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Augsburger Panther

14.09.2018

Adam Payerl: Der neue Torjäger kann auch die Fäuste fliegen lassen

Die Umstellung auf die größere Eisfläche in Europa scheint Adam Payerl gelungen zu sein. In der Vorbereitung traf er regelmäßig
Bild: Siegfried Kerpf

Adam Payerl soll den nach München abgewanderten Trevor Parkes ersetzen. In der Vorbereitung hat er schon angedeutet, dass ihm das gelingen kann.

Adam Payerl ist beeindruckend. 99 Kilo Kraft verteilen sich auf 191 Zentimeter Körpergröße. Der neue Stürmer in Diensten der Augsburger Panther soll den nach München abgewanderten Torjäger Trevor Parkes ersetzen. In der Vorbereitung deutete der 27-Jährige an, dass er dieser Herausforderung gewachsen ist. Payerl geht dorthin, wo es wehtut. Sein Arbeitsplatz ist direkt vor dem gegnerischen Tor. Dort also, wo die Abwehrspieler am energischsten zulangen. Payerl soll dem Torwart die Sicht nehmen, Pucks abfälschen oder Abpraller über die Linie befördern.

Zu den Kernkompetenzen auf dieser Position gehört eine Mischung aus Nehmerqualität und gesunder Härte. Wer sich von Zweiterem ein Bild machen möchte, sollte den Namen Adam Payerl bei Google eingeben. Die Suchmaschine spuckt jede Menge Videos aus, auf denen der Gesuchte im Ausüben des gepflegten Faustkampfs zu beobachten ist. Und um es vorwegzunehmen: Es ist eine schlechte Idee, sich auf eine solche Auseinandersetzung mit Payerl einzulassen. Der Mann schlägt einen harten rechten Haken.

Ein Schlägertyp ist Payerl aber nicht. Ganz im Gegenteil. Wer sich mit dem Kanadier unterhält, lernt einen ruhigen, fast schon zurückhaltenden Mann kennen. Er antwortet ruhig und überlegt – und meist in knappen Sätzen. Payerl ist keine Plaudertasche und tritt auch in der Kabine nicht als eine solche auf. Er lässt lieber Taten sprechen – und manchmal eben auch die Fäuste.

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„Ich hatte natürlich schon einige Fights in meiner Karriere, aber das passiert. Als großer Kerl stehe ich oft mit kleineren, technisch starken Spielern in einer Reihe. Und wenn ich sehe, dass die unfair behandelt werden, muss ich eben eingreifen.“

Mike Stewart über Payerl: „Den schiebst du nicht so schnell mal weg“

Glücklicherweise passiert Derartiges eher selten, denn ein Payerl auf der Strafbank ist für jedes Team eine Schwächung. Steht der Stürmer auf dem Eis, strahlt er sofort Torgefahr aus. „Den schiebst du nicht so schnell mal weg“, sagt sein Teamkollege und Panther-Kapitän Steffen Tölzer. Und auch Trainer Mike Stewart verspricht sich einiges von Payerl, der in diesem Sommer so etwas wie der Königstransfer der Augsburger gewesen sein könnte. „Trotz seiner Größe ist er ein guter Skater, der den Puck speziell an der Bande immer wieder gut abschirmt. Er kann auf allen Positionen im Angriff eingesetzt werden. Zudem war es uns wichtig, dass er Rechtsschütze ist“, sagt Stewart. Payerl passt auch perfekt in die Vorgabe, die Mannschaft körperlich robuster zu machen.

Zwei Spiele absolvierte Payerl in der NHL, schaffte aber nicht den Durchbruch in der besten Liga der Welt. Die vergangenen fünf Jahre verbrachte er stattdessen eine Etage darunter in der AHL, zuletzt für die Providence Bruins.

Schon im vergangenen Sommer habe er sich kurz mit Stewart unterhalten, erzählt Payerl. Stewart ist bei den Panthern Trainer und Manager in Personalunion und bricht jedes Jahr nach Saisonende zu einem längeren Scouting-Trip nach Nordamerika auf. Dort hatte er Payerl schon länger auf dem Zettel, jetzt konnte er ihn von einem Wechsel nach Europa überzeugen.

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Bild: Siegfried Kerpf

„Das ist natürlich ein gewaltiger Schritt“, sagt Payerl. „Ich war zuvor erst einmal in Europa – mit sechs Jahren zusammen mit meinen Eltern in Österreich. Meine Großeltern stammen von dort, aber ich habe an die Reise fast keine Erinnerung mehr.“

Der Wechsel zu den Panthern bedeutet für ihn also auch das Kennenlernen einer komplett neuen Kultur und Sprache. „Die erste Woche in Augsburg war eine echte Herausforderung“, sagt Payerl. Beim Einkaufen von Lebensmitteln etwa, als er einem Verkäufer vergeblich zu erklären versuchte, was er wollte.

