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Analyse

02.03.2018

Viele Baustellen bei den Ulmer Basketballern

Die Abreibung in Ludwigsburg ist an den Gesichtern von Thorsten Leibenath, Isaac Fotu und Ryan Thompson (von links) abzulesen.
Bild: Eibner/Sascha Walther

Letztmals haben die Ulmer vor mehr als drei Jahren so schlecht gespielt wie in Ludwigsburg. Damals nahm die Saison ein gutes Ende. Dieses Mal wohl nicht.

Es ist lange her, dass die Basketballer von Ratiopharm Ulm in der Bundesliga eine derart schlechte und blutleere Leistung abgeliefert haben wie am Mittwoch bei der 54:89-Abfuhr in Ludwigsburg. Nämlich etwas mehr als drei Jahre. Am 15. Februar 2015 verloren die Ulmer ihr Heimspiel gegen den MBC mit 63:84 und wurden von ihrem eigenen Anhang ausgepfiffen. Das Management reagierte prompt mit der Nachverpflichtung von Brion Rush und Ian Vougioukas, die Saison nahm mit dem Einzug ins Halbfinale der Play-offs noch ein erfreuliches Ende. Der Glaube daran, dass das erneut klappen könnte, schwindet zunehmend. Es gibt in dieser Saison einfach zu viele Baustellen im Ulmer Basketball. Eine Übersicht:

Verletzungen: Dass Tim Ohlbrecht erneut monatelang gefehlt hat, dass Per Günther selten wirklich gesund ist, dass zu Beginn des Jahres Luke Harangody operiert werden musste und dass immer wieder auch andere Spieler ausfallen – dafür kann natürlich niemand etwas. Aber man hätte möglicherweise wirkungsvoller gegensteuern können.

Personalpolitik: Was teilweise in dieser Saison passiert ist, das erschließt sich nämlich nicht wirklich. Trotz der Erkenntnis, dass Ulm auch wegen der Ohlbrecht-Verletzung direkt unter dem Korb ein Problem hat, kam im Herbst mit Jerrelle Benimon zunächst ein Mann, der auf dieser Position auch nicht wirklich zuhause ist und der in erster Linie rebounden kann. Von der Sorte hatte und hat Ulm schon ein paar Spieler. Dafür wechselte wenig später Toure Murry nach Griechenland. Der Amerikaner war neben dem kriselnden Per Günther der einzige gelernte Spielmacher im Kader. Ende Februar schließlich und damit sieben Monate nach der Verpflichtung gelangte man in Ulm zu der Erkenntnis, dass Trey Lewis nicht in die Mannschaft passt. Ein Spieler wohlgemerkt, der zuvor eine bärenstarke Saison in Bayreuth gespielt hatte und von dem man in der ganzen Bundesliga genau wusste, wie er spielt und wie er tickt. Es gibt inzwischen durchaus sogar basketballaffine Menschen, deren Interesse an den ständigen Wechselspielchen und den Ulmer Personalien deutlich nachgelassen hat.

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Einstellung: Der immer wieder kehrende Eindruck, dass die Ulmer Profis es ja besser könnten, wenn sie sich ein bisschen mehr anstrengen würden, ist richtig schlimm. Gerade in einer Sportart wie Basketball, der ohnehin ein Söldner-Image anhaftet. Gefordert wären hier auch Führungsspieler wie Per Günther und Tim Ohlbrecht. Aber die haben wegen ihrer gesundheitlichen Probleme vermutlich genug mit sich selbst zu tun.

Trainer: Thorsten Leibenath braucht sich dem Vernehmen nach keine Sorgen um seinen Job zu machen. Er hat in den vergangenen Jahren viel erreicht in Ulm und offensichtlich traut das Management ihm zu, dass er auch diesmal mit der Mannschaft die Kurve kriegt. Der Trainer muss nun dringend dem Eindruck entgegen wirken, dass die Spieler gar nicht auf ihn hören. Insgesamt ist Leibenath dünnhäutig geworden und er reagiert oft gereizt auch auf harmlose und sachliche Fragen von Journalisten.

Ausreden: Der Trainer erliegt zwar äußerst selten der Versuchung, schwache Leistungen seiner Mannschaft zu beschönigen. Das Gejammer über die Terminierung der Ludwigsburg-Partie wegen der voran gegangenen Länderspiel-Reisen von drei Ulmer Profis war aber überflüssig und es hat der Mannschaft eine Ausrede für ihr Versagen geliefert. Zur Einordnung: Die deutsche Eishockey-Nationalmannschaft kämpfte am Sonntagmorgen in Korea um olympisches Gold. Am Mittwoch war dann bereits ein Spieltag in der DEL angesetzt.

Orange-Campus: Der zähe Kampf um die Realisierung des Trainingszentrums bindet sicher viele Kräfte im Management, die Diskussionen darüber und das bisweilen ungeschickte werbliche Dauerfeuer mögen ermüdend und inzwischen nervig sein. Die Profis hat das aber nicht zu interessieren. Die verdienen in dieser Saison gutes Geld in Ulm, in der nächsten vielleicht schon irgendwo anders auf der Welt, wo es sicher keinen Campus gibt. Dafür haben sie gefälligst Leistung abzuliefern. Wer das bisher schwache Abschneiden der Ulmer Bundesliga-Mannschaft in irgendeinen Zusammenhang mit dem Orange-Campus bringt, der bedient sich einer – Ausrede (siehe oben).

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