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Fußball U21-EM

28.06.2017

Julian Pollersbeck: Der Torwart-Held aus der zweiten Liga

Torwart Julian Pollersbeck hat den entscheidenden Ball im Elfmeterschießen gehalten.
Bild: Nick Potts (dpa)

Vor einem Jahr war der 22-Jährige Ersatzmann in Kaiserslautern - nun ist er einer der Stars bei der U21-EM. Sein Turnierstart war durchwachsen. Dann kam ein Zaubertrank ins Spiel.

Dass seine Karriere in diesem Tempo voranschreiten würde, hätte wohl auch Julian Pollersbeck nicht geglaubt. Vor einem Jahr hatte sich der heute 22-Jährige noch als Ersatzmann beim Zweitligisten 1. FC Kaiserslautern auf die Saison vorbereitet. Am Dienstag ist der gebürtige Altöttinger einer der Helden bei der U21-EM in Polen geworden: Mit zwei gehaltenen Elfmetern im Halbfinale gegen England beförderte er sein Team ins Finale gegen Spanien (Freitag, 20.45, live auf ZDF). Nur zur Erinnerung: Der letzte deutsche Keeper, der als Nummer eins den Titel bei der U21-EM holte, hieß Manuel Neuer im Jahr 2009.

Dass Pollersbeck eine so gute Rolle bei dem Turnier spielen würde, war bei seinem ersten Einsatz in dem Turnier noch nicht abzusehen gewesen. Beim 2:0-Sieg der deutschen Mannschaft gegen Tschechien verschätzte er sich zweimal bei Pässen an seine Mitspieler und schoss stattdessen einen tschechischen Spieler an. Dass daraus kein Gegentor entstand, war pures Glück. Pollersbeck scherzte die Patzer weg: "Den Zuschauern sollte eben nicht langweilig werden. Nein, Spaß beiseite: Das ist natürlich Mist. Im nächsten Spiel bin ich besser gewappnet."

Und tatsächlich: Im nächsten Spiel, dem 3:0 gegen Dänemark, war Pollersbeck der erhoffte Rückhalt seiner Mannschaft. Auch für seine Leistungssteigerung hatte er einen Spruch parat und sagte mit einem Augenzwinkern: "Wir haben Miraculix angerufen, dann haben wir einen Zaubertrank gemixt, und den hab ich dann getrunken." Offenbar hält die Wirkung des Zaubertranks immer noch an - die englische U21 kann seit Dienstag jedenfalls ein Lied davon singen.

Wer sich Pollersbecks Werdegang innerhalb eines Jahres betrachtet, könnte auf die Idee kommen, dass der 22-Jährige tatsächlich über magische Hilfsmittel verfügt. Dass er vor der Saison überhaupt im Kader der Lauterer stand, war auch dem Sparkurs des Vereins geschuldet, der seinen damaligen Schlussmann Marius Müller nach Leipzig hatte verkaufen müssen.

Die deutschen Spieler bejubeln ihren Torwart Julian Pollersbeck (r) nach dem Sieg über England im Elfmeterschießen.
Bild: Jan Woitas (dpa)

Gegenüber dem Neuzugang André Weis hatte Pollersbeck auch erst einmal das Nachsehen. Das Talent, das 2013 aus der Jugend von Wacker Burghausen in den FCK-Nachwuchs gewechselt war, schmorte auf der Bank. Erst als Weis am 4. Spieltag rot sah, durfte Pollersbeck das erste Mal ran - und gab den Platz zwischen den Pfosten nicht mehr her. In 30 Partien spielte er 14 Mal zu Null - und das bei einem Verein, der lange Zeit um den Klassenerhalt zittern musste. Nur Philipp Tschauner, der mit Hannover 96 in die Bundesliga aufstieg, kann eine bessere Quote vorweisen.

Dass Pollersbeck ganz offenbar keine Angst vor schwierigen Aufgaben hat, zeigt sein nächster Karriereschritt: Im Sommer geht es zum Hamburger SV, Kaiserslautern erhält knapp drei Millionen Euro Ablöse. In Hamburg muss sich Pollersbeck gegen Christian Mathenia durchsetzen. Es gibt wohl einfachere Klubs für einen jungen Torwart als den mitunter hysterischen und stets abstiegsgefährdeten Bundesligadino. Aber Pollersbeck hat schon andere Aufgaben erledigt. Und zur Not muss eben Miraculix wieder helfen.

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