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Prozess in Augsburg

17.06.2019

Familienvater muss wegen Drogen zurück ins Gefängnis

Ein 20-Jähriger aus dem Landkreis Augsburg handelt mit großen Mengen Betäubungsmitteln – damit finanziert er seine eigene Sucht. Jetzt wurde er verurteilt.
Bild: Matthias Becker (Symbolbild)

Ein 20-Jähriger aus dem Landkreis Augsburg handelt mit großen Mengen Betäubungsmitteln – damit finanziert er seine eigene Sucht. Jetzt wurde er verurteilt.

Kein Seufzer, kein Kopfschütteln, nichts. Mit fast stoischer Ruhe nimmt der Angeklagte das Urteil hin. Drei Jahre muss der 20-Jährige aus dem südlichen Landkreis Augsburg ins Gefängnis. Also genau dorthin, wo er bis zur Verhandlung am Augsburger Schöffengericht unter Vorsitz von Bernhard Kugler die letzten sechs Monate verbracht hat. Der Grund: Seine eigene Drogensucht, und der Versuch, diese auf illegale Art und Weise zu finanzieren.

Gekifft habe er täglich, und zwar viel. Das gibt der Angeklagte unumwunden zu. Ecstasy-Tabletten habe er dagegen nur sporadisch genommen. Da er arbeitslos war, sei ihm schnell das Geld für die Drogen ausgegangen. Die einzige Möglichkeit, die er sah, lag seiner Meinung nach im Kauf und Verkauf von Betäubungsmitteln. Mehr als 600 Ecstasy-Tabletten kaufte er für rund vier Euro ein – und verkaufte diese für etwa den doppelten Betrag. Auch mit Marihuana habe er gehandelt, zeigt sich der 20-Jährige vor Gericht geständig. Ebenso gab er zu, während seiner Zeit in der Justizvollzugsanstalt Laufen-Lebenau an der Grenze zu Österreich zwei Gramm Marihuana besessen zu haben.

Angeklagter Familienvater saß bereits 18 Monate im Gefängnis

Obwohl er eine insgesamt 18-monatige Freiheitsstrafe komplett absaß, kam er nicht vom Handel mit den Drogen weg. Ob er nicht an seine Familie, die Lebensgefährtin und das gemeinsame kleine Kind gedacht habe, wollte Richter Kugler wissen. „Ich habe sie enttäuscht und lasse sie im Stich. Das darf nicht mehr passieren“, zeigte sich der 20-Jährige vor Gericht einsichtig.

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Dass der junge Familienvater sein Leben von Grund auf ändern möchte, diesen Eindruck hat auch der Jugendgerichtshelfer, wie dieser vor Gericht ausführt. Dafür sprechen, dass der Angeklagte in der Untersuchungshaft, die bereits sechs Monate beträgt, mehrere Termine bei der Drogenberatung hatte. Der Jugendgerichtshelfer führte aus, dass der Angeklagte in „extrem ungünstigen familiären Verhältnissen“ aufgewachsen sei und mehr als zehn verschiedene Schulen besucht habe. Trotzdem erreichte er einen guten QA.

Handy genommen, weil Käufer die Drogen nicht bezahlt

Der dem 20-Jährigen nun zur Last gelegte schwunghafte Handel mit Betäubungsmitteln kam durch den Angeklagten selbst ans Tageslicht. Wie sein Verteidiger Marco Müller erklärt, habe sein Mandant einem der Käufer das Handy abgenommen, als dieser nicht für die Drogen zahlte. Bei der Polizei habe er dann eine „detaillierte Aufklärungsarbeit“ gemacht und seine Verkäufer und Abnehmer genannt. Aus diesem Grund plädierte Müller für eine Haftstrafe von „nur“ zwei Jahren und drei Monaten.

Staatsanwältin Saskia Eberle hielt dagegen eine Freiheitsstrafe von drei Jahren und drei Monaten angemessen. Schließlich habe der Mann, der mehrfach vorbestraft ist, fast durchgängig mit großen Mengen Drogen gehandelt. Eine bereits abgesessene Haftstrafe von 18 Monaten habe an seinem Verhalten ebenfalls nichts geändert.

20-Jähriger muss für drei Jahre ins Gefängnis

Das Schöffengericht verurteilte den Mann zu einer dreijährigen Freiheitsstrafe. Das höre sich laut Kugler zwar lang an, allerdings sei bereits ein halbes Jahr durch die Untersuchungshaft abgesessen. Wenn eine Reststrafe von zwei Jahren vorliegt, kann sich der 20-Jährige aufgrund des Paragrafen 35 in eine Therapie begeben, die laut Kugler mindestens ein Jahr dauere. „Diese Therapie ist aber kein Zuckerschlecken“, sagte der Richter bei der Urteilsbegründung.

Der Rest der Strafe könne bei erfolgreicher Therapie anschließend zur Bewährung ausgesetzt werden. Der 20-Jährige muss wegen des Handels mit Betäubungsmitteln zudem einen Wertersatz von etwa 2600 Euro leisten. Das Urteil ist rechtskräftig.

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