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Eishockey

26.07.2019

Neville Rautert: „Greilinger ist für uns Gold wert“

Eifrig bei der Sache: DEC-Sportdirektor Neville Rautert (hinten links) und Thomas Greilinger (hinten rechts) mit seinen Söhnen Ben und Jonathan.
Bild: Dirk Sing

Der Deggendorfer Sportdirektor erklärt, was die „Panther-Legende“ für den DSC sowohl als Nachwuchs-Cheftrainer als auch Spieler so wertvoll macht und wie er auf die Idee kam, ihn zu verpflichten

Thomas Greilinger ist in seinem Element. Mehrmals wöchentlich bittet der ehemalige Angreifer des ERC Ingolstadt in seiner „neuen (und alten) Heimat“, dem Eisstadion des Deggendorfer EC, den dortigen U7-Nachwuchs zum Sommertraining. Und auch die „Eishockey-Stars von morgen“ haben bei den kindgerechten Lauf-, Koordinations- oder Stickhandling-Übungen des neuen Nachwuchs-Cheftrainers des DSC sichtlich ihren Spaß. Keine Frage, Sportdirektor Neville Rautert, der bis 2018 selbst noch als Team-Manager beim ERCI tätig war, ist mit der Verpflichtung Greilingers, der neben seiner Trainer-Tätigkeit auch für das dortige Oberliga-Team auf Torejagd gehen wird, ein echter Coup gelungen. Die Neuburger Rundschau hat sich mit Rautert in Deggendorf getroffen und unterhalten.

Herr Rautert, der Deggendorfer SC ist in der vergangenen Saison von der DEL2 in die Oberliga abgestiegen. Was bedeutet das für den Verein?

Rautert: Natürlich ist es gerade für die Fans sehr schade, da sie in der DEL2 sehr spannendes und unterhaltsames Eishockey verfolgen konnten. Dennoch sehe ich das Ganze nicht unbedingt als Rückschritt an. Es war immer unser Ziel, dem Nachwuchs eine Chance zu geben. Und gerade in der Oberliga haben sie eine noch größere Möglichkeit, sich entsprechend weiterzuentwickeln. Letztlich gibt’s bei einem Abstieg immer Pro und Contra. Wir wollen in dieser Saison unsere Philosophie, Mentalität und Kultur etwas verändern, um damit die Grundlagen zu schaffen, uns langfristig in der DEL2 zu etablieren.

Neville Rautert: „Greilinger ist für uns Gold wert“

Wie wichtig ist in diesem Gesamtkonzept die Person Thomas Greilinger?

Rautert: Er ist für uns natürlich Gold wert! Ich habe ihn ja auch als Jugendtrainer in Ingolstadt gesehen, wo er eine super Arbeit mit den Kleinsten geleistet hat. „Greile“ und ich haben uns schon immer sehr gut verstanden und in ganz vielen Dingen die gleiche Denkweise. Wir sind beispielsweise fest davon überzeugt, dass wenn man im Eishockey nachhaltig etwas verändern will, geht dies nur über den Nachwuchs. Es gibt Talente – und die müssen einfach entsprechend gefördert werden sowie die nötige Zeit und eine Chance bekommen! Man muss sich schlichtweg um sie kümmern. Und genau dafür ist „Greile“ die richtige Person – sei es beim Nachwuchs oder auch als Spieler bei den Senioren, wo er den jungen Akteuren enorm weiterhelfen kann. Wir haben bereits in der abgelaufenen Saison diesbezüglich einen ersten kleinen Schritt gemacht. Jetzt mit „Greile“ können und wollen wir die nächsten entscheidenden machen.

Sie haben die Philosophie und Kultur, die verändert werden wollen, angesprochen! Welche spielerische Vorgabe wird es unter dem Nachwuchs-Cheftrainer Thomas Greilinger geben?

Rautert: Wir haben sehr intensiv über dieses Thema gesprochen und waren uns auch hier einig: Zunächst einmal müssen die Kinder an dem, was sie machen, Spaß haben. Viel laufen und offensiv zu spielen, das macht einfach Spaß – ganz im Gegensatz zum permanenten „Scheibe-tief-Spielen“ und hinterherzulaufen. Genau in diesem Bereich wollen wir unseren Nachwuchskräften bereits im jungen Alter die Möglichkeit geben, ihre Fähigkeiten zu verbessern. Für diese Philosophie ist „Greile“ absolut der Richtige. Im Senioren-Bereich hingegen hat natürlich unser neuer Headcoach Dave Allison das Sagen. Er wird ein System finden, das genau zu den Fähigkeiten unserer Spieler passt. Auch hier wollen wir versuchen, offensiv und aggressiv zu spielen. Das bedeutet aber auch, dass nicht alle blind nach vorne laufen werden. Wir wollen, das unsere Mannschaft in der Defensive genau so hart arbeitet wie im offensiven Drittel.

Denken Sie, dass der Name Greilinger auch für Kinder und Jugendliche außerhalb von Deggendorf als Zugpferd dienen wird, um sich diesem Projekt beim DSC zu verschreiben?

