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Fußball

29.06.2017

Der Torwart-Held aus der zweiten Liga

Vor einem Jahr war Julian Pollersbeck noch Ersatz in Kaiserslautern. Nun ist er einer der Stars der U21-EM. Sein Turnierstart war durchwachsen – dann kam ein Zaubertrank ins Spiel

Dass seine Karriere in diesem Tempo voranschreiten würde, hätte wohl auch Julian Pollersbeck nicht geglaubt. Vor einem Jahr hatte sich der heute 22-Jährige noch als Ersatzmann beim Zweitligisten 1. FC Kaiserslautern auf die Saison vorbereitet. Am Dienstag ist der gebürtige Altöttinger einer der Helden bei der U21-EM in Polen geworden: Mit zwei gehaltenen Elfmetern im Halbfinale gegen England beförderte er sein Team ins Finale gegen Spanien (Freitag, 20.45, ZDF). Nur zur Erinnerung: Der letzte deutsche Keeper, der als Nummer eins den Titel bei der U21-EM holte, hieß Manuel Neuer im Jahr 2009.

Dass Pollersbeck eine so gute Rolle bei dem Turnier spielen würde, war bei seinem ersten Einsatz in dem Turnier noch nicht abzusehen gewesen. Beim 2:0-Sieg der deutschen Mannschaft gegen Tschechien verschätzte er sich zweimal bei Pässen an seine Mitspieler und schoss stattdessen einen tschechischen Spieler an. Dass daraus kein Gegentor entstand, war Glück. Pollersbeck scherzte die Patzer weg: „Den Zuschauern sollte eben nicht langweilig werden. Nein, Spaß beiseite: Das ist natürlich Mist. Im nächsten Spiel bin ich besser gewappnet.“

Und tatsächlich: Beim 3:0 gegen Dänemark, war Pollersbeck Rückhalt seiner Mannschaft. Zu seiner Leistungssteigerung sagte er mit einem Augenzwinkern: „Wir haben Miraculix angerufen, dann haben wir einen Zaubertrank gemixt, und den hab ich dann getrunken.“ Offenbar hält die Wirkung des Zaubertranks immer noch an – die englische U21 kann seit Dienstag jedenfalls ein Lied davon singen. Beim 2:2 nach 120 Minuten kassierte der Keeper gerade mal seine Turniergegentore zwei und drei. Selke und Platte hatten für die deutschen Treffer gesorgt. Im Elfmeterschießen half Pollersbeck noch ein irdisches Hilfsmittel: Ein im Stutzen versteckter Spickzettel sollte ihm verraten, in welche Ecke die englischen Schützen zielen. Wer sich den Werdegang des jungen Schlussmanns innerhalb eines Jahres betrachtet, könnte auf die Idee kommen, dass der 22-Jährige tatsächlich über magische Hilfsmittel verfügt. Dass er vor der Saison überhaupt im Kader der Lauterer stand, war auch dem Sparkurs des Vereins geschuldet. Der damalige Schlussmann Marius Müller musste nach Leipzig verkauft werden. Gegenüber dem Neuzugang André Weis hatte Pollersbeck erst einmal das Nachsehen. Das Talent, das 2013 aus der Jugend von Wacker Burghausen in den FCK-Nachwuchs gewechselt war, schmorte auf der Bank. Erst als Weis am 4. Spieltag Rot sah, durfte Pollersbeck ran – und gab den Platz zwischen den Pfosten nicht mehr her. In 30 Partien spielte er 14 Mal zu Null – und das bei einem Abstiegskandidaten. Dass Pollersbeck offenbar keine Angst vor schwierigen Aufgaben hat, zeigt sein nächster Karriereschritt: Im Sommer geht es zum HSV, Kaiserslautern erhält knapp drei Millionen Euro Ablöse.

In Hamburg muss sich Pollersbeck gegen Christian Mathenia durchsetzen. Es gibt wohl einfachere Klubs für einen jungen Torwart als den mitunter hysterischen und stets abstiegsgefährdeten Bundesliga-Dino. Aber Pollersbeck hat schon andere Aufgaben erledigt. Und zur Not muss eben Miraculix wieder mit einem Zaubertrank helfen.

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