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Eishockey

08.09.2020

DEL-Chef Jürgen Arnold will an Saisonstart Mitte November festhalten

Wann in der DEL - hier im Augsburger Curt-Frenzel-Stadion - wieder Zuschauer erlaubt sind, ist offener denn je.
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Wann in der DEL - hier im Augsburger Curt-Frenzel-Stadion - wieder Zuschauer erlaubt sind, ist offener denn je.
Bild: Ulrich Wagner

Plus Wann in der DEL die Saison startet, ist unsicherer denn je. Aufsichtsratschef Jürgen Arnold spricht über den Neustart, den Gehaltsverzicht und ein Schreckensszenario.

Herr Arnold, in eineinhalb Wochen hätte eigentlich die DEL-Saison 2020/2021 starten sollen. Die Corona-Pandemie macht diesem Vorhaben jedoch einen Strich durch die Rechnung. Mit welchen Gefühlen blicken Sie auf diesen 18. September?

Jürgen Arnold: Natürlich kommt eine gewisse Wehmut auf, manchmal auch eine Portion Frust. Doch genau mit diesen Gefühlen müssen wir Funktionäre, Trainer und Spieler ja schon seit etlichen Wochen und Monaten leben. Rückblickend betrachtet war uns eigentlich schon seit Mai, als das offizielle Großveranstaltungs-Verbot für Bayern und Baden-Württemberg bis 31. Oktober verlängert wurde, klar, dass wir den 18. September als Start-Termin für die neue Saison nicht würden halten können.

Am 10. März gab die Deutsche Eishockey-Liga das vorzeitige Ende der Saison 2019/2020 bekannt. War Ihnen bereits zu diesem Zeitpunkt klar, dass das Thema Corona die Liga sehr lange beschäftigen und auch gravierende Auswirkungen auf die darauffolgende Spielzeit haben würde?

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Arnold: Zunächst einmal muss man natürlich sagen, dass zu diesem Zeitpunkt Anfang März absolut niemand Erfahrungen mit einer solchen Pandemie sowie deren Folgen hatte. Als wir uns damals entschieden haben, die Play-offs nicht mehr durchzuführen, gab es bereits seitens der Politik die ersten Anzeichen für einen Lockdown. Dass diese Entscheidung letztlich richtig war, hat sich ja im Nachhinein gezeigt. Als wir dann tatsächlich die ersten ein, zwei Wochen im bundesweiten Lockdown waren, kamen so langsam schon die ersten Gedanken auf, welches Ausmaß diese Pandemie tatsächlich annehmen würde beziehungsweise ob wir in der nächsten Saison überhaupt wieder Eishockey spielen dürfen.

Ist die DEL aufgrund der Tatsache, dass die Hauptrunde beendet werden konnte, vergangene Saison noch mit einem "blauen Auge" davongekommen?

Arnold: Natürlich haben unsere Vereine durch die ausgefallenen Play-offs, in denen in der Regel immer sehr gute zusätzliche Einnahmen generiert werden, auch einiges an Geld verloren. Aber insgesamt betrachtet kann man sicherlich sagen, dass wir als Liga in der Tat mit einem "blauen Auge" davongekommen sind.

Jürgen Arnold ist Aufsichtsratsvorsitzender der DEL.
Bild: Xaver Habermeier

Die DEL muss bei der Einnahmenseite mit deutlichen Einbußen rechnen

Mit Blick auf die Spielzeit 2020/2021 fingen die Probleme, Sorgen und Ungewissheiten allerdings erst an...

Arnold: Definitiv! Auch wenn es zu Beginn immer mal wieder die Hoffnung gab, dass wir - beispielsweise durch die erfolgreiche Suche nach einem Impfstoff - vielleicht doch pünktlich in die neue Saison starten könnten, wurde uns jedoch im weiteren Verlauf ziemlich schnell klar, dass sich - gerade im finanziellen Bereich - die Spielzeit 2020/2021 von der vorangegangenen deutlich unterscheiden würde. Sowohl auf der Zuschauer- als auch Sponsoren-Seite würden die Vereine mit deutlichen Einbußen rechnen müssen. Wir haben das also damals schon sehr realistisch eingeschätzt.

Wenn Einnahmen ausbleiben, muss man als Unternehmen bekanntermaßen die Ausgaben minimieren. Wann und wie kam die Liga auf die Idee, dass die Spieler in der kommenden Saison auf 25 Prozent ihres Gehalts verzichten beziehungsweise dieses ihrem Verein stunden sollen?

