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21.02.2018

Generationsübergreifende Hilfe

Bild: Ulrich Wagner

Sie setzten sich dafür ein, dass die Spenden dorthin kommen, wo sie am dringendsten gebraucht werden. Ein Gespräch mit Ellinor Scherer und Alexandra Holland vom Hilfswerk „Kartei der Not“.

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Bayern zählt zu einer der wirtschaftlich stärksten Regionen Europas. Dennoch gibt es immer mehr Menschen, die unverschuldet durch das Hilfsnetz der öffentlichen Leistungen fallen. Die Kartei der Not bietet Hilfe für Not leidende Menschen in unserer Region. Kuratoriumsvorsitzende Ellinor Scherer und ihre Stellvertreterin Alexandra Holland sprechen über Veränderungen, Herausforderungen und Zukunftspläne des Hilfswerks.

 

Geburtstagskinder bekommen für gewöhnlich Geschenke. Womit machen Sie dem Freistaat Bayern zum 100-jährigen Bestehen eine Freude?

Ellinor Scherer: Die Kartei der Not ist – ebenso wie der Freistaat Bayern – eine Erfolgsgeschichte! Das größte Hilfswerk Bayerisch-Schwabens ist im Bewusstsein der Menschen verankert. Jährlich erreichen uns rund 2500 Anfragen von Hilfesuchenden jeden Alters. Die Stiftung trägt dazu bei, dass sie die Hoffnung im Leben nicht verlieren.

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Alexandra Holland: Unschuldig in Not geratenen Menschen seit über 50 Jahren zu helfen, ist ein Geschenk. Dank der vielen Spender und Förderer können wir Betroffenen aus unserer Heimat schnell und unbürokratisch unter die Arme greifen und ihnen eine finanzielle Hilfestellung geben, damit sie zuversichtlich in die Zukunft blicken können.

Seit über einem halben Jahrhundert gibt es die Kartei der Not. Wie hat sich die Hilfe, aber auch der Kreis der Förderer in den vergangenen Jahren verändert?

Scherer: Die Not hat sich verändert. Es gibt Einzelschicksale, die wir über zehn Jahre und mehr begleiten. Auffällig ist die steigende Zahl von Alleinerziehenden. Aber auch die von Kranken und älteren Menschen, die sich die Miete oder Lebenshaltungskosten nicht mehr leisten können.

Holland: Oft mangelt es an Dingen des alltäglichen Lebens: vermeintlichen Kleinigkeiten, die für die Betroffenen eine Tragödie darstellen. Deshalb sind wir froh und dankbar über jeden Euro. Ob Vereine oder Einzelpersonen, Firmen oder Behörden, Stiftungen oder Nachlässe – alle gesellschaftlichen Schichten tragen zum Erfolg der Kartei der Not bei. Und das finde ich wunderbar!

Die Spender wollen sichergehen, dass ihr Geld tatsächlich dort ankommt, wofür es bestimmt ist. Wie schaffen Sie Transparenz und somit Vertrauen?

Holland: Die Kartei der Not ist das geblieben, was sie ist: klein, effektiv, grundbescheiden, verlässlich und nah am Menschen. Seit fünf Jahrzehnten können sich die Menschen darauf verlassen, dass jede Spende ohne Abzug von Verwaltungskosten ankommt. Diese trägt die Mediengruppe Pressedruck.

Scherer: Jeden Freitag erscheint beispielsweise im Bayernteil der Augsburger Allgemeinen und Allgäuer Zeitung sowie allen Heimatzeitungen ein Bericht über einen Einzelfall, bei dem die Kartei der Not helfen konnte. Bei den Weihnachtsträumen von Hitradio RT.1 kommen Bedürftige selbst zu Wort und erzählen ihre Geschichte.

Das Ellinor-Holland-Haus ist bayernweit ein einzigartiges Angebot eines sozialpädagogisch begleiteten Wohnens für Menschen, die sich in Lebenskrisen befinden. Hat sich das Modell bewährt?

