1. Startseite
  2. Sport
  3. Eishockey
  4. Augsburger Panther
  5. AEV-Kapitän Tölzer: "Gegen uns willst du nicht spielen"

Augsburger Panther

07.08.2019

AEV-Kapitän Tölzer: "Gegen uns willst du nicht spielen"

In den vergangenen fünf Spielzeiten führte Steffen Tölzer die Augsburger Panther als Kapitän aufs Eis. Am Freitag folgt mit dem ersten Eistraining der Startschuss in die neue Saison.
Bild: Ulrich Wagner

Plus Der Spielführer der Augsburger Panther sendet eine Kampfansage an die Konkurrenz und sagt, warum aus Trainer Tray Tuomie jetzt ein "Bad Cop" werden muss.

Der Sommer neigt sich zumindest für einen Eishockey-Profi schon dem Ende entgegen. Im Curt-Frenzel-Stadion ist das Eis präpariert. Wie haben Sie Ihren Urlaub verbracht?

Steffen Tölzer: Wir waren mit der Familie in Italien, in Lignano auf einem Campingplatz. Wir hatten dort ein Mobile Home gemietet. Wir wollten mit den beiden Kindern nicht fliegen, weil sie mit vier und sechs Jahren noch relativ klein sind. Also sind wir mit dem Auto nach Italien, war super. Die Kinder konnten sich richtig austoben.

Hatten Sie nach der vergangenen sehr langen Saison auch das Bedürfnis, sich auszutoben?

ecsImgBannerNewsletter250x370@2x-1315723864673274678.jpg

Tölzer: Naja, nach den Play-offs habe ich erst eine Woche komplett Pause gemacht – so fertig war ich schon lange nicht mehr. Nach der Woche wollte ich laufen gehen und hab’ schnell gemerkt: Ne, da geht noch gar nichts. Ich habe dann noch eine zweite Woche drangehängt. Manchmal muss man auf seinen Körper hören.

Nächste Saison dann also doch lieber keine Play-offs mehr...?

Tölzer: Ne ne, die zwei Wochen nehme ich gerne in Kauf. So ein kurzer Sommer hat schon was.

Wie lange hat es gedauert, bis Sie diese außergewöhnliche Saison mit Platz 3 in der Hauptrunde und dem Sieben-Spiele-Marathon im Halbfinale gegen München realisiert hatten?

Tölzer: Das hat schon ein paar Tage gedauert. Zuerst war die Enttäuschung groß über das Ausscheiden. War aber eine geile Serie, wie zuvor auch schon die gegen Düsseldorf. Die Fans waren legendär, die Stimmung in der Stadt auch. Das war vergleichbar mit der Begeisterung, als wir Vizemeister geworden sind. Ich mag mir gar nicht vorstellen, was da abgegangen wäre, wenn wir auch noch ins Finale eingezogen wären...

Wobei Mannheim möglicherweise eine Nummer zu groß gewesen wäre.

Tölzer: Wir hätten sie aber ärgern können. Vielleicht sogar mehr als München. Wir sind ein anderes Team. Gegen uns willst du nicht spielen, das ist ganz, ganz unangenehm. Robust, schnell. Mannheim hat sich definitiv München im Finale gewünscht.

Haben Sie Sorge, dass die Erwartungshaltung nach diesem Erfolg zu groß sein wird?

Tölzer: Das Umfeld wird definitiv erwarten, dass wir in der kommenden Saison ähnlich erfolgreich sind. Intern im Verein bleiben wir realistisch und bodenständig. Wir wollen wieder unseren zehnten Platz. Wir spielen zusätzlich in der Champions Hockey League und haben da was vor. In der DEL ist das Erreichen der ersten Zehn Pflicht – alles was drüber ist, nehmen wir dankend an. Die anderen Teams haben sich gut verstärkt, uns unterschätzt keiner.

Wovon hängt der Erfolg ab?

Tölzer: Eine Saison ist lang. Du musst einigermaßen gesund durchkommen. Der Charakter in der Mannschaft stimmt. Jeder wird wieder alles in die Waagschale werfen und Gas geben. Keiner wird sich auf den Erfolgen von gestern ausruhen.

Wie haben Sie den Abschied von Trainer Mike Stewart in Richtung Köln aufgenommen?

Tölzer: Er muss gehen, wenn er so eine Chance bekommt. Wir schauen jetzt voraus und ich habe volles Vertrauen in Tray Tuomie. Er kennt das System, er kennt uns. Mit Jamie Bartman hat er sich einen guten Co-Trainer rausgesucht.

Wird es eine große Umstellung sein, wenn mit Tuomie jetzt auf einmal der bisherige Assistent die Kommandos gibt?

Tölzer: Tuomie und Stewart waren eine Art von Good Cop/Bad Cop. Jetzt wird Tray zum Bad Cop. Das kann er. Da sind aber auch wir Führungsspieler in der Verantwortung, ihn zu unterstützen.

Also Tuomie kann auch mal laut werden?

Tölzer: Ja, das hat er drauf. Das braucht eine Eishockey-Mannschaft auch, dass sie mal angeschrien wird. Das ist Standard. Ich weiß nicht, ob du das mit Fußballern machen könntest. Wir sind da mental etwas belastbarer, wir sind so aufgewachsen.

Mike Stewart wurde öfter mal laut in der Kabine

Wurde es in der vergangenen Erfolgssaison auch mal laut in der Kabine?

Tölzer: Oh ja, wow... Da gab es schon ein paar klare Ansagen von Stewart. Aber er wurde nie ohne Grund laut. Jeder wusste: Verdammt, er hat recht.

Panther
27 Bilder
Augsburger Panther: Der AEV-Kader für die Saison 2019/20
Bild: Ulrich Wagner

Wie schwer wiegt der Abgang von Matt White?

Tölzer: Der ist schon ein verdammt guter und cleverer Spieler. Er ist ja nicht besonders groß, aber trotzdem tough, extrem flink, immer entspannt, nie verkrampft – richtig gut. Das tut schon weh, so einen zu verlieren. Er und Drew LeBlanc haben die wichtigen Tore gemacht, er konnte ein Spiel entscheiden.

Erstes offizielles Eistraining ist am 9. August, exakt 20 Tage später steht schon das erste CHL-Spiel an. Ist das zu wenig Vorbereitungszeit?

Tölzer: Wenn die Mannschaft komplett umgebaut worden wäre, dann wäre das tatsächlich sehr sportlich. Wenn Tray das System nicht großartig ändert, haben wir den Luxus, dass wir schnell eingespielt sein werden. Jeder weiß, was zu tun ist. Das geht relativ zügig.

Welchen Stellenwert hat die CHL?

Tölzer: Am wichtigsten ist die DEL, ganz klar. Aber wenn ich mir unsere Gruppe in der CHL anschaue, dann können wir da durchaus weiterkommen. Am schwierigsten wird es natürlich gegen die Schweden, aber Belfast und Liberec können wir schlagen.

Themen Folgen

Sie haben nicht die Berechtigung zu kommentieren. Bitte beachten Sie, dass Sie als Einzelperson angemeldet sein müssen, um kommentieren zu können. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an moderator@augsburger-allgemeine.de.

Bitte melden Sie sich an, um mit zu diskutieren.

Das könnte Sie auch interessieren