Landkreis Augsburg

28.02.2017

Alles nur Gezwitscher?

Die Abgeordneten im Landkreis Augsburg nutzen soziale Netzwerke wie Facebook und Twitter unterschiedlich.
Bild: Franz-Peter Tschauner/dpa

US-Präsident Donald Trump tritt regelmäßig über Twitter Diskussionen im Netz los. Wie regionale Abgeordnete sich in den unterschiedlichen sozialen Medien präsentieren.

Twitter, Facebook, Instagram – alles soziale Netzwerke, die heutzutage fast jeder benutzt, um sich mitzuteilen. Auch Politiker sind auf den Geschmack gekommen. An der Spitze: US-Präsident Donald Trump. Mehrmals täglich postet er etwas auf Twitter und nutzt die Plattform als politisches Sprachrohr. Doch im Gegensatz zu Facebook und Instagram hat Twitter eine Beschränkung von 140 Zeichen pro Post. Können in so einem beschränkten Rahmen überhaupt politische Inhalte vermittelt werden?

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Bei 140 Zeichen auf das Wesentliche konzentrieren

SPD-Politiker Herbert Woerlein ist seit Kurzem aktives Mitglied bei Twitter, nutzt den Kanal anders als Trump: „Ich halte meine Follower und die Presse via Twitter über aktuelle Projekte auf dem Laufenden.“ Für tief greifende Information sei Twitter nicht ausreichend, meint Woerlein. Vorteile des Gezwitschers, das auf 140 Zeichen beschränkt ist, sind: „Man muss sich aufs Wesentliche konzentrieren und hat gar nicht die Möglichkeit, ellenlange Nachrichten zu verfassen“, sagt Woerlein.

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Der gleichen Meinung ist CSU-Bundestagsabgeordneter Hansjörg Durz. Er benutzt Twitter nur passiv. Das heißt: Durz postet selbst nicht. Aber er verfolgt andere Nutzer. Der Grund: „Mich stört die begrenzte Zeichenzahl. Es ist schwierig, damit sinnvolle Inhalte zu vermitteln.“ Bei Facebook und Instagram – das ist eine App zum Posten von Bildern und Videos – ist er aktiv dabei. Er zeigt in den sozialen Netzwerken, was ein Bundestagsabgeordneter überhaupt macht. Durch Instagram versucht er, vor allem jüngere Menschen zu erreichen. „Ich benutze natürlich auch manchmal etwas fachbezogenere Sprache, aber ich gehe nicht zu sehr ins Detail“, erklärt Durz. Das mache er nach wie vor persönlich.

Sprechstunde auf Facebook

Ähnlich handhabt es Landtagsabgeordnete Simone Strohmayr. Sie benutzt Twitter nur, um zu erfahren, welche Themen im Fokus stehen. Facebook dagegen verwendet sie wegen des Austauschs und des Feedbacks. Die SPD-Politikerin erklärt: „Um reinzuhören, welche Position es zu einem politischen Aspekt gibt.“

CSU-Abgeordnete Carolina Trautner verzichtet komplett auf Twitter, postet stattdessen nur auf Facebook: „Ich habe mich auf ein Medium beschränkt, weil es sonst zu viel wird.“ Auf Facebook hat sie keine öffentliche Seite, sondern nur einen privaten Account. „Für meine Zwecke reicht das.“ Dort zeigt sie hauptsächlich Bilder von ihrer Stimmkreisarbeit, offizielle CSU-Termine, aber auch Privates. Das komme bei den Menschen viel besser an als alles Politische, stellt Trautner fest. Sie achtet stets darauf, dass die Inhalte nicht zu persönlich sind. Um einen nahen politischen Kontakt zu anderen Nutzern zu pflegen, hat sie schon zweimal eine „Facebook-Sprechstunde“ abgehalten. Wie das geht? Jeder kann seine Fragen posten, Trautner beantwortet sie dann. Die Resonanz sei bis jetzt nur positiv, sagt die Abgeordnete. Trotzdem will sie die Idee noch weiter ausarbeiten, so die CSU-Abgeordnete.

Mit den sozialen Netzwerken persönlichen Kontakt zu Menschen pflegen 

Landrat Martin Sailer hält es noch altmodisch: Er benutzt weder Twitter noch Facebook. Er glaubt aber auch nicht, dass eine ernsthafte Vermittlung von politischen Inhalten dort überhaupt möglich ist.

Obwohl jeder die Netzwerke anders nutzt, sind alle sich einig: Ernsthaft Politik betreiben ist auf Twitter nicht möglich. Auch wenn fast jeder im Netz präsent ist, ist es den regionalen Abgeordneten wichtig, vor allem den persönlichen Kontakt zu den Menschen zu pflegen. SPD-Politiker Herbert Woerlein sieht die sozialen Netzwerke als „kleinen Mosaikstein im großen Ganzen.“ Er begründet das so: „Heutzutage kommt man um ihre Nutzung nicht mehr herum, aber sie ersetzen nicht alles.“

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