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Ex-AEV-Stürmer

23.04.2020

Jörg: "So enthusiastisch wurde noch nie ein Vizemeister gefeiert"

Vizemeisterfeier 2010: Thomas Jörg (links) und Kapitän Steve Junker unterwegs im Autokorso am Rathausplatz.
Bild: Ulrich Wagner

Plus Thomas Jörg, ehemaliger AEV-Stürmer, ärgert sich über das Scheitern im Finale 2010 gegen Hannover. Und doch ist er froh, bald seine Karriere beendet zu haben.

Euphorie, Jubel, eine Stadt fiebert mit dem AEV: Vor zehn Jahren feierten die Augsburger Panther mit dem Gewinn der Deutschen Vizemeisterschaft den größten Erfolg in der Geschichte des ältesten Eislaufvereins Deutschland. In einer vierteiligen Serie blicken wir auf die turbulenten Tage im Frühling 2010 zurück, von der Fans wie Spieler bis heute schwärmen. Teil 4 – das Finale gegen Hannover.

Der bayerische Schwabe ist nicht für seine Gefühlsausbrüche bekannt. Ein gebrummeltes „passt scho“ gilt als Ausdruck höchster Glückseligkeit. Umso erstaunlicher ist, was sich vor zehn Jahren in Augsburg abspielte. „So ausgelassen und enthusiastisch ist in Deutschland wohl noch nie eine Vizemeisterschaft gefeiert worden. Das wird mir immer in Erinnerung bleiben“, blickt Thomas Jörg auf den Frühling 2010 zurück.

Obwohl die Panther gerade die Finalserie um den Meistertitel in der Deutschen Eishockey-Liga gegen die Hannover Scorpions verloren hatten, jubelten tausende Fans ihren Helden zu. Im Autokorso ging es zum Rathausplatz. Auf dem Balkon des Renaissancebaus präsentierte Kapitän Steve Junker den kleinen DEL-Pokal.

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Oberbürgermeister Gribl überreicht einen eigenen Pokal

Einen noch größeren Goldpott überreichte OB Kurt Gribl der Mannschaft, die sich ins Goldene Buch der Stadt eintrug. Nun ja, wenn es um Eishockey geht, reißt es selbst den Schwaben aus seiner Leberkässemmel-Lethargie heraus. Da kann nicht einmal der als lebensfroh geltende Rheinländer mithalten. „In Düsseldorf war es eine Selbstverständlichkeit in die Play-offs und weiter zu kommen. Zwei Mal bin ich mit der DEG Vizemeister geworden. Zum Feiern kamen da gefühlt zehn Fans.“

In Augsburg genossen die Anhänger die beste Eishockey-Saison aller Zeiten des ältesten Eislaufvereins Deutschlands in jeder Sekunde. Der hemdsärmelige Manager Max Fedra und Trainer Larry Mitchell bekamen eigene Straßen mit Schildern am Eisstadion.

Zwischenzeitlich hatte es nicht nach Sensation gerochen. „Ich weiß noch, dass wir vor Weihnachten eine schlechte Phase hatten und erst im Endspurt in die Play-offs eingezogen sind“, erzählt der ehemalige Stürmer. Über die Stationen Düsseldorf (2003 – 2007) und Ingolstadt (07/08) war der Stürmer zu den Panthern gekommen und stieg zum Assistenten auf. Bis heute trauert Jörg der verpassten Titelchance von 2010 nach. „Wahrscheinlich war es in den vergangenen 15 Jahren nie so leicht Meister zu werden, wie damals gegen Hannover.“ Obwohl den Niedersachsen ein sogenannter „sweep“, ein Abräumer mit drei Siegen (3:1, 3:2 n. V., 4:2) in der best-of-five-Serie gelang, sei das Duell enger gewesen, als es die Resultate zeigen.

„Es war verdammt knapp. Das eine oder andere Tor mehr für uns zum richtigen Zeitpunkt – und wir hätten das bessere Ende für uns gehabt“, ärgert sich Jörg „Zwei Dinge haben uns gefehlt: Zum einen das Glück. Zum anderen hat nach dem Finaleinzug gegen Wolfsburg vielleicht der absolute Wille gefehlt, nun auch den letzten Schritt zu machen.“

Kapitän Steve Junker hat den Laden zusammen gehalten

Als überragend hat er seine Kollegen in Erinnerung behalten. „Vom Teamgeist war das die vielleicht beste Mannschaft in der ich je gespielt habe. Daran hatte Kapitän Steve Junker großen Anteil. Er hat die deutschen Spieler und die nordamerikanische Fraktion zusammengehalten“, sagt der gebürtige Allgäuer aus Sonthofen.

Wie viel der Zusammenhalt ausmacht, zeigte sich in der darauffolgenden Saison, die der Vizemeister mit einem Absturz auf den 14. und letzten Tabellenplatz beendete. „Man hat Spieler mit Herz abgegeben, die zum Teil hätten bleiben wollen. Es war die schlimmste Mannschaft in der ich gespielt habe, vor allem charakterlich.“ Die Moral in der Truppe war verheerend. In der Spielzeit nach dem Triumph absolvierte Jörg verletzungsbedingt nur sechs Partien.

Jörg betritt nach dem Karriereende drei Jahre lang kein Stadion mehr

Bereits in den Play-offs hatte ihn ein erst später diagnostizierter Kahnbeinbruch an der Hand gehandicapt. Der Stürmer lief trotzdem in neun von 14 K.-o.-Partien 2010 auf. Im Halbfinale stoppte dann ein Fußbruch den Stürmer, die Finalserie erlebte er auf der Tribüne. Die vielen Verletzungen zwangen ihn 2011 zur Aufgabe. „Das war hart. Ich habe in den ersten drei Jahren kein Stadion mehr betreten und keinen Schläger in der Hand gehalten.“

So früh, mit nur 30 Jahren, die Karriere zu beenden, war nicht sein Plan gewesen. Aber heute ist Thomas Jörg froh darüber, auch dass ihn Manager Fedra und Hauptgesellschafter Lothar Sigl dazu angetrieben haben, sein Studium als Bau-Ingenieur nebenbei abzuschließen. Inzwischen arbeitet der ehemalige Profi als Standortleiter München für ISAS. Das Unternehmen aus Füssen wird von den ehemaligen Eishockeyspielern Alexander und Florian Jung geleitet. Jörg wohnt mit seiner Frau und den fünfjährigen Zwillingen in Stätzling.

Jetzt möchte der 38-Jährige nicht mehr mit seinem früheren Leben tauschen. „Druck ist im Arbeitsleben auch da. Aber als Profi stehst du ganz anders unter Druck.“ Und das Wochenende nicht mehr im Mannschaftsbus auf deutschen Autobahnen zu verbringen, auch das vermisst Jörg nicht. Es reicht die Erinnerung an ein fantastisches Frühjahr 2010 mit Augsburg.

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