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Kleinaitingen

22.06.2017

„Wir wollen kein massives Wachstum“

Bürgermeister Rupert Fiehl regiert mit Kleinaitingen eine Gemeinde, die zurzeit Rücklagen in Millionenhöhe hat. Er möchte in Zukunft unter anderem überschaubare Neubaugebiete ausweisen.
Bild: Michael Lindner

Kleinaitingen hat Rücklagen in Millionenhöhe. Bürgermesiter Rupert Fiehl erklärt im Interview, in welche Projekte die Gemeinde investieren möchte.

Herr Fiehl, Sie wurden 2014 als neuer Bürgermeister in Kleinaitingen gewählt. Nur ein Jahr später wurde bekannt, dass sich BMW in der Gemeinde ansiedelt. Wie beschwerlich war dieser Prozess?

Rupert Fiehl: Das kam wie Phoenix aus der Asche. Von der Wirtschaftsförderung des Landratsamtes kam eine Anfrage, ob wir ein 17 Hektar großes Grundstück für ein großes bayerisches Unternehmen hätten. Dann kam Landrat Martin Sailer auf mich zu, und erst einige Zeit später wusste ich, um welches Unternehmen es sich handelt. Ich bin nicht davon ausgegangen, dass wir den Zuschlag je bekommen würden. Als ich den Anruf erhielt, hatte ich Gänsehaut und war sprachlos. Wir sind heute noch froh, dass es funktioniert hat. Es läuft sehr gut und ist eine Bestätigung, dass wir es richtig gemacht haben.

Sie kamen ohne Erfahrung in der Kommunalpolitik in das Bürgermeisteramt. Machte das die Arbeit schwieriger?

Fiehl: In die Verwaltung hineinzukommen ist schon eine Herausforderung, aber das gelingt schnell über die Projekte. Man lernt es am besten mit einem Sprung ins kalte Wasser; man lernt schnell rudern und schwimmen. Ich sehe es nicht als Nachteil, unbefleckt in das Bürgermeisteramt reingekommen zu sein. Es ist gut, dass ich 25 Jahre Erfahrung aus der Wirtschaft mitbringe.

Nachhaltige Investitionen sind notwendig

Die Gemeinde hat Geld in Millionenhöhe zur Verfügung. Zu Beginn des Haushaltsjahres waren es mehr als 5,3 Millionen Euro. Was haben Sie damit vor?

Fiehl: Wir haben Geld auf der hohen Kante, das stimmt. Wir müssen darauf achten, dass wir Verwahrgelder bei den Banken umgehen. Auch deshalb benötigen wir gute nachhaltige Investitionen – und die sehe ich beim kommunalen Wohnungsbau. Dieses Thema wird uns in Zukunft intensiv beschäftigen. Der Wohnungsbau wird aber nicht in Randgebieten, sondern im Ortskern sein – Thema Nachverdichtung. Die Gemeinde hat bereits Flächen im Zentrum. Da wir ein bestimmtes Ortsbild bewahren möchten, erstellen wir im Ortsinnenbereich aktuell Bebauungspläne.

Wohnraum ist also auch in Kleinaitingen Mangelware?

Fiehl: Wir sind eine Zuzugsregion und haben zu wenig Wohnraum anzubieten. Was heute ausgehängt wird, ist morgen schon weg. Diese Knappheit betrifft quasi jede Kommune auf dem Lechfeld.

Werden denn Neubaugebiete ausgewiesen?

Fiehl: Wir werden sicherlich überschaubare Neubaugebiete ausweisen, zum Beispiel bei der Ostendstraße und südlich des Kindergartens. Aber es wird auf keinen Fall westlich von Kleinaitingen in Richtung Großaitingen ein Neubaugebiet geben. Ich würde nie Deutschlands fruchtbarste Böden zupflastern. Wir sind ein Dorf und werden auch ein Dorf bleiben. Wir gehen moderat vor und wollen kein massives Wachstum. Die Infrastruktur müsste sonst stark mitwachsen und dann würden wir andere Projekte vernachlässigen. Ich kann die Menschen beruhigen: Wir werden bis 2035 sicherlich nicht 50 Prozent mehr Einwohner haben; so wie es vor Kurzem ein Statistikinstitut prognostiziert hat.

