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Handball: Ein Spiel, das von den Sitzen reißt

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Kommentar Von Anton Schwankhart
16.01.2019

Über acht Millionen Zuschauer sahen sich die Spiele der deutschen Mannschaft an. Warum diese Sportart zu Unrecht im Schatten des Fußballs steht.

Zu den vielen Eigenschaften, die der Handball neben seiner Dynamik und dem Raum, den er der Kunst gewährt, besitzt, gehört auch, dass Spiele nie 0:0 enden. Zugegeben, dieses Ergebnis ist nicht zufällig gewählt, sondern absichtsvoller Angriff auf den Fußball, der alles im Land beherrscht und die Konkurrenz medial zu Randsportarten degradiert. Das gilt auch für den Handball, der jenseits von Europa- und Weltmeisterschaften nur ein regionales Phänomen ist – ein Prinz in der Provinz.

In diesen Tagen aber ist Deutschland WM-Gastgeber und Handball-König. Das mag in den ersten Runden noch nicht allerhöchstes Niveau beschert haben, weil, ähnlich wie im Fußball, eine WM in ihrer Breite weniger Qualität versammelt als eine EM und Partien vom Schlage Angola gegen Ägypten niemanden von den Sitzen reißen. Spätestens mit den Spielen der Deutschen gegen die alte Macht Russland und Weltmeister Frankreich fesselt die WM den Zuschauer aber ans Sofa.

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Deutscher Kader für die Handball-Weltmeisterschaft 2019
Bild: Soeren Stache, dpa

Man kann oft nicht mehr hinsehen, so spannend ist es

Ein wenig ist es in diesen Tagen wie an Abenden mit Fußball-Champions-League – nur spannender. Das spricht sich herum. Über acht Millionen Zuschauer bei den letzten beiden deutschen Spielen – und in Berlin steht die Halle kopf. Handball geht an die Nerven. Man kann oft nicht mehr hinsehen – und mag trotzdem die pralle Blase nicht leeren. Erst recht nicht, wenn es dem Ende zugeht. Es scheint, als folge das Spiel einer inneren Gesetzmäßigkeit. Mag eine Mannschaft kurz vor Schluss noch klar in Führung liegen – je weniger Spielzeit bleibt, umso enger rücken die Ergebnisse zusammen. Das ist dann kaum mehr auszuhalten, weshalb sich der strapazierte Zuschauer zum Luftholen ein paar Augenblicke Fußball-0:0 wünscht.

Die Fußball-Bundesliga muss um ihren Stammplatz vor den Sofas bangen

Die deutsche Mannschaft hat zuletzt ein besonderes Händchen für solche Dramatik entwickelt. Dass sie gegen Russland und Frankreich, trotz der beiden Unentschieden, als gefühlter Verlierer vom Platz ging, muss niemanden grämen. Es zeigt viel mehr, dass sie hingebungsvoll und mitreißenden Handball geboten hat, den Sieg verdient hätte und die Qualität für den WM-Titel besitzt. Am Wochenende kehrt zwar die Fußball-Bundesliga zurück. Gegen Handball in seiner aktuellen Form wird sie um ihren Stammplatz vor den deutschen Sofas kämpfen müssen.

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