Arnold: Nun, es hat bereits im April erste Gespräche und Sitzungen mit den Gesellschaftern der 14 DEL-Klubs gegeben, in denen wir uns relativ schnell einig waren, dass wir in den bestehenden Verträgen gewisse Anpassungen vornehmen müssen, um in dieser schwierigen Phase die Vereine finanziell zu entlasten und ihnen eine gewisse Planungssicherheit zu geben. Konkret ausgedrückt: Das Überleben der Klubs wird dadurch definitiv um ein großes Stück wahrscheinlicher. Man muss ganz deutlich sagen, dass einige Klubs ohne diese Änderung schon jetzt in einen finanziellen Engpass kommen würden, da ja auch außerhalb einer Saison Fix-Kosten entstehen, die beglichen werden müssen.

Gehaltsverzicht? "Es gab Profis, die großes Verständnis hatten"

Dennoch schlug diese "75/25-Prozent-Regelung" in Spielerkreisen hohe Wellen. Da Akteure, die diese Zusatz-Vereinbarung nicht unterschreiben, von ihren Klubs keine Lizenz erhalten, machte sogar der Begriff "Erpressung" die Runde. Aber auch für die Vereine selbst war die Annahme durch die Spieler ein wichtiges Kriterium für die eigene Lizenzierung. Auf welcher Ebene sind diese Gespräche zwischen Klubs und Spielern verlaufen?

Arnold: Ich denke, das war an jedem Standort und bei jeder Spieler-Gruppierung anders. Es gab Profis, die hatten von Beginn an großes Verständnis, weil sie vielleicht in ihrer Karriere schon einmal eine ähnliche Erfahrung gemacht haben. Andere Akteure hingegen waren der Meinung, dass es nicht ihr Problem, sondern das der Gesellschafter sei. Von dem her waren die ersten Reaktionen doch sehr gemischt.

Drew LeBlanc wird auch in den kommenden beiden Spielzeiten für die Augsburger Panther auflaufen.
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Der bisherige AEV-Kader für die Saison 2020/21
Bild: Siegfried Kerpf

Lag es möglicherweise auch daran, dass die DEL die nötige Transparenz den Spielern gegenüber in diesem Punkt vermissen ließ?

Arnold: Nein, auf keinen Fall. Wir haben von Anfang an mit offenen Karten gespielt und den Akteuren alles offen gelegt. Klar, die Überzeugungsarbeit mussten letztlich die jeweiligen Klubs leisten. Diese haben versucht, den Spielern zu verdeutlichen, dass diese Regelung die einzige realistische Chance ist, dass wir überhaupt durch eine Saison kommen. Als wir damit Ende April zum ersten Mal auf die Spieler zugegangen sind, war dies ja zunächst nur als Vorsichtsmaßnahme gedacht. Im Nachhinein und mit dem jetzigen Wissensstand hat sich diese Entscheidung als absolut richtig erwiesen. Ich möchte nochmals betonen, dass es uns zu keinem Zeitpunkt darum ging, den Spielern Geld wegzunehmen. Wäre das unser Ziel gewesen, hätten wir ja gleich einen harten "Paycut" machen können. Sollten die Vereine die gleichen Umsätze wie im Vorjahr generieren, bekommen die Akteure selbstverständlich auch diese 25 Prozent wieder komplett ausbezahlt.

Diese "75/25-Prozent-Regelung" war auch ein sogenannter Prüfungs-Maßstab bei der diesjährigen DEL-Lizenzierung. Trotz allem gäbe es für die Vereine durchaus die Möglichkeit, dieses Konstrukt mit finanziellen Zusatzvereinbarungen problemlos zu umgehen und damit quasi aus der Solidarität auszubrechen - was nicht unbedingt im Sinne des DEL-Aufsichtsrates und der Mehrheit der Klubs sein dürfte...

Arnold: Dass derartige Zusatzvereinbarungen mit dem solidarischen Gedanken nichts zu tun haben, darüber gibt es sicherlich keine zwei Meinungen. Ich muss aber ganz deutlich sagen: Dem Aufsichtsrat beziehungsweise der DEL sind solche "Side Letter"-Vereinbarungen schlichtweg nicht bekannt. Unser Fokus als Aufsichtsrat liegt bekanntlich in der Fürsorgepflicht der Klubs. Und dieser sind wir dadurch gerecht geworden, dass wir auf eine Einnahmen abhängige Gehaltsreduzierung gepocht haben, die eben von den Vereinen umgesetzt werden musste, damit diese die kommende Saison zu Ende spielen können. Das alles ist auch in den jeweiligen Lizenzierungs-Unterlagen hinterlegt.

