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Oberottmarshausen

26.04.2020

Oberottmarshauser Firma verkauft Masken im Drive-In

Während der morgendlichen Verkaufszeit für Gewerbekunden blieb für Daniel Siegmund (Mitte) Zeit, bei seinen Mitarbeitern an den Tischen vorbeizuschauen.
Bild: Uwe Bolten

Plus Die Firma Siegmund bietet mit Blick auf die Maskenpflicht in der Corona-Krise eine Million Schutzmasken an. Wie sie an den Mund-Nasen-Schutz gekommen ist.

Die rotbraune Färbung der Landsberger Straße in Oberottmarshausen auf gängigen Navigationssystemen am Samstag vergangener Woche war nicht Folge von übermäßigen Besuchern des Römersees oder gar eines schweren Unfalls, sondern das äußere Zeichen des Ansturms, den der Sonderverkauf von Mund- und Nasenschutz der Firma Siegmund erlebte. Anstatt gewichtiger Schweiß- und Spanntische bewegen zahlreiche Mitarbeiter ständig Kartons an die acht Verkaufsstellen, die sich um vorderen Bereich des Firmenparkplatzes an der alten B 17 erstreckt. Auf dem fußballfeldgroßen Areal ist ein geräumiger Anteil nahe der Werkhalle den Autofahrern vorbehalten. Das durch Trassenband deutlich gekennzeichnete labyrinthartige Vereinzelungssystem, wie man es sonst nur von Wartebereichen an Attraktionen der Freizeitparks kennt, führt die Fahrzeuge zu den, mit jeweils drei Mitarbeitern besetzten, Drive-In-Verkaufstischen.

Ein funktionierendes Netzwerk nach China

„Wir verfügen als weltweit agierendes Unternehmen über ein funktionierendes Netzwerk, auch nach China. In Zusammenarbeit mit unseren Partnern haben wir es dort geschafft, die qualitativ hochwertige Masken einzukaufen“, sagte Daniel Siegmund von der Geschäftsleitung des Familienunternehmens. Das Problem sei derzeit jedoch nicht so sehr der Einkauf, sondern der Transport der Ware per Luftfracht von China nach Deutschland. „Die Kapazitäten sind deutlich eingeschränkt, die Kosten immens gestiegen“, erläuterte Siegmund. Dennoch sei es gelungen, eine Million Masken, verpackt in 500 Kartons zu je 2000 Stück nach Oberottmarshausen zu bringen. Das Herstellungsdatum April 2020 auf den Kartons zeugte vom aktuellen Stand der Maskenproduktion. „Wir haben uns über Nacht entschieden, diese Aktion durchzuführen. Unser Umsatz ist derzeit auch stark zurückgegangen. Als Familienunternehmen mit den Möglichkeiten in Infrastruktur, Logistik und Liquidität, können wir eine solche Maßnahme wie den Sonderverkauf durchführen“, sagte der Unternehmer weiter.

Der Chef regelte den Verkehr

Laut Siegmund war es kein Problem, die Mitarbeiter für dieses Projekt zu begeistern. „Sie waren sofort mit dabei, als die Idee entstand“, berichtete er mit spürbarem Stolz auf seine Belegschaft. Die Beobachtungen auf dem Gelände unterstrichen die Aussage: Überall stand Personal in orangenen Warnwesten bereit. Fahrzeuge wurden an die Verkaufstische geleitet, per Eimer an langen Stangen wurden das Geld kassiert, die Masken durch das geöffnete Rücksitzfenster in das Auto gelegt, schlechte Laune war trotz des Samstages nicht spürbar. Weitere Kräfte sorgten dafür, dass die Ausfahrt vom Firmengelände geordnet ablief. Einen besonderen Dank sprach Siegmund dem Landkreis aus. „Bei den Gesprächen im Vorfeld sind wir auf offene Ohren gestoßen, wir haben alle Unterstützung bekommen, die nötig war. Das reicht vom Verständnis über die zu erwartende Verkehrssituation bis hin zur Akzeptanz unserer Abstandsregelungen auf dem Gelände“, fügte Siegmund hinzu.

Großer Andrang herrschte beim Sonderverkauf von Mund- und Nasenmasken bei Siegmund in Oberottmarshausen.
Bild: Uwe Bolten

Um den Kontakt zu minimieren, habe man sich entschlossen, die Masken nur im Paket zu 50 Stück zu verkaufen. Der Kritik, die den Preis von 50 Euro pro Packung für zu hoch erachtet, begegnete er ruhig: „Wir haben Masken von sehr guter Qualität bei bekannten Herstellern gekauft; damit ist der Preis auf Grund der Marktlage gerecht. Ich habe in Augsburg diese Masken auch schon zum Stückpreis von 3 Euro gesehen, deren Qualität nicht so hoch war“, sagt er und blickte über die vollen Stände und die wartenden Fahrzeuge.

Auch Desinfektionsmittel aus Königsbrunn war sehr begehrt

Es dauerte keine Stunde nach Beginn des Verkaufes an Privatpersonen, als Klaus Langguth zum Telefon griff, und zwei weitere Paletten Desinfektionsmittel aus seiner Firma in Königsbrunn nachforderte. Der Betreiber des gleichnamigen Chemie-Unternehmens für Reinigungs- und Pflegemittel hatte sich, nachdem er von der Aktion bei Siegmund gehört hatte, mit dem Schweißtischhersteller zusammengetan und bot seine zertifizierten Hand- und Flächendesinfektionsmittel ebenfalls an. „Wir als lokale Produktionsstätte haben im Gegensatz zu großen Firmen keine Schwierigkeiten in der Herstellung. Vorhandene Rohstoffe wie auch Lagerkapazität reichen aus“, sagte Langguth, der schwerpunktmäßig für Gewerbe und Industrie produziert. „Das ist der Vorteil eines leistungsfähigen Mittelstandes“, schloss er. Der Andrang wurde im Laufe der Zeit immer größer, so dass Daniel Siegmund selbst als Verkehrsposten zusammen mit seinen Mitarbeitern die Situation auf der alten B 17 und auf dem Firmengelände regelte und entspannte.

Der erste Firmenverkauf der Unternehmensgeschichte wird nach Aussage von Daniel Siegmund nicht der Letzte sein. „Wir lernen aus den Erfahrungen und werden eine solche Aktion sicher noch einmal wiederholen“, stellte er in Aussicht und widmete sich mit winkenden Armen wieder den ankommenden Fahrzeugen.

Mehr zur Firma Siegmund lesen Sie hier:

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