Rautert: Auf jeden Fall! Ein Thomas Greilinger oder auch Timo Pielmeier, der ja ebenso aus Deggendorf stammt, sind in Eishockey-Deutschland mehr als nur ein Begriff. Ich bin überzeugt, dass im Laufe der nächsten Jahre deshalb viele junge und talentierte Eishockey-Spieler den Schritt nach Deggendorf machen werden, um „Greile“ kennenzulernen und ein Teil dieses Prozesses zu sein.

Sie sind seit der Saison 2018/2019 als Sportdirektor beim Deggendorfer SC tätig. Wann kam Ihnen eigentlich die Idee, Thomas Greilinger für den DSC zu verpflichten?

Rautert: Ich hatte mit „Greile“ schon immer ein sehr gutes Verhältnis. Als ich den Job beim Deggendorfer SC bekommen habe, war er der Erste, der mir dazu gratuliert hat. Ich habe ihm dann gesagt, dass er sich nach seiner aktiven Karriere unbedingt bei mir melden soll, wenn er im Eishockey-Business bleiben möchte – zumal er sehr heimatverbunden ist! Um so schöner ist es, dass es bereits zum jetzigen Zeitpunkt mit einer Verpflichtung geklappt hat.

Dennoch Hand auf’s Herz: Nachdem Thomas Greilinger insgesamt elf Jahre für den ERC Ingolstadt gespielt hat und auch die Verantwortlichen in der Vergangenheit immer wieder betont haben, dass sie ihre „Legende“ nach deren Karriereende unbedingt im Verein behalten wollten: Waren Sie dennoch überrascht, dass es am Ende tatsächlich mit einem Engagements Greilingers beim DSC funktioniert hat?

Rautert: Das ist eine schwierige Frage. Der ERC Ingolstadt ist ein toller Verein mit einer sehr guten Nachwuchsarbeit. Der Beirat hat viel bewegt in Ingolstadt und ich glaube, dass wir in Zukunft immer mehr junge Spieler vom ERCI im Profibereich sehen werden. Dennoch hatte ich ein gutes Gefühl. Letztlich muss man mit den Leuten zusammenarbeiten, denen man vertraut. Und wie bereits gesagt, „Greile“ und ich haben ein sehr gutes Vertrauensverhältnis, das sich im Laufe der Jahre entwickelt hat. Er weiß daher, dass es nicht nur „heiße Luft“ ist, was ich ihm in Sachen Nachwuchskonzept und Planung erzählt habe. Würden wir hier beim DSC beispielsweise mit Deutsch-Kanadiern im Nachwuchs etwas aufbauen wollen, wäre er mit Sicherheit nicht gekommen. „Greile“ möchte mit uns in den kommenden Jahren etwas richtig Gutes und Nachhaltiges entwickeln.

Um beim Thema „Junge deutsche Nachwuchstalente“ zu bleiben: Mit Marlon Wolf ist auch der Topscorer der vergangenen Jugend-Bundesliga Süd-Saison vom ERC Ingolstadt nach Deggendorf gewechselt, wo er sowohl im DNL3- als auch Senioren-Oberliga-Team zum Einsatz kommen soll. Welchen Plan verfolgen Sie mit ihm beim DSC?

Rautert: Nun, wir haben Marlon mehrfach beim ERC Ingolstadt beobachtet. Dabei war er eigentlich immer der beste Spieler auf dem Eis. Es gibt allerdings ab sofort einen großen Unterschied: Bislang hat er nur im Nachwuchs gespielt – jetzt auf einmal mit Männern! Ich erwarte in diesem ersten Jahr von Marlon, dass er versteht, was es heißt, Profi zu sein. Wenn die Einstellung stimmt und der nötige Ehrgeiz vorhanden ist, wird er bei uns seine Chance definitiv bekommen. Potenzial und Talent alleine reichen nicht – entscheidend ist, wie gesagt, die richtige Einstellung. Und ich bin überzeugt, dass Marlon genau diese Charakteristiken hat. Natürlich werden diese Jungs gerade am Anfang einige Probleme haben. Aber das ist völlig normal. Wir werden daher alles tun, um jedem dieser jungen Akteure bestmöglich zu helfen.

Am Sonntag, 1. September (17 Uhr), kommt es in Deggendorf zum Testspiel gegen den ERC Ingolstadt. Wie sehr freuen Sie sich auf dieses Match?

Rautert: Ich freue mich vor allem für unsere Fans, dass sie die Gelegenheit haben, ein Top-Team aus der DEL zu erleben. Aber auch die Ingolstädter Anhänger können „Greile“ nochmals spielen sehen – wobei es schon ein komisches Gefühl sein dürfte, wenn er dann ein anderes Trikot trägt. Abgesehen davon ist aber sicherlich auch bei Timo Pielmeier und Christoph Gawlik die Vorfreude auf diese Begegnung groß. Nicht zu vergessen natürlich Marlon Wolf, für den es sein zweites „Profi-Spiel“ werden wird.

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