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Augsburger Panther

29.05.2020

Anzug statt Trikot: So plant Ex-AEV-Spieler Ullmann seine Zukunft

Ein Bild, das es nicht mehr geben wird: Christoph Ullmann im Trikot der Augsburger Panther. Der 37-Jährige hat seine Karriere beendet.
Bild: Ulrich Wagner

Plus Der ehemalige Stürmer der Augsburger Panther spricht über sein neues Leben als Spielerberater, den Gehaltsverzicht in der DEL und das schmerzhafte Karriereende.

Christoph Ullmann ist einer der erfolgreichsten Spieler der DEL-Geschichte. Der gebürtige Altöttinger wurde mit Köln und Mannheim Meister, bevor er seine Karriere bei den Augsburger Panthern beendete. Der Saisonabbruch wegen der Corona-Pandemie sorgte jedoch für ein bitteres Karriere-Ende. Wie Ullmann dies mit einigem zeitlichen Abstand sieht, warum er den Gehaltsverzicht in der DEL kritisch betrachtet und warum ihn Augsburg überrascht hat, erzählt er im Interview mit unserer Redaktion.

Ihre Karriere endete mit der Kombination aus einer Knieverletzung und einer Pandemie. Oder anders: Als die vergangene Saison nach der Hauptrunde abgebrochen wurde, waren sie noch nicht wieder fit und hätten erst in den Play-offs wieder spielen können. Bitter?

Christoph Ullmann: Ich dreh es mal um: Wenn ich nicht verletzt gewesen wäre, dann wäre mein letztes Spiel ein Heimsieg gegen den KEC gewesen. Auch mein erstes Spiel für den AEV war gegen Köln. Da hätte sich der Kreis ganz cool geschlossen. Aber ich weiß natürlich auch, dass Verletzungen zum Sport dazu gehören. Mich hat es leider am 26. Januar im Heimspiel gegen Straubing erwischt. Ich war auf einem guten Weg und hätte es vielleicht geschafft, nochmal im Verlauf der Play-offs zurück zu kommen. Aber dann hat Corona die ganze Sache beendet, worauf ja keiner von uns Einfluss hatte. Ich bin nicht traurig darüber, wie das gelaufen ist. Ich bin glücklich, was ich in 19 Jahren als Profi alles erleben durfte.

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"Augsburg war als Stadt und Organisation eine Bereicherung"

Was nehmen Sie aus den letzten beiden Jahren in Augsburg mit?

Ullmann: Abartig war mein erstes Jahr beim AEV, in dem wir die beste Hauptrunde der Vereinsgeschichte gespielt haben. Und dann die ganzen Eindrücke und Erfahrungen, mit dem AEV in der Champions Hockeyleague durch Europa zu tingeln. Die Unterstützung der Fans war unglaublich, das hat schon richtig viel Spaß gemacht und war eine unglaublich coole Zeit. Augsburg war auch als Stadt und als Organisation eine unglaubliche Bereicherung. Ich hatte Augsburg nie auf der Karte. Du denkst in Deutschland ja an Köln, Berlin, Hamburg – aber eher nicht an Augsburg. Umso mehr hat mich die Stadt positiv überrascht. Ich werde mit meiner ganzen Familie sehr bald mal wieder hinfahren.

Stichwort Familie: Ihre Frau und zwei Kinder blieben in Mannheim wohnen. Augsburg dürfte für Sie also auch mit langen Zug- und Autofahrten verbunden bleiben...

Ullmann: Ja, auf jeden Fall. Als wir uns damals für Augsburg entschieden haben war ein Auswahlkriterium, dass es eine direkte ICE-Anbindung gibt. Und das haben wir natürlich voll ausgekostet. Mein zehnjähriger Sohn Lennox wurde neulich gefragt, was ihm denn an der Zeit nicht gefallen habe, als der Papa nicht zuhause war. Da hat er gesagt, dass das die Zeit war, als sie so viel sitzen mussten. Erst drei Stunden im Zug, dann waren wir kurz beim Papa in der Wohnung, dann mussten wir wieder in der Straßenbahn sitzen, um uns dann zweieinhalb Stunden ins Eisstadion zu setzen. Das war eine Aussage, die er jetzt im Nachgang getätigt hat. Meine Familie hat viel auf sich genommen, um mich zu sehen. Trotzdem: Es war damals unsere Entscheidung, dass ich mit dem Eishockey noch nicht aufhören will und wir uns nochmal in ein Abenteuer stürzen. Das Abenteuer Augsburg war supercool und wir nehmen sehr viele positive Eindrücke mit - und ich bin mir sicher, dass Lennox es verkraften wird, dass er damals ein paar Stunden im Auto gesessen hat.

