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Lechfeld

07.02.2018

Eine neue Buslinie für das Lechfeld?

Der Rufbus auf dem Lechfeld steht vor einer ungewissen Zukunft.
Bild: Anja Ringel

Vor zweieinhalb Jahren nahm der Rufbus seinen Betrieb auf. Die hohen Fahrgastzahlen sind inzwischen stark eingebrochen. Der AVV schlägt Varianten vor, wie es weitergehen könnte.

Der 1. Juni 2015 war ein bedeutsames Datum. Drei Rufbusse verkehrten ab diesem Zeitpunkt zwischen dem Lechfeld und Schwabmünchen. Ein Anruf genügte, und schon wurden Fahrgäste abgeholt. An 145 Rufbushaltestellen – vor allem in Schwabmünchen und auf dem Lechfeld – wurden die Gäste eingesammelt und zu ihrem Ziel gebracht. Das Rufbusmodell startete für den AVV und die Gemeinden zufriedenstellend. Mehr als 700 Fahrten pro Monaten waren es zu Beginn. Doch von diesen Ausgangszahlen ist der Rufbus inzwischen weit entfernt – und das hat Konsequenzen.

Monatliche Kosten von rund 10.000 Euro

Nur noch durchschnittlich 200 Fahrgäste im Monat nutzen seit Juli 2016 das Angebot. Das entspreche etwa zehn Fahrgästen pro Tag bei circa neun Fahrten, erläuterte Franziska Benz, die im Augsburger Verkehrsverbund (AVV) zuständig für die Verkehrsplanung im südlichen Raum ist. Bei der interkommunalen Gemeinderatssitzung in Lagerlechfeld gab sie einen Einblick in die Kosten. Durch eine höhere Bereitstellungsgebühr für die Rufbusse betragen die Ausgaben seit Januar vergangenen Jahres monatlich rund 10000 Euro. Und das, obwohl nur noch zwei, statt wie zu Beginn drei der achtsitzigen Fahrzeuge bereitgestellt werden. Die Kosten für den Betrieb werden zu 60 Prozent vom Landkreis übernommen, 40 Prozent müssen die teilnehmenden Gemeinden tragen. Diese Ausgaben sind nach Einwohnerzahl gestaffelt, sodass Schwabmünchen den Löwenanteil trägt. Graben hingegen muss etwa 6500 Euro, also rund 13 Prozent der gemeindlichen Kosten tragen. Wegen der sinkenden Fahrgastzahlen bei zugleich höheren Kosten überlegen die Gemeinden Untermeitingen, Graben, Klosterlechfeld und Obermeitingen, ob sie den noch dieses Jahr laufenden Vertrag auslaufen oder anpassen sollen. Expertin Franziska Benz stellte dazu drei Varianten vor:

Linienverkehr statt Rufbus Benz bezeichnete die bestehende Buslinie 712, die von Schwabmünchen über das Lechfeld bis nach Bobingen fährt, als „zu schwach für solch eine Wachstumsregion“. Auf der etwa 25 Kilometer langen Strecke befinden sich 18 Haltestellen, wofür der Bus etwa 35 Minuten benötigt. Die Linie sei derzeit stark auf die Hauptverkehrszeiten im Schülerverkehr ausgerichtet, es gibt etwa zehn Fahrten täglich. Benz stellte bei der Sitzung den Gemeinderäten aus Untermeitingen, Graben, Klosterlechfeld und Obermeitingen eine Variante vor, wonach insgesamt acht zusätzliche Fahrten installiert werden könnten – losgelöst von den Schulzeiten. Dies würde Kosten von etwa 118000 Euro im Jahr verursachen – genau dem Betrag, der für den Rufbus derzeit aufgebracht wird.

Anpassung des Rufbusmodells Die zweite von Benz vorgestellte Variante hätte eine Ausdünnung der Rufbushaltestellen zur Folge. Ziel sei es, die Kosten zu senken. Das sei ihrer Meinung nach nur möglich, indem das Einzugsgebiet verkleinert werde und es zugleich weniger Rufbushaltestellen gibt. Die meisten Fahrgäste würden davon kaum etwas bemerken, da nur rund 40 der 135 bestehenden Haltestellen öfter als zweimal im Monat angefahren werden. Das Einsparpotenzial pro Haltestelle konnte sie auf Nachfrage nicht beziffern, das hänge vom Betreiber ab.

Kombination vonBuslinienverkehr und Rufbus Eine dritte Alternative sieht eine Mischung aus den ersten beiden Varianten vor. Laut Benz könnte ein Fahrplan mit weniger Haltestellen als bisher vorgegeben werden. Entlang dieser Strecke könnten zusätzliche Haltestellen bereitstehen, die bei Bedarf, angefahren werden. „Das ist aber keine Haustürbedienung“, sagte Benz. Dieser Linienverkehr könnte täglich mit vier Fahrten je Richtung realisiert werden, allerdings mit einem Kleinbus.

Reaktionen Untermeitingens Gemeinderat Karl Strass (CSU) empfand die dritte Variante als am sympathischsten: „Die Menschen wollen eine feste Taktung.“ Diese Meinung nach festen Fahrtzeiten vertraten viele Gemeinderäte. Auch Klosterlechfelds Bürgermeister Rudolf Schneider, der vom ersten Tag an vom Rufbusprojekt begeistert war, sieht inzwischen die Vorteile einer festen Taktung. Trotzdem hänge er noch mit „halbem Herzen“ an dem Rufbus, in dessen Fokus vor allem ältere Menschen stehen. Sein Untermeitinger Amtskollege Simon Schropp fragte nach der Möglichkeit, die Linie 712 aufzutrennen, da kaum jemand nach Kleinaitingen, Oberottmarshausen oder Bobingen fahre. Ähnlich sah dies Gemeinderat Maximilian Osterried (CSU): „Wir Lechfelder müssen nicht umständlich nach Bobingen fahren. Wir suchen nur die Infrastruktur in Schwabmünchen auf.“

Bernd Früchtl (SPD) regte an, die Buslinie mit den Zugfahrplänen abzustimmen. Nur so könne eine Alternative zum Auto geschaffen werden. „Ein Bus ohne Zuganbindung ist für mich Käse“, sagte der Untermeitinger Gemeinderat. Grabens Bürgermeister Andreas Scharf sprach von zwei völlig verschiedenen Themenbereichen: einerseits von Pendlern und andererseits von Personen, die in ihrer Bewegung eingeschränkt sind. Seiner Meinung nach gehe es nicht nur um die finanziellen Kosten, sondern darum, die Menschen mit dem Bus vom Lechfeld nach Schwabmünchen und wieder zurückzubringen.

Franziska Benz vom AVV sagte zu, die Vorschläge genauer zu prüfen. Zudem werde das Thema Rufbus laut Bürgermeister Schneider in den Gemeinderäten noch einmal diskutiert.

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