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Bobingen

09.12.2019

Der Woodstock-Guru veränderte ihr Leben

Yoga hat seit vielen Jahren einen großen Stellenwert im Leben von Heike Farkas. Sie ist stolz auf ihr Integral Yoga Zentrum in Bobingen.
Bild: Elmar Knöchel

Heike Farkas zog als junge Frau in die Welt hinaus und hat in Bobingen ihr Ziel gefunden. Nach einer Begegnung auf einem Kreuzfahrtschiff fasste sie einen Entschluss.

In ihrer Heimatstadt Stadtbergen wurde ihr irgendwann einfach alles zu eng. Reiselust, Neugierde, sowie die Suche nach dem eigentlichen Sinn des Lebens haben sie in die Ferne getrieben. Heike Farkas ist zurückgekehrt – über einen Umweg nach Bobingen. Wie es dazu kam, ist eine lange Geschichte.

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Im Alter von 24 Jahren kehrte sie ihrer Heimat den Rücken, um in den USA ihre Suche nach sich selbst zu beginnen. Anlaufstelle war der Bruder eines ehemaligen US-Soldaten, der bei ihren Eltern in Augsburg zur Untermiete gewohnt hatte. So kam sie nach Los Angeles.

Ehemalige Nanny hält den Kontakt auch noch nach 34 Jahren

Schon nach drei Wochen hatte sie ihren ersten Job bei einer Filmproduzenten-Familie, wo sie als Nanny zwei Kinder und zwei Hunde umsorgte. „Ich habe mich damals als ‚privilegierte Weiße’ bewusst für diese farbige Familie entschieden und war durchaus auf ihre Lebensweise gespannt. Sehr bald war ich ein wertgeschätzter Teil der Familie, in der ein freundschaftlicher Umgang gepflegt wurde.“ Zu einer der Töchter habe sie heute noch Kontakt, wie sie sagt. Und das nach 34 Jahren.

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Während dieser Zeit besuchte sie auch einmal eine Yoga-Stunde. „Auf körperlicher Ebene war ich beeindruckt, aber berührt hat sie mich nicht“, erklärt sie. Das ist eine unerwartete Aussage. Ist sie doch seit 20 Jahren in Bobingen als Leiterin des Integral-Yoga Zentrums bekannt.

Ihre Lebenserfahrung hat sie sich bei verschiedenen Berufen und Tätigkeiten geholt. Zunächst absolvierte sie eine Ausbildung als Erzieherin. Das kam ihr als Nanny und im späteren Kinderyoga zugute. In der Folgezeit arbeitete sie auch als Klavierlehrerin an einer Privatschule und als Servicekraft im „Splash“, einem Szenerestaurant in Malibu.

Heike Farkas war als Masseurin auf einem Kreuzfahrtschiff sechs Jahre lang unterwegs

Im Anschluss machte sie eine Ausbildung an der Santa Monica Massage School. Dort werde Massage nicht nur im therapeutischen Sinne unterrichtet, sondern auch der Ansatz des ganzheitlichen Wohlbefindens von Körper und Geist. Dies sei ein weiterer Schritt in Richtung ihrer späteren Berufung gewesen, erzählt sie. Doch ihr Wunsch nach Veränderung holte sie bald ein. So heuerte sie als Masseurin auf einem Kreuzfahrtschiff an. Mit ihm tourte sie zwischen Cape Canaveral und Nassau/Bahamas hin und her, wo sie Meditations- und Yogastunden im Yoga-Zentrum besuchte. „Diese Erfahrung hat mich damals zutiefst beeindruckt und von da an wusste ich: Das ist mein Weg.“

Damals habe sie zum ersten Mal wirklich gespürt, wonach sie suchte. Eine ganzheitliche Übungsform, die die Menschen in sich und untereinander vereint, zu lernen, zu leben und zu lehren. Insgesamt fuhr sie sechs Jahre zur See. 1990 begegnete sie auf einer Kreuzfahrt nach Alaska ihrem späteren „geistigen Vater“, wie sie es nennt. Es war der „Woodstock-Guru“ Sri Swami Satchidananda. Er hatte damals die Eröffnungsrede auf dem legendären Festival gehalten. Auf die Frage, was ein Swami (Mönch) auf einem Kreuzfahrtschiff mache, habe seine Begleitung schmunzelnd geantwortet: „Urlaub.“ Dieser Mann veränderte das Leben von Heike Farkas.

Über 1000 Unterrichtsstunden für Integral Yoga

Sie war so berührt von dessen Ausstrahlung, dass sie seine Einladung ins Ausbildungszentrum Yogaville annahm und seine Schülerin wurde. In weit über 1000 Unterrichtsstunden wurde sie zur Lehrerin für sogenanntes Integral Yoga ausgebildet. Dessen Ziel sei körperliches Wohlbefinden, ein friedvoller Geist und ein nützliches Leben. Körper, Geist und Herz sollen gleichermaßen geschult werden. Dieses Grundverständnis von Yoga habe sie sich zu eigen gemacht, sagt Heike Farkas. „Es gibt nur eine Wahrheit, aber viele Wege!“ Alle Menschen trügen den gleichen Wesenskern in sich. Alle hätten denselben Ursprung und das gleiche Ziel und – sie wollten alle glücklich sein, egal aus welcher kulturellen Umgebung und aus welcher Glaubensrichtung sie kämen. „Aber wir sind gefangen in unserer scheinbaren Individualität“. Da hört man schon deutlich die Yoga-Lehrerin heraus.

Schließlich kehrte sie nach Deutschland zurück. „In der Ferne habe ich meine Heimat ganz anders schätzen und lieben gelernt. Ich lebe gerne in Deutschland und genieße Europa mit seiner zentralen Lage und kulturellen Vielfalt“. Während sie nach ihrer Rückkehr bei ihrer Mutter lebte, jobbte sie als Masseurin in der Königstherme. Damit finanzierte sie sich die Ausbildung zur Heilpraktikerin in München. Anschließend baute sie die Yoga- Abteilung im Revital in Königsbrunn auf. Doch dort wurde es ihr nach gut vier Jahren wieder zu eng. Ein Gruppenraum in der Singoldhalle schien da wie für sie gemacht. Nach 19 Jahren musste sie dort weichen, da die Stadt die Räumlichkeiten für zwei Kindergartengruppen benötigte. So landete sie schließlich in ihrem heutigen Domizil an der Hochstraße in Bobingen.

„Am Anfang war ich skeptisch. Ein Yoga-Zentrum direkt an der Hauptstraße entsprach nicht ganz meinen Wünschen. Doch wir fühlen uns hier sehr wohl“. Dort vermittelt sie „Freiheit durch Bewusstsein“. Yoga könne helfen, „uns aus der Illusion unseres begrenzten Lebens zu lösen, damit wir unser wahres, unsterbliches Selbst entdecken. So könnte ein yogisches Leben, wie es mein Meister formulierte, gelingen: Ein Yogi lebt in dieser Welt, aber die Welt lebt nicht in ihm!“

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