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FC Ingolstadt

08.05.2015

Trainer beim FC Ingolstadt – ein Schleudersitz

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2 Bilder
Das erste Trainergespann beim FC Ingolstadt: Jürgen Press und Co-Trainer Willi Stegmeier.
Bild: Roland Geier

FCI-Serie Bevor Ralph Hasenhüttl die Erfolgsserie bei den Schanzern einleitete, blieben die Übungsleiter meist nicht allzu lange im Amt

Das Kind, das aus der Ehe zwischen den beiden Fußballvereinen ESV und MTV Ingolstadt geboren wurde, ist erwachsen geworden. Der FC Ingolstadt, der nach der Fusion 2004 in der Fußball-Bayernliga in Ingolstadt eine neue Epoche einleitete, steht bereits in seinem elften Jahr kurz vor dem Aufstieg in die Bundesliga. Von Anfang an und bis heute mit dabei ist unser Mitarbeiter Roland Geier, der in dieser Zeit viel erlebte. In unserer fünfteiligen Serie erzählt er von einigen Höhepunkten. Teil 4: Das Trainer-Karussell beim FC Ingolstadt.

Langfristig hatte FC Ingolstadt eigentlich mit seinen Trainern geplant, doch wie es im Fußball so ist, drehte sich auch beim FC Ingolstadt das Trainer-Karussell in den elf Jahren Vereinsgeschichte rasend schnell.

Es begann mit Jürgen Press. Der Fußballlehrer war ein absoluter Glücksfall für den Verein. Mit ihm ging es von der Bayernliga in die Regionalliga Süd, wo der FCI gleich wieder oben mitmischte. Sein Pech war, dass er von vielen Zuschauern nicht so recht akzeptiert wurde. Obwohl seine Fähigkeiten als Trainer unumstritten waren und er auch sportlich auf Kurs war, musste er nach drei Jahren, sechs Monaten und einem Tag seinen Hut nehmen.

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Was Vielen nicht passte: Press eckte einfach immer wieder an, was ihm zum Verhängnis wurde. „Mich persönlich kotzt es an, in diesem Scheißstadion zu spielen. Wir haben von der ersten Minute an zwar viele Zuschauer gehabt, aber keine Unterstützung. Nach zehn Minuten legt die Gegentribüne schon wieder los, beschimpft die Spieler, beschimpft den Trainer. Das kann nicht sein! Und das ist Ingolstadt? Da sage ich nur Dankeschön.“ Mit diesen emotionalen Ausbruch im MTV-Stadion hatte sich Press wohl selbst einen Strick gedreht. Dabei war er ein umgänglicher Typ. Heute zwar undenkbar, aber damals schon an der Tagesordnung, dass ich mit ihm in seiner winzigen Trainerkabine, etwa sechs Quadratmeter groß, in der sich auch noch Co-Trainer Willi Stegmeier umziehen musste, Interviews führte und über Fußball diskutierte.

Thorsten Fink, der ehemalige Bayern-Profi, wurde der Nachfolger von Press und stieg mit dem FCI sofort in die 2. Liga auf. Er scheiterte aber an seiner offensiven Spielweise. Obwohl die Abstiegs-Alarmglocken bereits laut geläutet hatten, wich er von seinem Konzept keinen Zentimeter ab. Sein Auftritt bei den Schanzern endete nach 472 Tagen. Ein Kollege und ich hatten den Braten frühzeitig gerochen und legten uns auf dem Parkplatz am Tuja-Stadion auf die Lauer. Als Verbindung diente Pressesprecherin Sabrina Bernecker-Fritsche, die uns über die Zwischenstände informierte. Nach stundenlangem Warten sagte Fink ganz entspannt. „Der Verein musste reagieren, weil er den letzten Strohhalm nutzen wollte.“ Und seinen Nachfolger, U-23-Trainer Michael Wiesinger, haben wir am Parkplatz auch gleich erwischt. Er sprang aber nur kurz als Interimstrainer in die Presche.

Horst Köppel übernahm. Viele sprachen hinter vorgehaltener Hand von „Opa Horst“. Er stieg mit den Schanzern prompt ab und sollte den Wiederaufstieg einleiten. Doch es wurde nur ein kurzes Intermezzo. Köppel schien mit dem Trainerteam unterschiedliche Auffassungen zu haben und zudem nutzten die Spieler seine Gutmütigkeit aus. Auch sein ganzer Stolz, sein Glücksbringer, eine goldene Uhr, die er gerne präsentierte, rettete ihn nach 197 Tagen nicht vor einer Beurlaubung.

Ins Spiel kam wieder Michael Wiesinger, der Cheftrainer wurde und den Wiederaufstieg in die 2. Liga schaffte. Die Trendwende nach oben bei den Schanzern stockte dennoch. So übernahmen nach 361 Tagen Benno Möhlmann mit Co-Trainer Sven Kmetsch das Ruder beim Fußballclub. Der erfahrene Zweitligatrainer rettete die Schanzer vor dem Abstieg, doch in der darauffolgenden Saison drohte erneut der Abstieg. Nach 367 Tagen wurde der Schleuderstuhl der Schanzer mit Thomas Oral besetzt. Mit ihm war nicht gut Kirschen essen. Der kleine Vulkan legte sich nicht nur mit Journalisten an. Auch gegnerische Trainerkollegen bekamen sein Temperament zu spüren. Nach einem Zwischenhoch war auch für Oral nach 598 Tagen Schluss bei den Oberbayern.

„Kurz“ war das Gastspiel von Marco Kurz. Der 44-Jährige legte einen katastrophalen Start hin. Das Aus kam am neunten Spieltag. Seitdem schwimmt der FC Ingolstadt auf einer Erfolgswelle, die wohl demnächst mit dem Aufstieg in der Bundesliga endet. Eingeleitet hat sie Co-Trainer Michael Henke am 10. Spieltag in der Saison 2013/14 als Interimstrainer. Durch ein Freistoßtor von Pascal Groß siegte der FCI beim VfL Bochum mit 1:0. Danach übernahm Ralph Hasenhüttl das Ruder. Er führte den FC Ingolstadt in die Erfolgspur. Am Sonntag könnten die Schanzer den Erfolgskreis in Bochum schließen.

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