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ERC Ingolstadt

09.01.2020

David Elsner: „Druck ist für mich wie eine Panik-Attacke“

Absolviert mittlerweile bereite seine fünfte Saison beim ERC Ingolstadt: David Elsner (rechts). Ob der Angreifer auch in der kommenden Spielzeit weiter für die Panther auf Torjagd gehen wird, dürfte sich in den kommenden Wochen entscheiden.
Bild: Johannes Traub

Plus Beim Angreifer der Ingolstädter Panther läuft es derzeit richtig rund. Im großen NR-Interview spricht Elsner über den Jahresauftakt, seine zwischenzeitliche Denkpause sowie mögliche Zukunft beim ERCI.

Herr Elsner, die Panther sind mit einer Niederlage (2:4 gegen Straubing) und einem Sieg (3:1 gegen Nürnberg) in das neue Jahr gestartet. Wie zufrieden sind Sie mit dem Auftakt ins neue Jahrzehnt?

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Elsner: Ich würde insgesamt schon von einem guten Start sprechen, weil wir in beiden Partien gute Leistungen abgeliefert haben. Gegen Straubing waren wir die bessere Mannschaft, haben das Match aber im Grunde selbst mit unseren Strafzeiten und Fehlern verloren. In der Partie gegen Nürnberg haben wir vor allem im ersten und letzten Drittel hervorragend gespielt und uns diesen „Dreier“ auch absolut verdient.

Persönlich betrachtet, haben Sie sowohl einen erstklassigen Jahresabschluss als auch Jahresanfang hingelegt: In den vergangenen sieben Begegnungen haben Sie jeweils gepunktet. Können Sie uns Ihr derzeitiges Erfolgsgeheimnis verraten?

David Elsner: „Druck ist für mich wie eine Panik-Attacke“

Elsner: Ich denke, der Hauptgrund ist einfach, dass ich meinen Kopf ausgeschaltet habe und mir keinen Druck mehr mache. Ich gehe einfach auf’s Eis und spiele ohne groß darüber nachzudenken das Eishockey, das ich kann. Und momentan funktioniert das ganz gut.

Sie haben während dieser Saison auch schon die andere Seite erlebt. Sprich: Die eigene Leistung und Punktausbeute waren nicht wirklich berauschend. Was macht es so schwer, diese erhoffte und benötigte Konstanz zu finden?

Elsner: Zunächst mal sollte man nicht vergessen, dass auch wir Profi-Sportler keine Maschinen, sondern Menschen sind, bei denen es gute und schlechte Tage gibt. Als Sportler hast du dann auch noch den Druck vom Trainer, dem Manager oder auch den Zuschauern, tagtäglich abzuliefern und deine Leistung zu bringen. Auf dem Eis musst du innerhalb von hundertstel Sekunden eine Entscheidung treffen beziehungsweise Aktion bringen. Es gibt natürlich Spieler, die in der Lage sind und es gelernt haben, immer konstant ihre Leistungen abzuliefern. Ich muss diesbezüglich ehrlich zugeben, dass ich nicht zu dieser Kategorie zähle. Das weiß auch unser Trainer, mit dem ich immer offen darüber rede. Zu Beginn der Saison war es bei mir der Fall, dass ich keinen Weg gefunden habe, dem Team richtig zu helfen beziehungsweise zu scoren.

Haben Sie sich in dieser Phase zu viel „einen Kopf gemacht“?

Elsner: Definitiv! Nachdem meine Vorgabe war, mindestens genau so viele Tore wie in der vergangenen Saison zu schießen, habe ich mir einfach zu viel Druck aufgeladen. Und Druck ist für mich wie eine Panik-Attacke. Überhaupt kein Problem habe ich dagegen, wenn man zu mir sagt: Mach dieses oder jenes auf dem Eis! Das kann ich dann auch Eins-zu-Eins umsetzen. Mitte dieser Spielzeit gab es ja dann nach einem Gespräch mit unserem Trainer für mich eine kurze Denkpause, in der ich nicht gespielt habe und die letztlich auch von beiden Seiten so gewollt war. Danach habe ich mich deutlich besser gefühlt und gute Leistungen bis heute abgeliefert. Ich hoffe natürlich, dass das so bleibt.

Bei der vergangenen Partie in Nürnberg (3:1) haben Sie gemeinsam mit Mirko Höfflin und Tim Wohlgemuth eine Sturmreihe gebildet, die sehr viel Lob bekommen hat. Was zeichnet diese Formation aus?

Elsner: Bei uns weiß jeder, was er machen muss. Wir versuchen, das Spiel einfach zu halten. Wenn man sieht, wie viele Scheiben wir dadurch auf den gegnerischen Kasten bekommen haben, zeigt das, wie gut es bei uns funktioniert hat.

Das „Kuriose“ daran ist: Wenn eine rein deutsche Sturmreihe in der DEL gut harmoniert und liefert, steht diese sofort im Blickpunkt. Vielmehr entsteht sogar fast schon der Eindruck, dass es etwas „Außergewöhnliches“ wäre. Wie nehmen Sie diese öffentliche Wahrnehmung wahr?

Elsner: Nun, gerade als deutscher Eishockey-Fan oder auch Manager sticht es sofort ins Auge, wenn mal eine deutsche Reihe funktioniert, das Spiel übernehmen oder auch mal die Top-Formation sein kann. Wenn das der Fall ist, ist es schon etwas Außergewöhnliches, ja. Als Verein sollte man auf alle Fälle stolz darauf sein, wenn man gute junge deutsche Akteure in seinem Kader hat und weiter darauf aufbauen.