Ein bisschen Deutsch kann Payerl schon

Auch deshalb versucht der Kanadier möglichst schnell, zumindest ein paar Brocken Deutsch zu lernen. Eines der wichtigsten bayerischen Wörter kennt er schon: Servus. „Ich habe gelernt, dass das eigentlich immer passt, wenn man sich begrüßt oder verabschiedet.“ Fließend kommt ihm auch der Satz „Ein Helles bitte“ über die Lippen.

Das Bier schmeckt Adam Payerl (zweiter von links) schon. Hier ist er mit John Rogl und Matt Fraser bei Riegele-Chef Sebastian Priller zu Gast um das „Panther Pur“ einzubrauen.
Bild: Ulrich Wagner

In Augsburg hat er sich von den erfahrenen Kollegen Scott Valentine und Brady Lamb die besten Restaurants und Cafés schon zeigen lassen. Valentine hat ihm zudem ein Fahrrad geliehen. „Damit kommst du am schnellsten durch die Stadt.“ Der Goldene Saal im Rathaus stand bereits auf dem Programm. „Das war sehr beeindruckend. Als Nächstes schaue ich mir die Fuggerei an.“

Aus der AHL ist Payerl lange Busfahrten gewöhnt

Vor allem aber wird sich Payerl in den kommenden Monaten die DEL-Standorte in Deutschland anschauen. Speziell die Busfahrt nach Bremerhaven sei ihm von seinen Kollegen besonders einprägsam beschrieben worden, erzählt der 27-Jährige. Rund neun Stunden dauert die Fahrt von Augsburg in den hohen Norden. Aus der AHL ist Payerl aber lange Busfahrten gewöhnt. Rund 80 Prozent der Strecken seien dort auf dem Highway zurückgelegt worden. Nur für die weitesten Dienstreisen stieg die Mannschaft ins Flugzeug. Das wiederum passiert in Augsburg aus Kostengründen nur in absoluten Ausnahmefällen.

Gut nur, dass Österreich nicht ganz so weit entfernt liegt. Während der Vorbereitung bekam Payerl Besuch von dort. Einige entfernte Verwandte aus der Nähe von Graz nutzten die Nähe, um zu dem unbekannten Familienmitglied Kontakt aufzunehmen. „Wir sind zwar verwandt, haben uns da aber zum ersten Mal getroffen.“ Nach der Saison wolle er zum Gegenbesuch aufbrechen.

Zwei, auf die im Konzept von Mike Stewart eine große Rolle spielen: Adam Payerl (links) und Abwehrchef Bradey Lamb.
Bild: Siegfried Kerpf

Momentan aber muss der 27-Jährige in Augsburg heimisch werden. Die Panther hätten ihm das leicht gemacht. „Duanne Moeser kümmert sich um jeden von uns extrem gut. Wenn irgendwas ist, wir können immer zu ihm kommen.“ Zudem sei er in eine intakte Mannschaft gekommen. Hilfreich sei auch gewesen, dass er mit Matt White und Sahir Gill in Nordamerika schon in einem Team spielte. „Ein paar bekannte Gesichter zu sehen hat mir den Übergang sehr viel leichter gemacht.“ Stewarts Taktik habe er schnell verinnerlicht. „Ich habe in Nordamerika in vielen verschiedenen Teams gespielt. Da lernst du, dich schnell auf ein neues System einzustellen.“ Einen Monat benötige es in etwa, bis all die Laufwege und Vorgaben des Trainers zu Automatismen werden. „Dann musst du nicht mehr darüber nachdenken, wohin du in dieser oder jener Situation hinmusst. Dann funktioniert das ganz intuitiv.“

Die größere Eisfläche in Europa bedeutete die massivste Umstellung

Vor allem auf die größere Eisfläche habe er sich erst einstellen müssen, sagt Payerl. In Nordamerika ist weniger Platz auf dem Eis, „es geht dadurch körperlich härter zur Sache. Du musst dich bei jedem Wechsel darauf einstellen, dass du einen Check abbekommst. In Europa musst du erst einmal so nahe an deinen Gegenspieler herankommen, wenn du ihn checken willst.“

Komplett anders ist auch das, was auf den Rängen passiert. „Die Fans sind sehr viel lauter hier als in Nordamerika. Die Atmosphäre ist viel besser. In der AHL brauchen sie jede Menge Musik und Animation auf den Videowürfeln, damit ein bisschen Stimmung aufkommt.“ Besonders das Gastspiel in Neumarkt in Südtirol hat Payerl schwer beeindruckt. Mehrere Hundert Pantherfans hatten ihre Mannschaft dorthin begleitet und beim Gewinn des Dolomitencups unterstützt. „Das war richtig toll. So etwas habe ich vorher nicht gekannt. Ich bin gespannt, wie die Stimmung während der Saison ist.“

Dieser Artikel ist in unserer Sonderbeilage zum Saisonstart der Augsburger Panther erschienen. Die ganze Ausgabe zum Durchblättern finden Sie hier.

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