Wie kommen Sie mit Bezeichnung Ex-Profi klar?

Ullmann: Kein Problem. Wenn man sich entscheidet, seine Karriere zu beenden, findet ab dem Zeitpunkt automatisch ein Abkapselungsprozess statt. Du befasst dich mit der Zeit danach, ob du es willst oder nicht. Es war nicht so, dass ich ab dem Zeitpunkt meine Wohnung ausgeräumt oder mir keine Schnürsenkel mehr für meine Schlittschuhe gekauft hätte. Überhaupt nicht, ich habe weiterhin 120 Prozent investiert. Aber man freundet sich mit dem Gedanken an, was die Aufgaben nach dem Eishockey sind. Man führt dann nachmittags das ein oder andere Telefonat. Und natürlich schaut man ab und zu auf den Kalender. Die Uhr tickt dann.

Karriereende? "Ich habe den richtigen Zeitpunkt getroffen"

Manche tun sich damit ja schwer, den richtigen Zeitpunkt zu erwischen.

Ullmann: Mit solchen Leuten bin ich auch schon in der Kabine gesessen. Die sich immer weiter durchgequält haben. Ich glaube, ich habe da den richtigen Zeitpunkt getroffen. Ich hatte unglaubliche 19 Jahre, durfte dreimal den Pokal hochhalten, habe in coolen Städten gespielt. Für mich war es immer wichtig, mit viel Spaß am Morgen in die Halle zu gehen - und das war überwiegend der Fall.

Christoph Ullmann bestritt über 900 Spiele in der DEL und nahm an zehn Eishockey-Weltmeisterschaften teil.
Bild: Siegfried Kerpf

Haben Sie mal nachgezählt, wie viele Trainer Sie als Profi erlebt haben?

Ullmann: Habe ich tatsächlich mal, aber ich weiß es schon gar nicht mehr. Es waren etliche, auch in der Nationalmannschaft – um die 25 auf jeden Fall. Am turbulentesten war es damals in Köln, als ich in drei Jahren sechs verschiedene Trainer hatte. Oder in meinem ersten Jahr, als ich nach Duisburg ausgeliehen war: Da sind nacheinander drei Trainer durch die Kabine gelaufen.

In Augsburg hatten Sie erst Mike Stewart, dann dessen Assistenten Tray Tuomie als Trainer. Momentan ist der Posten verwaist. Was würden Sie Panter-Boss Lothar Sigl in dieser Angelegenheit raten?

Ullmann: Ganz schwierig. Lothar kennt das Geschäft schon viel viel länger. In der Kabine zu sitzen oder solche Entscheidungen zu treffen sind wirklich zwei ganz unterschiedliche Positionen. Er hat mir mal gesagt, dass er viele Entscheidungen aus dem Bauch heraus trifft. In der Vergangenheit ist er sehr gut damit gefahren. Deshalb würde ich ihm keinen Rat geben wollen. Es ist sehr einfach, etwas von außen rein zu rufen, weil man sich von seinen Gefühlen oder Emotionen leiten lässt. Lothar hat ein gutes Händchen und wird die richtige Entscheidung treffen. Ob das dann weiter Tray Tuomie sein wird, das weiß ich nicht. Darüber habe ich nicht mit ihm gesprochen.

Wie rege ist der Kontakt noch zu ihren ehemaligen Panther-Kollegen?

Ullmann: Sehr rege. Eigentlich haben wir fast täglich Kontakt. Es gibt eine sehr lustige Gruppe in den sozialen Netzwerken, da tauschen wir uns regelmäßig aus.

Beruflich sind Sie seit kurzem als Spielerberater tätig. Wie groß war die Umstellung?

Ullmann: Seit Anfang Mai habe ich den Kabinenplatz gegen den Bürostuhl eingetauscht. Ich bin jetzt in der Agentur SMA tätig und sitze in einem Büro, das 150 Meter vom Golfplatz entfernt ist. Ich baue mir jetzt mein Netzwerk weiter aus. Wir haben kürzlich eine Kooperation mit einer nordamerikanischen Spielervermittlungsagentur geschlossen. Ich bin im täglichen Austausch mit Teams und Spielern und stelle mich da in meiner neuen Rolle vor. Ich habe es mir langweilig vorgestellt, aber es macht unglaublich viel Spaß, weil es total abwechslungsreich ist.