Die Basis darf nicht vergessen werden

Wird es in Kleinaitingen neue Gewerbegebiete geben?

Fiehl: Klein- und Mittelständler müssen auch eine Chance bekommen. Wir halten nicht nur nach den großen Unternehmen Ausschau. Aldi war zwar Pionier auf dem Lechfeld, aber man darf die Basis nicht vergessen. Die Nachfrage ist da, und wir verfolgen das intensiv.

Die Anbindung des Gewerbegebiets an der Rudolf-Diesel-Straße zur Kreisstraße A16 ist noch immer nicht gelöst. Wann ist hier mit einer Entscheidung zu rechnen?

Fiehl: Das ist ein wichtiges Thema und eine Frage des Grunderwerbs. Eine Abbiegespur ist zwar genehmigt, aber mit dieser Lösung bin ich nicht glücklich. Wir wollen einen Kreisverkehr bauen, benötigen aber noch die entsprechenden Flächen. Ein Kreisverkehr ist nicht nur sicherer, ich erhalte auch viele Klagen von Bürgern wegen der hohen Geschwindigkeit von Fahrzeugen am Ortseingang beziehungsweise Ortsausgang.

Bürgerbus wird aufgestellt

Was passiert mit den Räumen im 1. Stock des Rathauses, nachdem diese nicht mehr vermietet sind?

Fiehl: Die Feuerwehr hat im 1. Stock derzeit einen kleinen Gesellschaftsraum. Da das Dach energetisch saniert wird, und ich Leerstand schlimm finde, wird die Feuerwehr ins Dachgeschoss einziehen und dort einen großen Raum bekommen. Im ersten Stock wird künftig das Büro des Bürgermeisters und einer Mitarbeiterin sein. Außerdem wird es dort einen Besprechungsraum geben.

Welche weiteren wichtigen Projekte stehen in Zukunft an?

Fiehl: Wir wollen einen Bürgerbus auf die Beine stellen, um die Wohnqualität zu erhöhen. Der Bürgerbus wird mit Oberottmarshausen, Wehringen und Großaitingen zusammen aufgestellt. Es wird einen regelmäßigen Fahrplan geben, der eine feste Route verfolgt und auch die Ortsteile mit einbindet. Das Projekt ist zwar nicht zu 100 Prozent ehrenamtlich, aber es ist auch kein kommerzieller Betrieb. Ein anderes wichtiges Projekt ist die Erweiterungsfläche des Friedhofs. Dort sollen neben traditionellen auch moderne Bestattungsarten wie Urnenstelen, Baumbestattung oder Hochbeetbestattung angeboten erden. Es wird auf dem Friedhof auch eine WC-Anlage gebaut. Die Kosten für das gesamte Projekt betragen etwa 300000 Euro.

Kommunikation und Transparenz sind wichtig

Wie gehen Sie eigentlich mit Kritik an ihrer Person um?

Fiehl: Die Befugnisse des Bürgermeisters werden sehr häufig überschätzt. Ich bin einer von 13 Gemeinderäten. Man darf sehr wenig selbst machen, es ist immer eine mehrheitliche Entscheidung. Wichtig ist, dass man kommunikativ ist und Transparenz bei den Entscheidungen zeigt. Kritik an meiner Person landet aber sehr selten direkt bei mir.

Möchten Sie 2020 nochmal antreten?

Fiehl: Generell gesehen würde ich gerne eine weitere Amtsperiode machen. Das Amt macht Spaß und man hinterlässt sein Profil, aber die Rahmenbedingungen sind teilweise schwierig. Das hat mit einem Ehrenamt nichts mehr zu tun. Man muss viel Energie und Zeit investieren, denn die Bevölkerung erwartet zurecht eine Präsenz des Bürgermeisters und das etwas im Ort passiert. Wenn man nur 20 Stunden in der Woche als Bürgermeister da ist, dann verwaltet man nur, aber ich will gestalten. Ich werde bald wieder Zeit in meine stillgelegte Firma investieren und muss schauen, wie ich den Spagat schaffe.

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