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Königsbrunn

26.01.2020

Die Suche nach krebserregenden PFC-Rückständen geht weiter

In drei Gewässern südlich von Königsbrunn wurden krebserregenden Stoffe nachgewiesen. Auch das Wasser im Römersee wurde untersucht.
Foto: Adrian Bauer

Plus Das Königsbrunner Trinkwasser ist nicht mit dem krebserregenden Löschschaum-Stoff belastet. Bis zur Beseitigung der Gefahrenquelle wird es noch dauern.

Die Kontamination mehrerer Weiher in Königsbrunn beschäftigt die Behörden weiterhin. Wie berichtet, hat das Wasserwirtschaftsamt Donauwörth in drei Gewässern südlich von Königsbrunn überhöhte Werte eines krebserregenden Stoffes aus der Gruppe der per- und polyfluorierte Chemikalien (PFC) nachgewiesen. Der Stoff stammt aus Löschschaum, wie er in früheren Jahren auf dem Militärflughafen Lechfeld verwendet wurde. Mittlerweile sind Ergebnisse von Proben aus Fischweihern eingetroffen und die Behörden planen die nächsten Schritte.

PFC im Wasser: Fische können bedenkenlos gegessen werden

Eine gute Nachricht bekam der Königsbrunner Fischereiverein in dieser Woche: Die Regenbogenforellen, die aus einem Weiher des Vereins entnommen worden waren, weisen keine überhöhten Werte auf und können damit bedenkenlos gegessen und verkauft werden. Bis zur Prüfung hatte das Landratsamt dringend empfohlen, die Fische nicht in großer Menge zu essen. Grundsätzlich ist es schwierig festzulegen, ab welcher Dosis gesundheitliche Probleme drohen. Daher wurden Richtwerte von 100 Nanogramm pro Liter gewählt, die auch bei einer langfristigen Aussetzung unproblematisch wären.

Weiher werden regelmäßig überprüft

Alle Weiher werden in Zukunft regelmäßig in Zusammenarbeit mit dem Landesamt Umwelt für Lebensmittelsicherheit untersucht. Geprüft wird zudem auch die Wasserversorgung einiger Höfe im Königsbrunner Süden. Wie Bürgermeister Franz Feigl mitteilte, sind einige Anwesen dort nicht ans örtliche Wassernetz angeschlossen, sondern beziehen ihr Trinkwasser aus eigenen Quellen. Nachdem die städtischen Brunnen allesamt unbedenkliche Werte aufwiesen, werden im nächsten Schritt auch die privaten Wasserquellen kontrolliert.

Bei den standardmäßigen Überprüfungen der Wasserqualität gehören die PFC-Werte bislang nicht dazu. Daher ist es auch durchaus wahrscheinlich, dass die betroffenen Weiher schon länger überhöhte Werte aufweisen, sagt Dr. Andreas Rimböck, der Leiter des Donauwörther Wasserwirtschaftsamts: „Es gibt mehr als 1000 gefährliche Stoffe, man kann daher nicht überall nach allem suchen. Das PFC-Thema gibt es vielleicht bei einer von 100 Messstellen.“ Ein Untersuchungsverfahren, mit dem deutlich mehr Gefahrstoffe erfasst werden können, sei zwar in Arbeit, aber nicht fertig. Als die Bundeswehr 2019 ihre Untersuchungen einreichte, habe man speziell nach der Perfluoroctansulfonsäure (PFOS), der krebserregenden Chemikalie, aus der PFC-Gruppe, gesucht.

PFC ist langlebig und baut sich nicht natürlich ab

Problematisch ist der Stoff nicht nur wegen seiner gesundheitsgefährdenden Eigenschaften, sondern auch wegen seiner Langlebigkeit. Die Chemikalien werden natürlich nicht abgebaut. So kann es auch gut sein, dass PFOS jetzt außerhalb des Flugplatzes entdeckt wird, obwohl der Löschschaum seit 2007 nicht mehr verwendet wird. „Es dauert eine gewisse Zeit, bis der Stoff den Weg bis in die Weiher schafft“, sagt Dr. Andreas Rimböck. Wie lange, das hänge von der Beschaffenheit des Bodens und von der Fließgeschwindigkeit der Grundwasserströme ab. Auf dem Weg nimmt die Konzentration Stück für Stück ab und wird durch Zuflüsse verdünnt. Je größer die Entfernung, desto geringer ist die Belastung.

Am größten ist die Belastung logischerweise auf dem Standort selbst. Das Landratsamt habe zusammen mit dem Wasserwirtschaftsamt eine Auflistung der Flächen vorgenommen von denen eine Gefährdung ausgehen könnte. „Dies sind insbesondere die Feuerlöschübungsbecken und die alte Feuerwache“, teilt ein Sprecher des Bundesamtes für Infrastruktur, Umweltschutz und Dienstleistungen der Bundeswehr mit. Nachdem die orientierenden Untersuchungen abgeschlossen sind, soll es für diese Bereiche nun Detailuntersuchungen geben. Das Landratsamt hat die Bundeswehr gebeten, dies schnellstmöglich in die Wege zu leiten.

Die Detailuntersuchung liefert die exakten Daten für eine abschließende Gefährdungsabschätzung, auf deren Grundlage dann die zuständige Landesbehörde entscheiden kann, ob und in welchem Umfang Sanierungsmaßnahmen nötig sind, teilt der Bundeswehr-Sprecher mit. Die Bundeswehr halte die gesetzlichen Auflagen nicht nur ein, sie übererfülle sie und engagiere sich mit ihrem Altlastenprogramm seit mehr als 25 Jahren für die Beseitigung als umweltschädlich erkannter Stoffe auf den von ihr genutzten Liegenschaften. Die Untersuchungen seien sehr komplex und zeitaufwändig, aber unerlässlich für eine fachgerechte Beurteilung der Kontaminationen und der Gegenmaßnahmen.

Probleme mit den PFC-Rückständen gibt es in ganz Deutschland

Probleme mit den Rückständen gibt es an Militär- und zivilen Flughäfen in ganz Deutschland. Die Sanierung der kontaminierten Bereiche geht allerdings bei den privaten Betreibern deutlich schneller. Am Nürnberger Flughafen wird beispielsweise schon seit 2015 das Grundwasser gereinigt und mittlerweile auch das belastete Erdreich abgebaggert. Bei den Bundeswehr-Flugplätzen gibt es bisher nur in Büchel und Manching konkrete Schritte hin zu einer Sanierung. Ein Vergleich zum zeitlichen Verlauf der Bearbeitung anderer Flächen, sei wegen der Individualität jeder einzelnen Lage nicht zielführend, schreibt der Sprecher des Bundesamtes für Infrastruktur, Umweltschutz und Dienstleistungen der Bundeswehr: „Die Bearbeitung, Erstbewertung und abschließende Gefährdungsabschätzung erfolgt immer einzelfallbezogen.“ Die Hoffnung auf eine schnelle Sanierung dürfte vermutlich erst einmal eine Hoffnung bleiben.

Lesen Sie dazu auch: Behörde entdeckt Giftstoffe in mehreren Weihern

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