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Wehringen

16.01.2019

Anfeindungen wegen des gefangenen Riesen-Hechts

Den größten Hecht in der Geschichte  des Fischereivereins Wehringen zog Florian Rauscher mit diesem Exemplar aus der Wertach. Bild: Florian Rauscher
Bild: Rauscher

Ein fast 20 Kilo schwerer Hecht aus Wehringen sorgt für hitzige Diskussionen. Warum der Fisch nicht verzehrt wird und wie es rechtlich aussieht.

Für Florian Rauscher, den Jugendwart des Fischereivereins in Wehringen, war es der Fang seines Lebens. 15 Minuten lang rang er Ende des Jahres mit einem Hecht. Nur mit der Hilfe seines Kollegen Sebastian Holzer konnte er ihn aus der Wertach ziehen. Der Raubfisch war 1,35 Meter lang und brachte 19,6 Kilo auf die Waage – europaweit war das in der Fachzeitschrift Blinker der achte Rang für 2018. Das Alter des weiblichen Hechts wird auf mindestens 20 Jahre geschätzt. Für den Fischereiverein Wehringen war es ein besonderer Fang: Es war der größte Hecht in der Geschichte des Vereins. Das Tier soll jetzt präpariert werden, nicht nur das sorgt in sozialen Netzwerken mitunter für harsche Kritik.

Facebook: „Traurige Welt“, in der der „Mensch alles töten muss“

„Anstatt einen Ehrenplatz zu bekommen, wäre der schöne Fisch wohl lieber im Wasser geblieben und hätte sein Leben gelebt“, schreibt eine Frau bei Facebook. Andere sehen das ähnlich, von einer „traurigen Welt“ ist mitunter die Rede. „Was ein schönes Tier. Schade, dass der Mensch alles töten muss“, beschwert sich ein anderer, das Tier hätte seine „tollen Gene vielfach weitergeben können“. Dem stehen einige positive Stimmen gegenüber, manche zollen dem Fang Respekt.

Ein User betont: „Was meint ihr, unter welchen Bedingungen andere Fische gefangen werden?“ Ein anderer schreibt: „Gefischt wird schon immer und überall, und ob er den Fisch nach einem harten Drill unversehrt zurücksetzen kann, ist auch fraglich.“ Es gab aber auch persönliche Anfeindungen, was Michael Mak, Vorsitzender des Fischereivereins Wehringen, ärgert: „Viele Menschen können keine objektive Kritik mehr üben. Herr Rauscher hat bei dem Fang alles richtig gemacht und steht jetzt zu Unrecht persönlich in der Kritik“, sagt er im Gespräch mit unserer Zeitung.

Catch and Release ist in Bayern verboten

Denn rechtlich betrachtet, ist die Lage in Bayern eindeutig. „Jeder Fisch, der das Schonmaß überschreitet und außerhalb seiner Schonzeit gefangen wird, muss entnommen werden. Wenn Herr Rauscher den Hecht zurückgesetzt hätte, dann hätte er gegen das Gesetz gehandelt und seine Fischererlaubnis wäre erloschen“, macht Mak deutlich. Diese Regelung für das sogenannte Catch and Release – also das Zurücksetzen des Fisches ins Gewässer – ist in Bayern deutlich strikter als in anderen Ländern.

Oliver Born, der Fachberater für Fischerei im Bezirk Schwaben, erklärt: „Der einzig vernünftige Grund zum Fischen zu gehen, ist die Verwertung. In den Niederlanden zum Beispiel rechnen sie Fische in einen touristischen Gegenwert um.“ Gefangene Tiere wieder ins Wasser zu setzen, sei dort gang und gäbe. Doch bei diesem Vorgehen gebe es Gefahren, erläutert Mak: „Wenn man einen Fisch entnimmt, kann es sein, dass der Haken beispielsweise die Schleimhaut extrem verletzt. Wenn man ihn dann wieder ins Wasser zurücksetzt, dann verendet der Fisch elendig. Das kann auch nicht der Sinn der Sache sein.“

Riesiger Hecht ist eine Gefahr für Wasservögel

Den Fang in Wehringen wertet Fachberater Born positiv: „So ein Hecht gehört dem Gewässer entnommen und gegessen.“ Es sei auch aus Gründen der Hege der anderen Fischbestände „absolut korrekt“, einen derartigen „Giganten“ zu fangen. Der Hecht ist ein Raubfisch und laut dem Experten in dieser Größe nicht nur eine Gefahr für kleinere Fische, sondern auch für Wasservögel. „In manchen Gewässern ist der Fraßdruck so groß, dass die Vögel verschwinden“, sagt der Fachberater.

Hecht soll für Schulungszwecke präpariert werden

Der 1,35 Meter lange Hecht aus Wehringen soll nun von einem Spezialisten präpariert und im Fischereiheim seine neue Heimat bekommen. Die Idee dazu stammte von Rauscher selbst, sagt Mak: „So ein riesiger Hecht ist für Anschauungs- und Schulungszwecke sehr interessant – vor allem für unsere Jugendarbeit.“

Die Begeisterung der Angler für den Fang kann Born durchaus nachvollziehen. Genauso geht es ihm mit der Idee, den Fisch als Erinnerung im Vereinsheim aufzuhängen. Allerdings betont er: „Das Fleisch ist trotzdem verwertbar.“

Normalerweise werde die Originalhaut des Hechts über eine Styropor- oder Gipsfüllung gezogen, die der Form und Größe des Fisches gleicht. So wäre beides möglich: die Verwertung als Nahrung und das Konservieren als Erinnerung. Der Fischereivorsitzende Mak erklärt, dass der Hecht eingefroren wurde und zu einem Spezialisten gebracht werde, der das Tier präparieren wird. Was mit dem Fleisch geschieht, wisse er nicht. „Wenn man begabt ist, könnte man das selbst machen und das Fleisch verwerten. Aber wenn wir die Haut dabei verletzen würden, wäre eine Präparierung nicht mehr möglich“, sagt Mak.

Der Wehringer Fischereivorsitzende freut sich für Jugendwart Rauscher über dessen „Fang des Lebens“, den in Zukunft alle im Fischereiheim selbst in Augenschein nehmen können.

Lesen Sie hier die Meinung unseres Autors zu sozialen Netzwerken: Objektive Kritik sucht man oft vergebens

Lesen Sie hier den Artikel zum Rekordfang des Wehringer Anglers: Rekordfang: Riesiger Hecht misst mehr als einen Meter

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