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Coronavirus

16.03.2020

In Augsburg steht der Sport wegen des Coronavirus still

Im Sportzentrum des Post SV Augsburg geht erst einmal gar nichts mehr.
Bild: Ulrich Wagner

Plus Wegen des Coronavirus müssen auch in Augsburg alle Sportvereine schließen. Den Post SV trifft das besonders hart. Mitglieder könnten ihre Beiträge zurückfordern.

Am Montagabend um kurz nach 22.30 Uhr gingen im Sport- und Gesundheitszentrum des Post SV Augsburg erst einmal für längere Zeit die Lichter aus. Wann das „mySPA“ wieder eröffnet wird, weiß Heinz Krötz, der Vereinspräsident nicht. „Eine Antwort darauf wäre Kaffeesatzleserei“, sagt er.

Mit der Schließung auf unbestimmte Zeit hat der Post SV wie alle anderen Vereine jetzt erst einmal die Direktiven des Freistaates Bayern umgesetzt, der am Vormittag den Katastrophenfall ausgerufen hat. Um die Ausbreitung des Coronavirus einzudämmen, müssen auch alle Sportvereine ihre Anlagen schließen. Wie es jetzt weitergehen wird, konnte Krötz am Montag nicht sagen. Die Vereinsführung saß da zusammen, um erst einmal eine Bestandsaufnahme zu machen. „Wir haben jetzt erst einmal die rechtliche Situation geprüft, ob wir die Löhne und Gehälter weiterzahlen müssen. Wir müssen“, sagt Krötz. Etwas weniger als zehn Angestellte hat der Verein.

Ob Mitglieder Beiträge von Vereinen zurückfordern können, ist noch unklar

Was ihn und seine Kollegen Frank Bregulla, Fabian Krötz und Rudolf Reisch genauso umtreibt, ist der Fakt, dass sie nicht wissen, ob ihre Mitglieder ein Teil des Beitrags zurückverlangen können, weil sie ja nicht trainieren können. „Das sind alles Fragen, die wir Stand heute nicht beantworten können.“ Es sind aber auch Fragen, die sich alle Vereine stellen müssen. In Stuttgart zum Beispiel fordern Vereinsmitglieder nun vermehrt ihre Beiträge zurück. Das geht laut der Stadt auf Angaben des Amts für Sport und Bewegung zurück.

Den Post SV trifft es besonders hart, weil er mit seinem modernen Sportcampus neue Wege ging, um den Sporttreibenden ein gesamtheitliches Konzept zu bieten. So müssen jetzt auch die verpachtete Gastronomie und die Kindertagesstätte geschlossen werden. Wie hoch die Ausfälle durch den Wegfall der verpachteten Übungsräume unter anderem an die Volkshochschule sein werden – niemand weiß es.

Beim Post SV herrscht Galgenhumor

Dabei durchschifft das Post-Flaggschiff derzeit sowieso finanziell raues Gewässer. Denn die Baukosten des im August 2018 eröffneten Gebäudes sind, wie bei vielen Bauvorhaben, gestiegen. Um drei Millionen Euro auf 16,9 Millionen Euro. Hinzu kamen noch ungeregelte Streitigkeiten mit dem Finanzamt bezüglich des Vorsteuerabzuges und jetzt auch noch die Schließung der Anlage aufgrund des Coronavirus. „Alle guten Dinge sind ja bekanntlich drei“, bewies Heinz Krötz am Montag noch Galgenhumor.

 

Noch gelassen blicken die Verantwortlichen beim TV Augsburg auf die neue Situation. Auch einer der größten Vereine der Stadt muss nun all seine Anlagen samt des Fitnessstudios schließen. „Wir sind finanziell gesund und haben gut gewirtschaftet. Das haut uns jetzt nicht um“, sagte TVA-Präsident Heinz Beck. Alle Abteilungen haben den Trainingsbetrieb eingestellt, auch das Fitnessstudio ist geschlossen. Der Verein, der durch seine Größe bereits als mittelständisches Unternehmen geführt wird, prüft nun, wie es mit den Mitarbeitern weitergeht. Einige wurden in den Urlaub geschickt oder sollen Überstunden abbauen. Nur noch ein Rumpfteam ist somit derzeit im Verein tätig.

Trotz der Schließung müssen die Sportstätten weiter in Schuss gehalten werden

Vor allem den Reha-Sport hätte Heinz Beck gerne weiter angeboten. Das wäre in den großzügigen Räumlichkeiten des TV Augsburg wohl auch ohne größeres Risiko möglich gewesen. „Aber wir beugen uns natürlich den Vorgaben“, sagte der Präsident. Das Bistro, das hauptsächlich von Mitgliedern besucht wird, ist verpachtet. Es wird wohl schließen müssen. Wichtig sei aber auch, die Sportstätten weiter in Schuss zu halten. „Einfach nur einmotten, geht auch nicht“, sagte Beck, der aber betonte, dass die neue Situation ihn und seinen Verein nicht gänzlich überrascht hätte. „Wir waren vorbereitet und hatten uns schon Gedanken gemacht“, sagte der TVA-Präsident.

 

Gelassenheit herrscht auch noch bei der DJK Lechhausen. Der Vorsitzende Dieter Hallischafsky ist seit 48 Jahren im Amt – da wirft einen nichts so schnell um. „Wir werden auch das meistern“, sagte er zuversichtlich. Die Tennisplätze im Freien werden in den nächsten Tagen und Wochen weiter vorbereitet, um sie spielbereit zu haben – wenn wieder gespielt werden darf. Die Jahreshauptversammlung, die am 27. März hätte stattfinden sollen, wurde erst einmal abgesagt. Und der Fußballbetrieb etwa ruht ohnehin schon nach dem Beschluss durch den Bayerischen Fußball-Verband (BFV). Große finanzielle Folgen erwartet der Vorsitzende vorerst nicht, auch wenn die Abos in der Tennishalle teilweise zurückgezahlt werden müssten. „Da finden wir schon Lösungen“, sagte Hallischafsky. Die DJK hat ihre Vereinsgaststätte verpachtet, auch sie wird wohl demnächst schließen müssen. „Wir werden dem Pächter aber helfen“, versprach Hallischafsky.

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