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Bobingen
05.05.2021

Das Wunder von Bobingen: Als vor 70 Jahren ein Kampfflugzeug abstürzte

Düsenjäger vom Typ F-84 setzte die US Air-Force auch im Koreakrieg ein.
Foto: Rf Lof Htf

Vor 70 Jahren entgeht Bobingen knapp einer Katastrophe. Ein amerikanisches F-84-Kampfflugzeug stürzt in der Stadt ab.

Wie durch ein Wunder wurde niemand getötet oder ernsthaft verletzt, als 1951 eine amerikanische F-84E im Tiefflug über Bobingen explodierte. Das Flugzeug war am Morgen mit zwei anderen Maschinen in Fürstenfeldbruck gestartet. Der Flug führte die Dreier-Formation über Augsburg in den Süden. Gegen 9.30 Uhr befanden sich die einsitzigen Kampfflugzeuge der US-Air Force knapp vor dem Ort, als plötzlich eine Maschine zurückfiel. Über die Wertachauen schoss sie in Richtung Ortsmitte und explodierte mit einem Knall in 30 Metern Höhe. So wurde es damals im Bobinger Boten beschrieben.

Flugzeugabsturz in Bobingen: Trümmerteile fliegen wie Geschosse

Das Flugzeuge schlug im Garten eines Anwesens in der Römerstraße auf. Sofort stieg eine Rauchsäule auf. Brennende Wrackteile flogen wie Geschosse durch die Gegend. Sofort lag der Geruch von Kerosin in der Luft. Kinder, die gerade an der Singold spielten, kamen mit dem Schrecken davon. Anders war es mit einer Frau, die gerade von der Hauptstraße in die Römerstraße lief.

Ein kleines Trümmerteil traf sie am Bein. Die Frau zog sich eine Schürfwunde am Schienbein zu. Vor Schreck stürzte sie und verstauchte sich leicht. Weitere Verletzungen gab es damals offenbar nicht – vielleicht lag es daran, dass sich an diesem Vormittag niemand auf den Straßen rund um die Absturzstelle aufgehalten hatte. Nicht auszudenken, was alles hätte passieren können. Ein Maschinengewehr des Flugzeugs schlug durch das Dach eines Anwesens und landete schließlich in einer Wohnung. Laut dem Bobinger Boten wurden auch noch weitere Dächer beschädigt.

Feuerwehr an der Absturzstelle

Schnell rückten die Feuerwehr und die Werksfeuerwehr der damaligen Seidefabrik an. Die Freiwilligen sperrten sofort den Bereich um das brennende Flugzeug ab. Überall lagen Trümmerteile und Munition. Den im Wrack vermuteten Piloten entdeckte die Feuerwehr nicht. Das hatte einen einfachen Grund.

Denn Duncan H. Mackenzie hatte sich rechtzeitig vor dem Absturz mit dem Schleudersitz aus dem Kampfflugzeug katapultiert. Laut dem damaligen Zeitungsbericht gelang es ihm, in rund 300 Metern Höhe auszusteigen. Der Wind trieb ihn dann waagerecht etwas ab und er landete in einem Baum in den Wertachauen. Offenbar hatte er kleine Verletzungen im Gesicht. Der Mann schaffte es vom Baum und lief dann zur Absturzstelle. Dort erkundigte er sich sofort, ob jemand zu Schaden gekommen war. Seine Kollegen in den beiden anderen F-84E kreisten währenddessen über der Absturzstelle.

Wenig später sperrte die damalige Landpolizei die Stelle ab und kümmerte sich um die Munition. Dann übernahm die amerikanische Unfallkommission. Wie sich später herausstellte, hatte das Flugzeug mit Düsenantrieb einen Triebwerksschaden. Näher beschrieben hat das Unglück auch Werner Bischler in seinen "Geschichte(n) aus der Militärgeschichtlichen Sammlung Lechfeld".

Die Hintergründe für den Absturz sind bislang nicht bekannt. Offen bleibt auch die Frage, ob Duncan H. Mackenzie noch versucht hatte, seine Maschine von der Siedlung fernzuhalten.

Beinahekatastrophe von Straßberg

Das Unglück von Bobingen erinnert auch an den Unfall von 1964: Pilot Ludger Hölker hatte nach einem Motorschaden seines Kampfflugzeugs im September 1964 die abstürzende Maschine über Straßberg hinweg in den Wald gelenkt.

Das war passiert: Im vorderen Cockpit saß der 30-jährige Oberleutnant, dahinter der 42-jährige Major Walter Sütterlin. Nach über einer Stunde sank beim Radaranflug zur Landung im Lechfeld die Triebwerksleistung.

Versuche, sie wieder zu erhöhen, scheiterten. Hölker übernahm die Führung der Maschine und beschloss, den Schleudersitz nicht zu betätigen, um das Flugzeug im Sinkflug erst über Bobingen und Straßberg hinweg kontrolliert zu steuern. Der überlebende Sütterlin berichtete später, dass Hölker den Ausstieg bewusst verzögerte: "Noch nicht! Erst müssen wir über die Häuser weg!", erinnerte er sich an die Worte seines Kollegen. Hölker prallte gegen einen Baum und starb kurz danach im Krankenhaus. Er hatte das riskante Flugmanöver geschafft und die Bewohner Straßbergs vor einer Katastrophe bewahrt.

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