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Landkreis Augsburg

27.04.2020

Corona: So funktioniert im Kreis Augsburg Einkaufen mit Masken

Die 67-jährige Barbara Kornes kam gestern mit einem Zettel verschiedener Buchtitel, die sie mit Marian Pester von der Ulrichs-Buchhandlung in Königsbrunn besprach, bevor sie sich zum Kauf entschied.
Bild: Andrea Collisi

Plus Tag eins in der „neuen Normalität“ im südlichen Kreis Augsburg: Händler und Verkäufer freuen sich, dass wieder Kunden kommen. Wo es noch hakt.

Nach fast sechs Wochen des „Shutdowns“ durften gestern im Zuge der Lockerungen kleine Einzelhandelsgeschäfte bis 800 Quadratmeter Verkaufsfläche wieder öffnen. Der große Ansturm blieb in den meisten Läden aus. Schlangen bildeten sich am Morgen allerdings vor den Fachgeschäften, die eine gerade begehrte Ware anbieten: Dutzende Frauen stellten sich an, um an Stoffe oder Gummibänder zu kommen. Klar: Aus ihnen lassen sich Schutzmasken nähen. Die sind seit gestern Pflicht in der Geschäftswelt. Wer einkaufen geht, muss sie tragen. Das sind Eindrücke aus der Geschäftswelt:

„Weiß nicht, wie lange wir noch durchhalten“

Kühnels (ehemals Crosslauf): Bei Klaus Kühnel vom gleichnamigen Laden in der Schwabmünchner Holzheystraße war die Kunden-Frequenz nur spärlich. Das Interesse an Lotto sei zurückgegangen und weil die Zulassungsstelle noch immer geschlossen hat, sei auch seine Anfertigung von Fahrzeug-Kennzeichen nicht nachgefragt. Kühnel hat wie andere Kollegen noch ein spezielles Schwabmünchner Problem: die Straßenbaustelle.

Der direkte Kontakt zu Dekorationspuppen ist erlaubt: Gestern öffnete der Schöffel-Lowa-Store in Schwabmünchen wieder.
Bild: Reinhold Radloff

„Die Kunden wissen gar nicht, wie sie zu uns kommen sollen“, sagt er. Eines freut ihn aber sehr: Dass das Geschäft überhaupt wieder offen sein darf. „Der Kundenkontakt hat uns doch ziemlich gefehlt, und den Kunden auch. Wir hoffen, dass schnell wieder normale Zeiten kommen. Sonst weiß ich nicht, wie lange wir noch durchhalten.“

Der Bringdienst bleibt auch nach Corona

Ulrichs-Buchhandlung: „Bitte 1,50 Meter Abstand einhalten“, ist auf dem Fußboden zu lesen, auf einem kleinen Tisch neben der Tür steht ein Desinfektionsmittel und an der Kasse gibt es den Spuckschutz. Ansonsten hat sich kaum etwas verändert. Kunden, die gestern recht zahlreich nacheinander in die Königsbrunner Buchhandlung kamen, holten bestellte Waren ab, andere genossen es, wieder stöbern zu können. So wie Stammkunde Roland Ott. Er freute sich, schnell wieder mit dem Rad vorbeischauen zu können. Zwölf Bücher hatte die 26-jährige Carina Cabarth zuletzt bestellt und gelesen, weswegen sie sich am ersten Tag nach dem Shutdown neuen Lesestoff besorgte. „Ja ich bin eine Leseratte“, sagte sie und lachte.

„Ohne lesen, geht gar nix“, bestätigte die 67-jährige Barbara Kornes, die sich auch über den freundlichen persönlichen Austausch in der Buchhandlung freute. Gestern kam sie mit einem Zettel verschiedener Buchtitel und sprach diese mit Mitarbeiterin Mariana Pester durch. Sie war zuletzt oft allein im Geschäft, erledigte den E-Mail-Verkehr, sortierte im Laden die Angebote, nahm Ware entgegen und packte die diversen Buchpakete zusammen. Mit dem Rad lieferte Pester dann jeden Tag die Bestellungen aus. „Ich wohne seit 15 Jahren in Königsbrunn, jetzt kenne ich wirklich auch Straßen und Gegenden, von denen ich zuvor nichts wusste“, erklärte sie. Der Bringdienst soll aufrecht erhalten werden – ein- bis zweimal in der Woche zusätzlich zu den Ladenöffnungszeiten sei geplant, Bücher ausfahren. So hat die Corona-Krise für Kunden positive Folgen.

Nicht nur Corona verschärft die Situation, auch die Großbaustelle

Lowa-Store: Endlich geht es wieder los: Groß ist die Freude bei Jörg Michel, dem Geschäftsleiter Organisation im Lowa Store in Schwabmünchen. Er bedauert allerdings, dass nebenan das Modehaus Schöffel geschlossen bleiben muss, da es über 800 Quadratmeter Verkaufsfläche hat. „Es war zwingend notwendig, dass wir jetzt wieder verkaufen dürfen. Noch vier Wochen ohne Einnahmen, und die Situation wäre dramatisch geworden. Natürlich ärgert uns auch die Großbaustelle vor der Haustüre“, sagte Michel. 30 Mitarbeiter hat der Store normalerweise, derzeit läuft der Betrieb mit einer kleinen Besetzung.

Bild: Reinhold Radloff

Um den Kontakt mit Kunden so gering wie möglich zu halten, gibt es spezielle Vorkehrungen: „Nur wenn es gar nicht anders geht, helfen wir beim Anziehen von Kleidung und Schuhen“, so Michel, der den Service trotzdem so hoch wie möglich halten will. „Wer viel probieren will, kann auch Kleidung mit nach Hause nehmen“, sagte er und betonte: „Die Kunden stehen zu uns und wir zu den Kunden. Das ist wichtig. So werden wir diese Krise meistern.“

Die Lesungen fehlen besonders

Buchhandlung Schmid: Hans Grünthaler, der Chef der Bundhandlung in Schwabmünchen, freut sich: „Endlich wieder mit Leuten Auge in Auge reden, beraten, mit dem Kunden das Interesse an Büchern teilen können, das ist uns sehr wichtig.“ Zwar erfuhr er viel Zuspruch von Kunden für seinen Lieferdienst, „doch das ist einfach nicht das, was wir wollen und nur eine Pandemie-Notlösung.“ Der Verkauf im Laden sei nicht einfach: „Abstand halten beim Bücher anbieten, beraten und übergeben – das erschwert schon den Service am Kunden. Aber es geht“, sagt Grünthaler. Am schlimmsten für ihn ist, dass er nicht weiß, wie lange er noch finanziell durchhalten kann, wenn sich die Einnahmesituation nicht bald bessert. „Und mir fehlen natürlich die schönen Abende mit unseren Lesungen, Kabarettisten und Musikern.“ (rr-, mcz, anco)

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