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Porträt
05.01.2022

Skisprung-Star Ryoyu Kobayashi – ein echter Neo-Japaner

Ryoyu Kobayashi ist der derzeit beste Skispringer der Welt.
Foto: Hendrik Schmidt, dpa

Ryoyu Kobayashi dominiert ein weiteres Mal bei der Vierschanzentournee. Seine Gefühle kann der Skispringer jedoch nicht immer so zeigen kann, wie er möchte.

Das Bemühen ist vorhanden. Markus Neitzel redet lange und ausgiebig. Er übersetzt gewissenhaft, damit Ryoyu Kobayashi auch wirklich alles versteht. Neitzel ist Dolmetscher, er begleitet den japanischen Skispringer intensiv. Aber wirklich viel erfährt auch er von dem 25-Jährigen nicht.

Die Antworten des Japaners sind kurz gehalten. Sie handeln oft von der Freude über seine Erfolge, der Wichtigkeit des Teamgedankens und dass er einfach glücklich sei, Teil der Skisprungszene zu sein. Das wiederum ist keine Überraschung, ist das Skispringen doch seine Leidenschaft. Das, was er so gut kann wie momentan kein anderer. Vor drei Jahren hat Kobayashi schon einmal die Vierschanzentournee gewonnen, mit Siegen auf allen vier Schanzen. Grand Slam wird dieses Kunststück genannt und kommt so häufig vor wie Schneefall in Peking. Kann passieren, aber eher selten.

Kobayashi allerdings scheint in der Lage zu sein, seinen Triumph zu wiederholen. Am Dienstag hatte ihn zwar wie auch seine Kollegen der Wind in Innsbruck ausgebremst, für den Japaner war der Ausfall des Wettbewerbs allerdings keine schlechte Nachricht. Ihm liegt die Schanze von Bischofshofen, auf der am Donnerstag der Abschluss der Tournee stattfindet, ohnehin besser. Soll sich keiner wundern, wenn er unter dem Flutlicht von Bischofshofen wieder triumphiert.

Ryoyu Kobayashi liebt schnelle Autos und moderne Musik

Kobayashi ist eigentlich ein leidenschaftlicher Sportler. Einer, der seine Gefühle gerne zeigen würde. Zu Beginn seiner Karriere hat er nach starken Sprüngen die Fäuste in die Höhe gerissen, lautstark gejubelt und sich auch mal auf die Brust getrommelt. In Japan allerdings ist Eigenlob so beliebt wie das Verspeisen von Insekten in Deutschland. Kobayashi musste sich also etwas zurückhalten, er musste eher über das Team reden als über sich selbst. Dabei ist er mitteilungsbedürftig.

Wie fast jeder 25-Jährige bewegt er sich in den sozialen Medien, zeigt sich auf Instagram oder Twitter. Vor wenigen Jahren bezeichnete er sich als „Neo-Japaner“. Also wenig den Traditionen verbunden, vielmehr auf sich selbst schauend. Er liebt schnelle Autos und moderne Musik. Und das Gefühl, über allem zu schweben.

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Skispringen ist eine Kunst. Es ist aber auch die Suche nach dem richtigen Flugsystem, um den Kampf gegen den Respekt vor der Höhe zu gewinnen. Kobayashi hat eine Automatik entwickelt, auf die er zurückgreifen kann. Ein System, das verlässlich ist. Der 25-Jährige stammt aus Sapporo, seine Familie ist dem Skispringen verfallen. Sein Vater ist Sportlehrer, seine Geschwister sind ebenfalls Skispringer. Aber nicht so erfolgreich. Den Gesamt-Weltcup hat er gewonnen, nun wird er wohl erneut auf der Tournee triumphieren. Sein Vermögen wird mittlerweile auf weit über eine Million Euro geschätzt. Nach seinem ersten großen Erfolg hat er sich einen Luxuswagen gekauft. Ganz der Neo-Japaner eben.

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