrepublik sieht man das Nachbarland im Norden keinesfalls als Vorbild.

Konservative Deutsche beneiden Österreich gerne um seinen Bundeskanzler Sebastian Kurz. Manche tun dies wegen dessen Jugend und Ausstrahlung – nicht wenige aber auch wegen seiner restriktiven Flüchtlingspolitik. Österreicher empfehlen den Deutschen aber etwas anderes. Nur 39 Prozent sind der Meinung, dass Deutschland einen Politiker wie Sebastian Kurz an der Spitze brauche, ergab nun eine Umfrage. 49 Prozent hingegen sind froh, dass Angela Merkel bis 2021 Kanzlerin bleiben will. Das zeigt die Erhebung, die das Linzer Market-Institut im Auftrag der Zeitung Standard im November und Dezember durchgeführt hat.

Befragt wurden 1297 in Österreich wahlberechtigte Personen, die die politische Entwicklung in Deutschland verfolgen und beurteilen. 30 Prozent der Österreicher beobachten die Politik in Deutschland regelmäßig, weitere 50 Prozent interessieren sich gelegentlich für deutsche Politik. 53 Prozent sagen auch, dass die deutsche Politik „wesentlichen Einfluss darauf hat, wie es uns in Österreich geht“. Nach dieser Umfrage verliert Deutschland für Österreich allerdings an Bedeutung. „Uns ist aufgefallen, dass sich jüngere Befragte deutlich weniger für Deutschland interessieren als der Bevölkerungsschnitt“, erklärte Market-Institutsleiter David Pfarrhofer dem Standard.

Ein großer Teil der Befragten sieht die Nachbarn keineswegs als Vorbild. Im Gegenteil. 40 Prozent sind der Meinung, Österreich solle sich weniger an Deutschland als an anderen Nachbarländern orientieren. Welche Staaten gemeint sind, wurde nicht gefragt. Doch naheliegt, dass es sich um Ungarn, Tschechien und die Slowakei handeln könnte. Sie wachsen wirtschaftlich und spielen mit im Konzert gegen eine offene Migrationspolitik.

Unsere Nachbarn äußern sich entschieden zur deutschen Innenpolitik. Den Rücktritt von Horst Seehofer beurteilen 54 Prozent der Befragten positiv, nur achtzehn Prozent negativ. Dies ist wohl vor dem Hintergrund zu sehen, dass Angela Merkel in Österreich immer noch sehr große Sympathie genießt. 49 Prozent glauben, dass Deutschland ohne Angela Merkel in der Welt an Einfluss verlieren wird. Allerdings sind auch 43 Prozent der Ansicht, dass es für die CDU eine gute Entscheidung war, dass sie nicht erneut für den CDU-Vorsitz kandidiert hat. Deutschlands Rolle in der EU wird auf zweifache Weise beleuchtet. 71 Prozent nehmen eine europapolitische Dominanz Deutschlands wahr. Kritisch sehen 40 Prozent der Befragten, dass sich Deutschland „zu stark mit EU-Themen“ befasse. Die Flüchtlingspolitik und der Umgang mit dem Dieselskandal werden von 66 bzw. 58 Prozent negativ beurteilt. Die Frage, ob es Österreich besser gehen würde, wenn es „Teil Deutschlands wäre und von Berlin aus regiert würde“, stößt bei 90 Prozent der Befragten auf Ablehnung. Lediglich drei Prozent würden solch ein Szenario begrüßen.

Von den österreichischen Befragten schätzen nur 16 Prozent die deutsche Flüchtlingspolitik positiv ein. Besonders kritisch bewerten erklärte FPÖ-Wähler die deutsche Flüchtlingspolitik, da kommt von 86 Prozent klare Ablehnung. Pfarrhofer sagt dazu: „Die Fragen rund um das Migrationsthema haben die politische Berichterstattung besonders geprägt – und damit nicht nur die österreichische Politik, die davon überschattet wird, sondern auch das Bild von Deutschland. Und die Daten zeigen, dass Deutschland unter anderem deshalb nicht als Vorbild für Österreich gesehen wird.“

Das ganz spezielle deutsch-österreichische Verhältnis spiegelt sich auch in vielen Witzen, dem berühmten Wiener Schmäh. Ein Beispiel: „Was ist der Unterschied zwischen Österreich und Deutschland? Deutschland hat nette Nachbarn.“

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