Scherer: Wir haben durchwegs gute Erfahrungen gemacht. Obgleich die Problemlagen der Bewohner ganz unterschiedlich sind, geht das Konzept auf. Sie sind im Stadtteil gut integriert und haben ein gutes Verhältnis zu den Nachbarn. Die Idee der Hilfe zur Selbsthilfe greift. Mit dem Ellinor-Holland-Haus haben wir eine Lücke in der Versorgung geschlossen. Schließlich gab es ein generationenübergreifendes Wohn- und Hilfeangebot für diese Zielgruppe bisher nicht.

Im Dezember endet für die ersten Bewohner die dreijährige Wohndauer. Ist zum Jahresende mit viel Wechsel zu rechnen?

Holland: Davon gehen wir aus! Wir bereiten aktuell diese Bewohner auf den Auszug vor und helfen ihnen, andere Wohnungen zu finden. Im Frühjahr kommenden Jahres besteht dann wieder für neue Hilfesuchende die Möglichkeit, eine Wohnung im Ellinor-Holland-Haus zu bekommen und für sich die Chance zu ergreifen, gemeinsam mit Sozialpädagogen schwierige Lebenssituationen perspektivisch zu meistern.

Wird die Einzelfallhilfe trotz der laufenden Kosten für das Ellinor-Holland-Haus unvermindert fortgesetzt?

Scherer: Die Einzelfallhilfe war und ist die Kernaufgabe der Kartei der Not. Jedoch hat sich die Arbeit der Stiftung merklich verändert. Deshalb ist das Ellinor-Holland-Haus eine zusätzliche Säule, um in Not geratenen Menschen zu helfen.

Wie wichtig ist es Ihnen, dass die Kartei der Not auch andere Projekte, die in unserer Region Pilotcharakter haben, unterstützt?

Holland: Wir fördern alle Projekte, die im Sinne unserer Stiftung Gutes tun. Das gibt uns die Möglichkeit, das Hilfsspektrum zu erweitern – und das generationsübergreifend, vom Säugling bis zum Hochbetagten. So unterstützen wir zum Beispiel „Augsburg packt’s“, ein Projekt, bei dem ältere alleinstehende Menschen besucht werden und ein Lebensmittelpaket bekommen.

Redakteure unserer Zeitung fungieren als Ansprechpartner. Welche Bedeutung haben sie als Bindeglied zwischen Betroffenen, Spendern und der Stiftung selbst?

Holland: Das ist für uns unschätzbar wichtig. Sie sind Botschafter vor Ort, Netzwerker, Repräsentanten der Kartei der Not und ganz nah dran an den Menschen. Einerseits haben die Kollegen vor Ort den direkten Draht zu Spendern und können die Arbeit des Hilfswerks vorstellen und erläutern. Andererseits haben die Redakteure auch immer einen Blick auf die Betroffenen und können so den Kontakt zur Kartei der Not herstellen. Die örtliche Nähe ist Teil der raschen, unbürokratischen Hilfe. Uns freuen die Eigeninitiativen und die Begeisterung, mit der die Redakteure – aber auch viele Mitarbeiter aus Verlag, Technik, Rundfunk und Fernsehen – für die gute Sache aktiv sind.

Wenn Sie die Wahl haben für eine Spende oder eine Zustiftung. Was empfehlen Sie?

Scherer: Das entscheidet immer der Spender selbst. Beide Varianten sind möglich. Eine Spende wird direkt als Unterstützung an Bedürftige in unserer Region weitergegeben. Eine Zustiftung, beispielsweise ein Nachlass, verbleibt im Stiftungsvermögen, solange es die Kartei der Not gibt. Hier wird aus den Erträgen auf lange Sicht geholfen. Das bedeutet, dass über viele Jahrzehnte Gutes getan und garantiert wird, dass wir auch in Zukunft handlungsfähig bleiben, sollte das Spendenaufkommen mal schwanken. Für Spenden sowie Zustiftungen sind wir den Menschen in unserer Region unendlich dankbar!

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