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Kommentar: Frankreich ist nicht umsonst erster Anwärter auf den EM-Titel

Kommentar

Frankreich ist nicht umsonst erster Anwärter auf den EM-Titel

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    Die französische Trikolore weht vor dem Eifelturm in Paris, Frankreich, im Wind.
    Die französische Trikolore weht vor dem Eifelturm in Paris, Frankreich, im Wind. Foto: Kay Nietfeld/dpa

    Wer etwas über das Verhältnis zweier Nationen erfahren möchte, studiere deren gemeinsame Fußball-Vergangenheit. Jene unmittelbaren Begegnungen, die früher, als sich noch niemand um die kriegerische Sprache im Sport scherte, ungeniert zu Schlachten erkoren wurden, weil sie stellvertretend für bewaffnete Auseinandersetzungen waren. So hat der Waffengang den Fußball und der Fußball das Verhältnis ehemaliger Kriegsgegner befruchtet.

    Keine Nation hat das deutlicher erfahren als die deutsche, die zweimal die Welt in Brand gesteckt hat. Nach 1945, dem Ende des Zweiten Weltkriegs, wollte mit den Deutschen fünf Jahre lang keiner mehr spielen. Die neutralen Schweizer haben sich im November 1950 erbarmt, wie immer, wenn es politisch heikel war. Und Frankreich? Die deutschen Fußball-Beziehungen mit dem EM-Gastgeber sind überraschend entspannt. Überraschend deshalb, weil es kriegshalber reichlich Gründe für Ressentiments gibt. Mögen die politischen und gesellschaftlichen Beziehungen davon geprägt gewesen sein - den Fußball haben sie lange verschont. Deutsch-französische Begegnungen waren im besten Fußballsinn kultiviert, wozu „le bleus“ häufig mehr beitrugen als die kraftstrotzenden Deutschen. In den 80er Jahren prägte der Fußball-Feingeist Michel Platini das Spiel der Équipe Tricolore. In den 90er Jahren war es der „Weltfußballer“ Zinedine Zidane.

    Schwere Erschütterungen aber hatte auch das deutsch-französische Verhältnis zu überstehen

    Schwere Erschütterungen aber hatte auch das deutsch-französische Verhältnis zu überstehen. Im WM-Halbfinale 1982 streckte Harald Schumacher den Franzosen Patrick Battiston brutal nieder. Während der bewusstlose Franzose mit zwei ausgeschlagenen Zähnen vom Platz getragen wurde, lehnte Schumacher Kaugummi kauend am Torpfosten. Was die Franzosen besonders erzürnte, war Schumachers Reaktion: „Unter Profis gibt es kein Mitgefühl, aber ich zahle dem Battiston die Jacketkronen.“ Schumacher wurde zum hässlichen Deutschen, Italien zur Freude der anderen im Finale gegen Deutschland Weltmeister. Noch abstoßender war, was bei der WM 1998 in Frankreich geschah. Deutsche Hooligans prügelten den Gendarme David Nivel ins Koma. Der Polizist leidet noch heute unter den Folgen der Gewalttat.

    Frankreich ist Weltmeister und nicht umsonst erster Anwärter auf den EM-Titel

    Das alles aber spielt im gegenwärtigen Verhältnis zwischen Deutschen und Franzosen keine Rolle mehr. Im Gegenteil: von keiner anderen Fußball-Nation sprechen die Deutschen mit solchem Respekt wie von der französischen. Frankreich ist Weltmeister und nicht umsonst erster Anwärter auf den EM-Titel.

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