Eine freiwillige Gehaltsobergrenze betrachtet Arnold als unrealistisch

Eine andere Möglichkeit der Einsparung wäre der bereits in der Vergangenheit immer wieder diskutierte "Salary Cap", das eine ligaweite Obergrenze der Gehaltskosten festlegt. Können Sie sich ein solches Konstrukt in der DEL vorstellen?

Arnold: Über den "Salary Cap" diskutieren wir im Aufsichtsrat bereits seit dem Jahr 2005. Wir sind jedoch in Deutschland aufgrund der arbeitsrechtlichen Grundlagen nicht in der Lage, ein solches Konstrukt, wie es beispielsweise in Nordamerika angewendet wird, entsprechend umzusetzen. Man müsste, was die gesetzlichen Grundlagen betrifft, derart viele Veränderungen vornehmen, dass ich es derzeit für ausgeschlossen halte.

Die einzige Lösung wäre dementsprechend eine "freiwillig verpflichtende" Gehaltsobergrenze, die die Liga beziehungsweise deren Klubs selbst beschließen...

Arnold: Genau. Allerdings glaube ich ehrlich gesagt nicht, dass alle 14 Klubs einem freiwilligen "Cap" aus verschiedenen Gründen zustimmen würden.

Seit Kurzem gibt es die Spielervereinigung Eishockey (SVE), die von Moritz Müller (Kölner Haie/1. Vorsitzender) und Patrick Reimer (Nürnberg Ice Tigers/2. Vorsitzender) ins Leben gerufen wurde. Diese versteht sich nicht als Gewerkschaft, sondern als Interessen-Vertretung. Wie stehen Sie der SVE gegenüber?

Arnold: Sehr, sehr positiv! Wir haben dadurch künftig einen festen Ansprechpartner für Dinge, die alle Spieler betreffen - wie beispielsweise die Anpassung der Verträge. Wobei ich schon noch einmal betonen möchte, dass uns in diesem Fall - auch wenn es die Spielervereinigung zu diesem Zeitpunkt noch nicht gab - völlige Transparenz extrem wichtig war. Nachdem das 75/25-Modell final erarbeitet war und wir mit den Gesellschaftern dieses Thema besprochen hatten, haben wir diesen gesagt, dass sie uns bis zum nächsten Tag jeweils einen Spieler für eine Video-Konferenz benennen sollen. Weitere 24 Stunden später fand diese dann auch statt. Es ging also in keiner Weise darum, irgendwelche Entscheidungen im Hinterzimmer zu treffen. Schließlich war ja von Anfang an klar, dass das Ganze letztlich nur mit dem Verständnis der Spieler funktionieren kann. Hätte das nicht geklappt, wäre der eine oder andere Klub schon im jetzigen Stadium vor existenziellen Problemen gestanden. Daher war für uns, wie bereits gesagt, absolute Transparenz immer das oberste Gebot.

Gernot Tripcke ist der Geschäftsführer der Deutschen Eishockey Liga (DEL).
Bild: Uwe Anspach,dpa

In den vergangenen Monaten wurde von DEL-Geschäftsführer Gernot Tripcke immer wieder betont, dass eine komplette "Geisterspiel-Saison" für die Liga absolut kein Thema wäre. Warum kann sich die DEL ein solches Szenario grundsätzlich nicht leisten?

Arnold: Nun, wenn man den Liga-Durchschnitt betrachtet, besteht unser größter Einnahmen-Pfeiler zu rund 80 Prozent aus spieltagsbezogenen Erlösen. Wenn wir also ohne Fans spielen würden, bräche die größte Einnahme-Quelle weg. Und das kann sich schlichtweg kein Klub leisten.

Am DEL-Saisonstart 13. November soll festgehalten werden

Welche konkreten Optionen liegen denn derzeit auf dem Tisch beziehungsweise in der Schublade, um die Saison 2020/2021 möglichst komplett über die Bühne zu bringen? Der 13. November wurde ja bereits als Starttermin, ab dem wieder - wenn wohl auch eingeschränkt - mit Zuschauern gespielt werden soll, offiziell genannt...

