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Schwabmünchen

18.11.2020

Hochwasserschutz bei Igling: Jetzt liegt ein konkreter Zeitplan vor

Hochwasser richten in Schwabmünchen immer wieder große Schäden an, wie hier im Jahr 2006 an der Südostspange, die beim Starkregen unterspült worden war.
Bild: Reinhold Radloff (Archivbild)

Plus Das Regenrückhaltebecken im Iglinger Ortsteil Holzhausen soll bis Mai 2023 fertiggestellt sein. Warum sich die Kosten für das Dammbauwerk verdoppelt haben.

Das Hochwasserrückhaltebecken Holzhausen ist ein Thema für sich: Als Journalist möchte man zu diesem Thema eigentlich gar keine Überschrift mehr formulieren. Zu irrwitzig erscheint der Zeitraum, in dem seit der Machbarkeitsstudie im Jahr 2002 (nach dem Pfingsthochwasser 1999) in der öffentlichen Wahrnehmung herzlich wenig passiert ist. Die Schlagzeilen lauteten unter anderem „Singold bei Holzhausen bremsen“ (2002), „Gemeinsame Sache gegen Singoldfluten“ (2005) „Hochwasserschutz weiter im Fluss“ (2007), „Hochwasserschutz: Keine schnelle Lösung in Sicht (2011) „Hochwasserschutz geht in die nächste Runde“ (2015),„Gut Ding will Weile haben“ (2015), „Neue Hoffnung für den Hochwasserschutz“ (2018). Nun scheint die schier unendliche Geschichte sich langsam einem Ende zu nähern.

Hochwasserschutz: Videokonferenz mit dem Wasserwirtschaftsamt

Oder vorsichtiger ausgedrückt: Es scheint wieder Bewegung in die Sache zu kommen. Mit dem tatsächlichen Bau soll nun im Juni 2021 begonnen werden. Die Fertigstellung ist für Mai 2023 vorgesehen.

Diesen konkreten Zeitplan stellte das Wasserwirtschaftsamt Donauwörth in einer Videokonferenz den Stadträten aus Schwabmünchen vor. Die Ergebnisse der Informationsveranstaltung stellte Zweiter Bürgermeister Josef Alletsee in der aktuellen Sitzung des Stadtrates am Dienstagabend vor. Er vertrat den erkrankten Bürgermeister Lorenz Müller.

Becken soll die Hochwassergefahr an der Singold entschärfen

Kurz zu den Fakten: Das Hochwasserrückhaltebecken Holzhausen soll ein Stauvolumen von etwa 800.000 Kubikmetern haben – das entspricht etwa der Größe von 320 olympischen Schwimmbecken. Dazu entstehen 850 Meter Damm. Das Vorhaben im Iglinger Ortsteil im Kreis Landsberg soll die Hochwassergefahr an der Singold vor allem in Schwabmünchen entschärfen und zudem weitere Anliegergemeinden schützen. Das sind neben Schwabmünchen, Bobingen, Großaitingen, Wehringen, Langerringen und Lamerdingen. Von den Kosten trägt der Freistaat die Hälfte. Den Rest bringen die Anliegergemeinden auf. Ihr Anteil richtet sich nach dem Umfang des Nutzens. Der ist im Oberlauf naturgemäß größer als weiter flussabwärts. In dem Kostenanteil wird der Umfang der bebauten Bereiche in dem künftig geschützten Gebiet und die Zahl der dort lebenden Menschen berücksichtigt. Schwabmünchen muss damit die wesentlichen Kosten des Anteils der Anrainergemeinden aufbringen.

Der Standort für das Hochwasserrückhaltebecken liegt an der Bahnlinie zwischen Igling und Holzhausen an der Singold.
Bild: Thorsten Jordan (Archivbild)

Seit dem Pfingsthochwasser vor knapp 20 Jahren wird um eine Lösung gerungen. Erste Planungen begannen bereits im Jahr 2002. Doch immer wieder stockte das Vorhaben durch juristische Komplikationen. Die Singoldanrainer im südlichen Landkreis Augsburg setzen sich stark für den Bau des Beckens ein. Grundeigentümer im Raum Igling wehrten sich dagegen.

Zum aktuellen Stand: Die zähen Grundstücksverhandlungen sind zu 90 Prozent abgeschlossen. Die alte Entwurfsplanung wurde überarbeitet, die neuen Kostenberechnungen ebenso wie der Zeitplan für den Bau stehen. Das sind die wenigen guten Nachrichten aus Sicht der Stadt Schwabmünchen.

Hochwasserschutz: Aus 3,7 Millionen Euro könnten 8,4 Millionen werden

Zu den schlechten Nachrichten zählt unter anderem eine massive Kostensteigerung. Im Jahr 2002 waren für das gesamte Vorhaben in der Studie 2,6 Millionen Euro veranschlagt, daraus wurden rasch knapp 3,7 Millionen und mittlerweile 7,6 Millionen Euro. Und es könnte noch schlimmer kommen. Zusätzliche 750.000 Euro – also insgesamt 8,4 Millionen Euro – würden fällig, wenn das Drosselbauwerk wegen des nachgiebigen Untergrundes nicht auf Brunnenringen stehen kann, sondern Rüttelbetonsäulen verwendet werden müssen. Ausschlaggebend ist die Haltung der Deutschen Bahn. Aufgrund der Nähe zum Bahndamm könnte die Brunnenring-Variante nach der Berechnung eines Gutachters zu einer Gleisverschiebung im Millimeterbereich führen. Lehnt die Bahn diese Variante deshalb ab, müssen die teuren Rüttelbetonsäulen verwendet werden.

Schwabmünchen: Zweiter Bürgermeister spricht von "Fehlplanung"

Besonders die Kostensteigerung kritisierte Alletsee: „Das ist eine Kostenverdoppelung aufgrund der Fehlplanung eines Amtes.“ Die Kosten explodierten unter anderem weil in der ursprünglichen Planung Vieles falsch und Manches auch einfach gar nicht berechnet wurde. Und gerade Schwabmünchen interessiert sich für die Kosten. Denn die Stadt zahlt 76 Prozent von der Hälfte, die der Freistaat nicht übernimmt – das sind immerhin rund 2,7 Millionen Euro.

Auf eine weitere bittere Nachricht für die Anlieger des Feldgießgrabens machte SPD-Stadtrat Ivo Moll aufmerksam: „Die fluten Holzhausen erst, wenn der Feldgießgraben voll ist.“ Das bedeutet für die Anwohner, dass die Keller dort bei Starkregen weiterhin mit Wasser voll laufen werden. Denn die Feldgieß ist quasi undicht. Läuft der Graben voll, dringt Wasser in den Boden, dadurch steigt der Grundwasserpegel, so Moll. Somit würde Holzhausen also nur die Singoldanlieger schützen. Das Wasserwirtschaftsamt bestreitet laut Moll allerdings einen Zusammenhang von vollem Feldgießgraben und steigendem Grundwasser.

In diesem Punkt will Alletsee beim Wasserwirtschaftsamt „unbedingt noch einmal nachhaken.“ Es sei den Schwabmünchnern schließlich schwer zu erklären, dass die Stadt 2,7 Millionen Euro in die Hand nimmt, ohne dass es den Feldgießanliegern etwas bringe. Auch soll die Verwaltung den Kostenschlüssel für die Stadt erneut verhandeln.

Doch trotz der hohen Kosten will Schwabmünchen am Hochwasserrückhaltebecken festhalten: „Wir wollen und brauchen Holzhausen. Wir machen keinen Rückzieher, so Alletsee.

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