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Landkreis Augsburg

22.06.2017

Warum die Störche jetzt weiße Socken tragen

Zwei von drei Küken haben in Zusamzell überlebt – und sie gedeihen prächtig und werden bestens versorgt, weiß Storchenbeobachter Sieghart Muthsam. Er hat Familie Storch am Mittwoch fotografiert. Deutlich zu sehen sind auch die weißen Beine, mit denen sich die Vögel vor der Hitze schützen.
Bild: Sieghart Muthsam

Strategien, um der großen Hitze zu begegnen: Wie es zum ungewöhnlichen Beinkleid von Meister Adebar kommt.

Nicht erschrecken, wenn Ihnen in den kommenden Tagen ein Storch mit weißen Beinen begegnet: Das Tier hat sich nicht die Beine gebrochen und muss deswegen Gipsverbände tragen. Das Weiß ist bei Meister Adebar angesagt, wenn es besonders heiß ist. Die Socken sind nämlich Teil eines ungewöhnlichen Kühlsystems.

Die Vögel beschmieren ihre Beine mit flüssigem Kot. Das darin enthaltene Wasser entzieht dem Körper dann beim Verdunsten Wärme. Vielleicht hat das Weiß noch eine andere Funktion: „Es reflektiert das Sonnenlicht besser“, sagt Martin Trapp von der Kreisgruppe des Landesbundes für Vogelschutz (LBV). Zum weißen Beinkleid kommen die Störche einfach: „Sie spritzen ihren Kotstrahl auf ihre Beine“, erklärt Oda Wieding. Sie ist die bayerische Weißstorch-Expertin des Landesbundes für Vogelschutz.

Storch läuft durch einen Kalkkübel

Der Zusamzeller Storchenpapa Sieghart Muthsam hat noch eine andere Beobachtung gemacht: Er hat ein Tier schon dabei beobachtet, wie es auf einer Baustelle durch einen Kalkkübel gestakst ist. Das dürfte allerdings eine Ausnahme gewesen sein. Seit einigen Tagen sind die weißen Socken auch bei den Zusamzeller Störchen in Mode, hat Sieghart Muthsam mit seinem Teleobjektiv beobachtet. Was den Storchenpapa, der seit vielen Jahren das Schicksal der Tiere verfolgt, besonders freut: Der Nachwuchs gedeiht prächtig. Das war nicht immer so.

Besonders 2013 war ein dramatisches Jahr für die Population: Im Altenmünster Ortsteil hatte es der Nachwuchs nicht geschafft. Nach der Aufzeichnung von Sieghart Muthsam waren zwar drei Küken geschlüpft, keines wurde aber flügge. Im Augenblick geht es am Nest rund: Im fliegenden Wechsel werden die beiden Küken von ihren Eltern mit Nahrung versorgt.

Derzeit sind im Landkreis 14 Nester besetzt, weiß Storchenexpertin Oda Wieding. Das sind zwei mehr als im vergangenen Jahr: Gemeldet wurden weitere Nester in Gessertshausen und Hiltenfingen. Eine erste Zwischenbilanz zeige, dass in Bayern derzeit so viele Weißstörche wie noch nie leben. „Wir konnten das Rekordergebnis von 324 im Jahr 2013 sogar noch einmal übertreffen, sodass wir jetzt rund 340 Paare zählen.“ Viele der neuen bayerischen Störche seien zwei oder drei Jahre alt, da die Vögel erst in diesem Alter die Geschlechtsreife erreichen. Seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1900 wurden noch nie mehr Storchenpaare in Bayern gezählt. Damals waren es 250 Paare. (mcz)

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