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Der FC Bayern ist zu groß für die Bundesliga – aber wohin mit ihm?

Kommentar Von Anton Schwankhart
12.05.2018

Die 55. Saison im Fußball-Oberhaus ist abgepfiffen. Beherrschende Themen: der Video-Beweis, die 50 +1-Regel und die Frage, ob alles so weitergehen kann.

Als Bayern-Präsident Uli Hoeneß vor etlichen Jahren gefragt wurde, was vom Fußball übrig bliebe, wenn er dereinst zu Tode kommerzialisiert sei hat Hoeneß geantwortet: Dann bleibt der Fußball übrig. Er selbst, hat Hoeneß ergänzt, fürchte den Tag nicht, im Gegenteil.

Hoeneß hat die Kraft des Fußball als Spieler, Weltmeister, Manager und Präsident erlebt. Wenn ihm auch bei weitem nicht überall zu folgen ist – was den Fußball und dessen Zukunft betrifft, war er der Konkurrenz meist weit voraus.

Steht die Bundesliga vor dem letzten Abpfiff?

Hoeneß’ Sicht hat am Ende dieser 55. Saison der Bundesliga etwas Tröstliches. Denn wer in den vergangenen Monaten öffentliche und private Experten-Runden verfolgt hat, musste den Eindruck gewinnen, für die Bundesliga werde bald der letzte Abpfiff ertönen. Von Europas Top-Ligen abgehängt, die Klubs nur noch zweitklassig das Schiedsrichterwesen drittklassig, die Kurven-Fans entweder auf Krawall gebürstet oder an die kurze Leine gelegt, die Atmosphäre gedimmt – der kollektive Abstieg ist nicht mehr aufzuhalten.

Der Videobeweis erregte die Gemüter

Wie erregte sich das Fußball-Land über den Videobeweis als er anfangs nicht so funktionierte, wie es gedacht war. Die Zuschauer, die sich vom elektronischen Auge nichts weniger als das Ende aller Fehlentscheidungen erwarteten, fassten sich an die Köpfe - ohne daran zu denken, dass weiterhin nicht die Elektronik sondern der Mensch entscheiden muss. Vieles hat sich inzwischen eingespielt. Was weiter fehlt, ist Transparenz für den Stadionbesucher. Deshalb erntet der Videobeweis mit einem Fehlurteil noch immer mehr Minuspunkte, als er mit zehn positiven Entscheidungshilfen Pluspunkte sammeln kann.

Anders verhält es sich bei der sogenannten 50 + 1-Regel, die verhindern soll, dass Geldgeber die Mehrheit in Vereinen übernehmen können. Die Vereine wollen derzeit noch mehrheitlich an der Regel festhalten, was Fußball-Romantiker freut und Wirtschaftsprüfer begrüßen. Unter weitgehend selbstständiger Führung ihrer Klubs ist die Deutsche Fußballliga (DFL) die wirtschaftlich gesündeste Europas. Sie wächst seit 13 Jahren, hat mit ihren 36 Mitgliedern aus erster und zweiter Liga 2016/17 zum ersten Mal die vier Milliarden Umsatzlinie überschritten. Die Vereine nennen 1,3 Milliarden Euro ihr Eigen – besser wirtschaftet keiner.

Der Meistertitel des FC Bayern entlockte allen nur noch ein Gähnen

Andererseits zementiert das die Verhältnisse, die vom FC Bayern derart dominiert werden, dass die Frage zum Saisonbeginn, wer Deutscher Meister wird, nur noch ein Gähnen entlockt. Daran ändert auch das 1:4 zum Saisonabschluss gegen Stuttgart nichts, bei dem Thiago & Co. offenbar bereits gedanklich unter der Weißbier-Dusche standen. Die Münchner haben die Schale zum sechsten Mal in Serie gewonnen. Beantwortet war die Meisterfrage schon kurz nach Ostern. Das ist dem FC Bayern nicht anzukreiden. Es ist neben vielem anderen auch ein Ergebnis ihrer Transfer-Politik. Zugegebenermaßen lässt sie sich mit mehr Geld besser gestalten, als mit wenig. Andererseits wäre Niklas Süle aus Hoffenheim mit seinem 21 Jahren beispielsweise auch für Borussia Dortmund zu haben gewesen. Nun entwickelt er sich in München zur Defensiv-Perspektive für das nächste Jahrzehnt.

Das Gegenbeispiel: Der 1. FC Köln hat seinen Top-Torjäger Anthony Modeste für 35 Millionen Euro Ablöse nach China ziehen lassen. 16 Millonen haben die Kölner in Jhon Cordoba investiert. Dessen Bilanz: 15 Einsätze, null Treffer – ein Totalausfall. Auch deshalb ist Köln abgestiegen. An der Fortsetzung der Bayern-Herrschaft führt dagegen kein Weg vorbei. Die Münchner sind schlichtweg zu groß für die Bundesliga. Sie sind ein erfolgreiches Kind der Champions League, die sie finanziell in eine eigene Liga befördert hat. Mögen Dortmund oder Leipzig gelegentlich heranrücken, am Ende ist der FC Bayern nicht mehr einzuholen.

Auch andere Ligen stehen vor ähnlichen Problemen

Das ist nicht nur ein Problem der Bundesliga. Auch in Italiens Serie A ist Juventus Turin gerade zum siebten Mal Meister geworden. Und in Spanien oder England sind es ebenfalls die üblichen Verdächtigen, die den Titel unter sich ausmachen. Was spräche also dagegen, die nationalen Branchenriesen in einer Super-League zusammenzufassen und die Bundesliga mit dem FC Bayern 1 B zu bestücken? Das Veto der nationalen Ligen, die auch vom Glanz ihrer Granden leben und der Widerstand der Hinterbliebenen für die jedes Bayern-Gastspiel ein Festtag ist.

Festtage, so die Klage der Analysten, bietet die Bundesliga schon jetzt zu wenige. Die Experten beklagen einen rapiden Leistungsabfall und verweisen auf die deutschen Champions- sowie Europa-League- Teilnehmer, die alle sang- und klanglos gescheitert sind. Am Ende war wieder nur der FC Bayern geblieben. Wer aber mit einem Bundesligisten bis in ein Halbfinale der Königsklasse fiebern möchte, muss bei derzeitiger Lage der Dinge dessen Dominanz in Kauf nehmen.

Dass die Bundesliga auch unterhalb von Platz eins gute Unterhaltung bieten kann, haben die letzten Wochen und das spannende Finale gezeigt. Der unwürdige Schlusspunkt in Hamburg hat noch einmal auf die Frage gelenkt, wem der Fußball eigentlich gehört. Die Ultras, die ihm mit großer Hingabe, Choreografien und Gesängen einen zweifellos unverzichtbaren Rahmen bieten, leiten daraus Besitzansprüche ab. Noch mehr deren radikale Flügel, die mit ihren düsteren Aufmärschen das zerstören, was vermeintlich ihre Leidenschaft ist. Tatsächlich gehört der der Fußball aber allen – und in erster Linie sich selbst.

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