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Königsbrunn

09.01.2021

Wohnraum: Wie viel Nachverdichtung ist für Königsbrunn sinnvoll?

Passt zwischen das bestehende Haus hinter der Hecke und dem Wendehammer am Siedlerweg noch ein Gebäude? Die Grundstücksbesitzerin und die Stadt sind sich darüber nicht einig. 
Bild: Adrian Bauer

Plus Königsbrunn erlebt seit Jahren enormen Zuzug. Flächen für neue Baugebiete sind knapp. Entlastung könnten Nachverdichtungen bringen, doch auch das birgt Probleme.

Wenn Städte wachsen, passiert das immer in vielen kleinen Schritten. Neue Baugebiete werden entwickelt, Bebauungspläne erstellt, Straßen und Versorgungsleitungen gebaut. Danach kommen die Bauherren und errichten im Rahmen der Vorgaben ihre Häuser. Königsbrunn ist so seit der Nachkriegszeit schrittweise gewachsen, Felder und Hofstellen wichen Neubaugebieten. Das war lange unproblematisch. Doch mittlerweile gibt es kaum noch Platz für neue Baugebiete, aber durch den Preisdruck in München und Augsburg weiterhin viele Interessenten für Wohnraum in Königsbrunn. Einzig probates Mittel neben der Schließung der letzten Baulücken ist die Nachverdichtung.

Entsprechende Anfragen beschäftigen die Stadtverwaltung und den Bauausschuss des Stadtrates regelmäßig. Nicht alle werden positiv beschieden. Denn bei jedem Vorhaben spielen verschiedene Faktoren eine Rolle: Ein neues Gebäude muss sich in die Umgebung einfügen und sich an vorgegebenen Baugrenzen orientieren. Aber wichtig bei der Beurteilung sei auch der städtebauliche Aspekt, sagt Bürgermeister Franz Feigl. Grundsätzlich sieht die städtebauliche Strategie in Königsbrunn größere Abstände zwischen Häusern und Straßen vor. Die Anwohner sorgen für die Begrünung. Als die Bodenpreise langsam anstiegen und die Grundstücke kleiner wurden, ließ die Stadt bei neueren Bebauungsplänen mehr Raum für öffentliche Grünflächen.

Wann schadet Nachverdichtung in Königsbrunn dem guten Wohnklima?

Die Antwort auf die Frage, wie viel Nachverdichtung möglich ist, ohne das gute Wohnklima zu zerstören, ist bei einigen Grundstücken eine echte Gratwanderung. Edith Müller hat schon einige Diskussionen zu diesem Thema mit der Stadt geführt. Ihren richtigen Namen möchte sie nicht in der Zeitung lesen, wo ihr Grundstück liegt, dürfen wir schreiben. Es geht um ein Areal zwischen Hochstiftstraße und Siedlerweg im Wohngebiet zwischen Mindelheimer Straße und Königsallee. Edith Müller wohnt dort seit vielen Jahren und würde nun gerne in ihrem Garten ein weiteres Häuschen bauen: "Meine Enkelinnen sind jetzt 13 und 14 Jahre alt, ihnen würde ich das neue Haus gerne einmal vererben."

Einen Zugang zur Hochstiftstraße könnte man für das zusätzliche Haus zwar nicht mehr erstellen, am Wendehammer im Siedlerweg ließe sich aber problemlos eine Einfahrt schaffen. Eigentlich wurde der Bereich hinter ihrem Grundstück als mögliche Straßenbahntrasse Richtung Gymnasium freigehalten. Da aus dem Grünstreifen die Straße wurde, greift aus Müllers Sicht nun ein Passus im Bebauungsplan 105. In Paragraf 14 heißt es: "Sofern eine Überschneidung mit einem anderen Bebauungsplan vorliegt, gelten die Festsetzungen des Bebauungsplans 104."

Anwohnerin in Königsbrunn sieht sich rechtlich auf der sicheren Seite

Das ist aus ihrer Sicht gegeben. 8072 Mark Erschließungsbeiträge seien ihr für den Ausbau des Siedlerwegs schließlich auch in Rechnung gestellt worden, sagt Müller. Und mit den Festsetzungen des Bebauungsplans 104 würden auch alle Vorschriften für Abstandsflächen eingehalten. Sie hätte der Stadt auch einen kleinen Grünstreifen an der Grundstücksgrenze abgekauft. "Man könnte hier eine Baulücke schließen und würde der Stadt keine größeren Kosten verursachen", sagt Müller.

Bei der Stadtverwaltung teilt man diese rechtliche Einschätzung aber nicht. Für das Bauvorhaben gelte nur der Bebauungsplan 105 und nichts anderes, sagt Verena Schön, Expertin für die Rechtsfragen in der Bauverwaltung. Die Überschneidungsklausel betreffe nur den Wendehammer selbst, sagt der Bürgermeister. In Sachen der Baugrenzen habe man bereits bei den bestehenden Häusern mehr zugelassen, als der Bebauungsplan zuließ.

Königsbrunns Bürgermeister: "Gesunde Nachverdichtung funktioniert so nicht"

Die Planung mit einem weiteren Haus scheidet aus Sicht des Bürgermeisters aber auch aus anderen Gründen aus. Hier spiele der Schutz der Nachbarn eine große Rolle, weil die Abstände zu gering würden. Zudem halten alle Häuser eine städtebauliche Achse entlang der Tramtrasse ein, die dann durchbrochen würde. Und schließlich gibt es eine Festlegung, dass zum Wendehammer hin Grün stehen muss. "Eine gesunde Nachverdichtung funktioniert so sicherlich nicht. Maximal möglich wäre ein kleiner Anbau an das bestehende Haus", sagt Feigl.

Grundsätzlich stehen alle Nachverdichtungen immer in einem Spannungsfeld. Denn neben der Erfüllung der städtebaulichen Ziele und Vorschriften müssen auch die Interessen der Nachbarn mit einbezogen werden. Das hat sich beispielsweise bei den Planungen für das Mehrfamilienhaus am Kreisverkehr bei St. Ulrich gezeigt. Der Bauwerber musste seine Planungen mehrfach herunterschrauben, damit sich das Bauwerk besser in die Umgebung einfügt und die Grundstücke der Anwohner nicht komplett verschattet werden. Der entsprechende vorhabenbezogene Bebauungsplan brauchte mehrere Jahre bis zur Fertigstellung, hat dafür aber bereits einer ersten rechtlichen Prüfung nach einer Klage eines Anwohners Stand gehalten. Der Bauwerber hofft, im Frühjahr endgültig mit den Arbeiten loslegen zu können.

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