Wie kommt man als Neuling in dieses Geschäft rein?

Ullmann: Ich will mich natürlich in dem Markt etablieren. Bei SMA baue ich den Bereich Eishockey ganz neu auf. Bisher war die Agentur nur im Golf tätig. Jetzt liegt es an mir, talentierte junge Spieler ausfindig zu machen. Sie auf mich aufmerksam zu machen. Gespräche zu suchen. Informationen bei den Trainern einzuholen. Dann, ganz ganz wichtig, die Eltern kennen zu lernen und ein Vertrauensverhältnis aufzubauen. Ich laufe jetzt aber nicht durch die Republik und schmeiße mit Verträgen um mich. Ich will den Spielern und Familien gerecht werden und sie auf ihrem Karriereweg begleiten. Oft fehlt den jungen Spielern die Erfahrung, den Eltern fehlt oft das Know-how bei der ganzen Sache - und da kommen wir als Agentur ins Spiel, um helfend zur Seite zu stehen.

Drew LeBlanc wird auch in den kommenden beiden Spielzeiten für die Augsburger Panther auflaufen.
27 Bilder
Der bisherige AEV-Kader für die Saison 2020/21
Bild: Siegfried Kerpf

In der DEL sollen die Spieler zustimmen, auf bis zu 25 Prozent ihres Gehalts zu verzichten. Wie beurteilen Sie diese Entscheidung der Gesellschafter?

Ullmann: Schwierig, sehr schwierig. Man nimmt immer die NHL als Beispiel. Da gibt es eine Spielergewerkschaft, die mit der Liga verhandelt, um für alle eine richtige Lösung zu finden. In Deutschland ist es so, dass die Jungs Verträge über acht, neun oder zwölf Monate haben. Jeder Vertrag sieht anders aus. Da eine einheitliche Lösung zu finden, ist definitiv nicht einfach. Die Überschrift muss sein, dass alle versuchen, die DEL zu retten. Denn wenn du ein altes Ost-Konzept hast, in dem es nur noch drei oder vier Vereine gibt, hat ja auch keiner Spaß. In anderen Ländern in Europa läuft das ganz anders ab. Da sind wir mit der DEL schon auf einer ganz guten Verhandlungsebene.

Eine Spielergewerkschaft würden Sie aber begrüßen?

Ullmann: Wenn man sich die Anzahl der Klubs und Spieler anschaut, den hochprofessionellen Sport, den wir treiben - da ist eine Gewerkschaft nie etwas Verkehrtes. Wenn du eine starke Stimme hast, die die Spieler vertritt und auch gehört wird, ist das definitiv vernünftig.

Der Vorwurf vieler Spieler bezieht sich auch nicht unbedingt auf den Gehaltsverzicht, sondern auf die Art und Weise, wie das Projekt von der DEL übers Knie gebrochen wurde.

Ullmann: Das ist richtig. Nehmen Sie einen älteren Spieler am Ende der Karriere, der noch ein Jahr Vertrag hat. Familie zuhause, das Haus muss abbezahlt werden. Daneben ein junger Spieler, der noch 15 Jahre in der DEL spielen möchte. Der Junge verzichtet natürlich, auch wenn es ihm weh tut. Der Alte sitzt daneben und sagt, er kann gar nicht verzichten, weil er nur noch ein Jahr hat und alles abbezahlen muss. Alle glücklich zu machen, ist verdammt schwierig. Und da als Liga zu sagen, das ist unser Vorschlag, das ziehen wir jetzt durch ohne die Spieler/Gewerkschaft zu fragen – ich weiß nicht. Da sollte man schon alle Parteien fragen und zu Wort kommen lassen.

Machen Sie sich Sorgen um DEL und ihre 14 Klubs?

Ullmann: Ich bin zuversichtlich, weil da vernünftige Leute sitzen. Wenn sich jetzt wirklich eine Gewerkschaft gründen sollte, dann sind mit Moritz Müller und Patrick Reimer zwei Jungs dabei, die über den Tellerrand hinaus schauen.

Glauben Sie an einen regulären Saisonstart der DEL im September?

Ullmann: Wenn ich sehr optimistisch bin, sehe ich September als machbar. Ende des Jahres scheint mir aber realistischer.

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