Zeigt es aber auf der anderen Seite nicht auch ein gewisses Dilemma und Problem in der Deutschen Eishockey-Liga auf, wenn man davon spricht, dass eine rein deutsche Angriffsreihe es etwas Außergewöhnliches sei?

Elsner: Das würde ich gar nicht sagen. Wir deutsche Akteure sind so gestrickt, dass wir immer wieder um Jahresverträge kämpfen, um möglichst lange bei einem Verein beziehungsweise in der DEL zu spielen. Man braucht sich da keine allzu großen Illusionen machen: Die Deutschen sind ja in der Regel nicht „die“ Stammkräfte und Schlüsselspieler, auf die gesetzt wird. Bei uns in Ingolstadt ist das etwas anders. Unter Trainer Doug Shedden hat jeder seine Aufgabe. Mirko Höfflin und ich dürfen beispielsweise Überzahl spielen. Tim Wohlgemuth darf in Unter- und auch Überzahl ran und hatte zu Beginn gleich mal neun Tore auf seinem Konto. Da darf man dann als ERC Ingolstadt zurecht stolz darauf sein, einen jungen und talentierten Burschen wie ihn im Klub zu haben.

Vor einigen Monaten hat DEB-Sportdirektor Stefan Schaidnagel das „leidige“ Thema Ausländer-Reduzierung in der DEL wieder angestoßen. Wie stehen Sie dazu?

Elsner: Nun, man sieht es ja beispielsweise an der DEL-Scorerliste, dass einige Deutsche vorne dabei sind. Außerdem wollen die meisten deutschen Profis möglichst langfristig bei ihren Klubs spielen und sind oft Identifikationsfiguren. Wenn man sich die Olympischen Spiele, A- oder U 20-Weltmeisterschaften angesehen hat, war klar ersichtlich, dass das deutsche Eishockey viele gute Spieler und auch junge Talente hat, die absolut in der Lage sind, in der DEL tragende Rollen zu übernehmen. Daher wäre es aus meiner Sicht schon einen Versuch wert, die Zahl der Importspieler zu verringern. Die Schweiz nenne ich da immer gerne als positives Beispiel.

Als Hauptargument seitens der Vereine wird stets die finanzielle Komponente genannt. Sprich: Deutsche Akteure seien zumeist deutlich teurer als nordamerikanische beziehungsweise eingedeutschte Profis...

Elsner: Na ja, ich sage ihnen mal ein Beispiel. Wenn man sich in Deutschland eine Wohnung kaufen möchte, bekommt man für dieses Geld in Nordamerika gleich ein ganzes Haus. Wir haben hier einfach andere Lebenshaltungskosten. Die deutschen Profis sind für die Klubs eben schon von großer Bedeutung und haben oft auch wichtige Rollen, die über das rein Sportliche hinausgehen.

Womit wir auch beim Thema Identifikation wären, was für eine Sportart wie Eishockey unabdingbar ist. In der Regel sind diese Identifikationsfiguren für Fans und Sponsoren zumeist die deutschen Profis. Denken Sie, dass dieser Punkt bei den Klubs oftmals unterschätzt wird?

Elsner: Ja, auf alle Fälle. Man muss in Ingolstadt ja nur auf die Person Thomas Greilinger zurückblicken, der hier elf Jahre gespielt hat. Nicht nur jeder Ingolstädter, sondern jeder deutsche Eishockey-Fan kennt den „Greile“. Aber auch ein Timo Pielmeier, Fabio Wagner oder ich sind schon viele Jahre bei den Panthern und haben damit unterstrichen, dass wir über einen langen Zeitraum an einem Ort bleiben wollen. Hinzu kommt, dass die deutschen Akteure zumeist auch Vorbilder für den eigenen Nachwuchs sind. Von dem her ist diese Identifikation schon extrem wichtig.

Sie selbst absolvieren mittlerweile Ihre fünfte Saison beim ERC Ingolstadt. Nachdem Ihr Vertrag am Saisonende bekanntlich ausläuft: Gibt es bezüglich Ihrer sportlichen Zukunft schon eine Entscheidung oder Tendenz?

Elsner: Leider nein! Es gab zwar schon einige Gespräche mit anderen Vereinen. Aber bis jetzt hat sich noch nichts Konkretes entwickelt. Aktuell läuft es bei mir ja ganz gut. Ich hoffe natürlich, dass das so weitergeht und ich bis zum Ende der Spielzeit ein konkretes Angebot von einem Verein bekomme (lacht).

Ein Verbleib bei den Panthern ist aber nach wie vor eine Option?

Elsner: Ja, natürlich. Ich genieße es in Ingolstadt und würde auch sehr gerne hierbleiben. Letztlich spielen dabei aber natürlich mehrere Faktoren eine Rolle. Von meinem Agenten habe ich gehört, dass Sportdirektor Larry Mitchell Interesse daran hat, mich in Ingolstadt zu halten. Momentan ist sicherlich das Finanzielle noch etwas das Problem, weil viele Klubs noch nicht genau wissen, mit welchem Budget sie in die neue Saison gehen. Ich lasse mich davon aber nicht verrückt machen, sondern vielmehr überraschen, was am Ende dabei herauskommt.

Panther aktuell: Mit vollem Kader trat der ERC Ingolstadt am Donnerstagmittag die Auswärtsfahrt nach Wolfsburg an, wo es am Freitag (19.30 Uhr) gegen die heimischen Grizzlys geht. Auch Torhüter Timo Pielmeier hat seine leichte Gehirnerschütterung überwunden und ist wieder einsatzfähig. Ob er oder Jochen Reimer gegen die Niedersachsen das Panther-Gehäuse hüten wird, wollte Headcoach Doug Shedden ebenso nicht verraten wie die Tatsache, welcher ausländische Akteur „überzählig“ auf die Tribüne muss.

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