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Königsbrunn

23.12.2020

Arbeiten und Kinderbetreuung: Wie Eltern mit dem Lockdown umgehen

Eine Mutter betreut ihre Kinder, deren Kita infolge der Corona-Pandemie geschlossen ist.
Bild: Karl-Josef Hildenbrand/dpa (Symbolbild)

Plus Zum zweiten Mal befinden sich Schulen und Kitas weitgehend im Lockdown. Zwei Familien erzählen, wie sie damit umgehen und was sie sich für 2021 wünschen.

Die Erinnerung an den ersten Corona-Lockdown im Frühjahr schmerzt viele Familien immer noch: geschlossene Schulen und Kitas, geschlossene Spielplätze, massiv eingeschränkte Kontakte für die Kinder. Die Versprechen der Politiker, Schulen und Betreuungseinrichtungen so lange wie möglich offen zu halten, kamen gerade richtig. Doch seit dem vergangenen Mittwoch sollen die Kinder so weit möglich zuhause betreut werden. Doch wie funktioniert das, wenn beide Elternteile arbeiten müssen? Zwei Familien berichten von ihren Erfahrungen und ihrem mal optimistischen, mal skeptischen Blick auf den Januar. Weil beide tiefe Einblicke in ihr Familienleben gewähren, möchten sie ihre Namen nicht in der Zeitung lesen. Wir haben sie daher geändert.

Familie aus Königsbrunn im Lockdown: Keine Notbetreuung für ihr Kind

Die Zeit zwischen der Schließung der Kitas und Weihnachten ist vergleichsweise kurz. Ein Zuckerschlecken ist sie für Tina Mayer und ihre Familie trotzdem nicht. Die Königsbrunnerin arbeitet von 8 bis 12 Uhr im Büro, ihr Mann ist im Homeoffice, arbeitet aber Vollzeit: "Daher wäre eine Notbetreuung von 9 bis 12 Uhr optimal für uns gewesen, damit jeder von uns sein Soll erfüllen kann." Doch der Träger der Kita, die ihr zweijähriger Sohn besucht, hat den Eltern mit einem Aushang mitgeteilt, dass die Kita geschlossen ist. Eine Notbetreuung gebe es nicht.

Eigentlich hat die Politik versprochen, dass alle Eltern, die während ihrer Arbeitszeit keine andere Möglichkeit haben, ihre Kinder zu betreuen, eine Betreuung angeboten bekommen sollen. In einer Bekanntmachung vom 16. Dezember hat das bayerische Sozialministerium zahlreiche Maßgaben veröffentlicht, die durch zahlreiche "Sollen"-Formulierungen auch Interpretationsspielraum bieten. Wie genau die Maßgaben umgesetzt werden, blieb den einzelnen Trägern überlassen - auch die Möglichkeit, mit Blick auf den Schutz der Gesundheit der Mitarbeiter komplett zu schließen. Konkretisierungen oder verbindliche Anweisungen kamen seitdem nicht mehr aus München.

Familien müssen Kinderbetreuung nun teilweise selbst organisieren

Viele Einrichtungen hatten der Politik aber schon einiges voraus und fragten frühzeitig den Bedarf einer Notbetreuung für einen möglichen Lockdown ab. Man sei deutlich besser aufgestellt als im Frühjahr und halte regelmäßig Meetings mit den Leitungen vor Ort, sagt Robert Bleß, Personal-Vorstand bei Kita-Zentrum St. Simpert, das als Dachorganisation katholische Kindertagesstätten im ganzen Bistum Augsburg betreut. Natürlich stelle die Organisation der Notbetreuung eine Herausforderung dar, aber bislang sei diese gut bewältigt worden, sagt Bleß. Auch die Eltern hätten sehr gut reagiert und die Kinder tatsächlich nur in die Kita gebracht, wenn es nicht anders ging. Gleiches berichtet das kirchliche Unternehmen Ekita.net, das in Stadt und Landkreis Augsburg die Trägerschaft für 17 Kindertageseinrichtungen der evangelischen Kirche übernimmt.

Die Eltern, deren Kitas keine Notbetreuung anbieten, müssen nun selbst sehen, wie sie sich organisieren. Tina Mayers Arbeitgeber hat wenig Verständnis für Probleme bei der Kinderbetreuung. Ihre Schwiegereltern wohnen zwar nebenan, können krankheitsbedingt aber auch nur punktuell helfen. "Von daher haben wir nur die Möglichkeit, dass mein Mann neben dem Kind herarbeitet", sagt die Mutter. In seinem Unternehmen gebe es flexiblere Arbeitszeiten, was die Betreuung an den Vormittagen zumindest etwas erleichtere: "Aber das ist nun mal auch keine Dauerlösung, dass nur ein Partner sich 'aufopfert'."

Schulen und Kitas waren in den letzten Tagen vor Weihnachten geschlossen. In manchen Kindertagesstätten gab es offenbar nicht einmal eine Notbetreuung.
Bild: Britta Pedersen, dpa

Davon können Vanessa Meissner und ihr Mann ein Liedchen singen. Während des ersten Lockdowns musste ihr Mann über fünf Wochen im Homeoffice seinen Job als Entwicklungsingenieur und die Betreuung der dreijährigen Tochter und des siebenjährigen Sohnes unter einen Hut bringen. "Die Situation war unhaltbar. Telefonkonferenz und zeitgleich die Kinder beaufsichtigen ist schlicht nicht möglich", sagt die Mutter. Erst als die Familie in den Genuss einer Notbetreuung kam, entspannte sich die Lage wieder.

Königsbrunn: Eltern wünschen sich für 2021 mehr Transparenz vom Kita-Träger

Derzeit betreuen die Eltern ihre Kinder zuhause. Die Zeit bis Weihnachten überbrücken sie mit Resturlaub und Überstundenabbau. Da der Sohn seit Herbst die Schule besucht, konnte die Familie erste Erfahrung mit dem Distanzunterricht machen. Ab dem Schulbeginn am 11. Januar müsse man aber die Notbetreuung in der Kita in Anspruch nehmen, sagt die Mutter: "Denn Kinderbetreuung, Homeoffice UND Homeschooling mit einem Erstklässler, der am Anfang 1:1-Betreuung braucht, ist nicht möglich." Sie sei aber guter Dinge, dass es mit der Kita klappt. Die Einrichtung informiere zuverlässig per E-Mail und habe bislang jedes Mal die Notbetreuung schnell und unkompliziert organisiert.

Tina Mayer ist da weniger zuversichtlich und wünscht sich vor allem mehr Transparenz von ihrem Kita-Träger, aktuelle Informationen per Homepage oder Mail: "Ich bin sicher, dass der Träger und alle Beteiligten es nicht leicht haben, dennoch brauchen wir als Eltern auch Infos, um planen zu können." Stand jetzt weiß sie nicht, ob ihr Sohn nach Ende der regulären Schließtage am 7. Januar in die Notbetreuung gehen kann.

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