Arnold: Selbstverständlich gibt es diesbezüglich jede Menge Denkmodelle, über die wir uns schon seit einigen Monaten intensiv Gedanken gemacht haben. Allerdings wollen wir jetzt zunächst einmal diesen 13. November im Fokus behalten, weil es eigentlich der letzte Termin ist, der uns eine reguläre Saison inklusive einer Play-off-Meisterrunde im Modus "Best-of-five" ermöglichen würde. Darüber hinaus gibt es weitere Gedanken-Modelle hinsichtlich eines späteren Saisonstarts oder einer verkürzten Spielzeit. Eines ist aber klar: Je weiter wir mit dem Saison-Beginn nach hinten rücken, um so größer müsste dann die Zuschauer-Zulassung oder auch die Subvention durch den Staat sein. Rein theoretisch könnten wir sogar am 13. November starten und die ganze Spielzeit ohne Zuschauer absolvieren - vorausgesetzt, der Staat würde dies komplett subventionieren!

Was wäre denn aus Ihrer Sicht das absolute "Worst-Case-Szenario", das es nach Möglichkeit zu vermeiden gilt?

Arnold: Es gibt sicher mehrere Situationen, die fatal wären. Würde man beispielsweise in die Saison starten und müsste sie dann wieder abbrechen, wäre das vor allem ein emotionaler Worst-Case! Es wäre aber noch viel fahrlässiger, wenn wir am 13. November mit der Hoffnung, dass sechs Wochen später Zuschauer zugelassen werden oder der Staat das Ganze schon subventionieren wird, die Saison beginnen würden. Sollte dann die Nachricht kommen, dass beides nicht möglich ist, müssten wir die Spielzeit aus wirtschaftlichen Gründen stoppen. Das wäre ebenfalls emotional, aber auch finanziell eine Katastrophe.

Und rein wirtschaftlich betrachtet?

Arnold: Das Schlimmste in diesem Fall wäre, wenn wir mit der Vorbereitung beginnen, zum Teil die Spieler aus der Kurzarbeit holen und dann das Ganze unmittelbar vor dem geplanten Saisonstart wieder einstellen müssten. Dann hätten die Klubs Kosten, aber überhaupt keine Einnahmen. Das wäre definitiv der finanzielle Worst-Case.

Eine Option, die sich keiner wünscht, aber dennoch nicht ausgeschlossen werden kann, ist eine Komplett-Absage der Saison 2020/2021. Kann es sich der Eishockey-Sport beziehungsweise die DEL - gerade auch im Hinblick auf die Basketball- und Handball-Konkurrenz - überhaupt leisten, eine ganze Spielzeit von der Bildfläche zu verschwinden?

Arnold: Auch wenn die Sportart Eishockey dadurch mit Sicherheit nicht sterben würde, wäre es in meinen Augen dennoch katastrophal, wenn wir ein Jahr lang - wie Sie gesagt haben - von der Bildfläche verschwunden wären. Wir werden daher auch alles versuchen, dass wir diese Saison in irgend einer Form über die Runden bringen - sofern es denn wirtschaftlich gesehen den Klubs gegenüber vertretbar ist! Wenn wir in die Spielzeit starten, dann aber aus finanziellen Gründen nach und nach die Klubs verlieren, würde es logischerweise keinen Sinn machen.

Arnold: Die DEL hält an Auf- und Abstieg fest

Ausgerechnet ab der Saison 2020/2021 gibt es in der Deutschen Eishockey-Liga wieder den Auf- und Abstieg! Gibt es etwaige Gedankenspiele, diesen möglicherweise aufgrund der Ausnahmesituation auszusetzen?

Arnold: Es gibt einen bestehenden Vertrag mit der DEL2, der das Thema Auf-/Abstieg beinhaltet - und an diesen werden wir uns halten!

Wenn Sie als Aufsichtsrats-Vorsitzender der DEL zum Abschluss einen Wunsch in Richtung Politik äußern dürften: Wie würde dieser aussehen?

Arnold: Ich würde mir von der Politik wünschen, dass sie auch die System-Relevanz "kleinerer" Sportarten wie Eishockey, aber auch Handball oder Basketball erkennt und deren Weiterleben ermöglicht. In unserem speziellen Fall geht es darum, einerseits Zuschauer zuzulassen und andererseits mit Subventionen die Klubs zu unterstützen, damit dieser Sport weiter ausgeübt werden kann.

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